Zweibrücken / Kleinsteinhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Heftiger Gegenwind für Björn Bernhards Kindergarten-Idee

Verbandsbürgermeister Bernhard würde gerne das Personal in die Verbandsgemeinde übernehmen und fünf Springer einstellen. Sie sol
Verbandsbürgermeister Bernhard würde gerne das Personal in die Verbandsgemeinde übernehmen und fünf Springer einstellen. Sie sollen dort eingesetzt werden, wo kurzfristig Erzieher ausfallen. »Wir brauchen jeden Tag ständig irgendwo Personal«, sagte er. Das Foto entstand Anfang 2020 in Mittelbach.

Verbandsbürgermeister Björn Bernhard stellte am Mittwoch in Kleinsteinhausen die Idee eines Zweckverbandes für die Kindergärten oder deren Übernahme durch die Verbandsgemeinde vor. Er hatte es schwer. Bürgermeisterin Wagner sagte direkt, dass sie von der Idee rein gar nichts hält.

Bernhards Idee: Die Kindergärten in der Verbandsgemeinde könnten sich zu einem Zweckverband zusammenschließen, bei dem die Gemeinden die Kindergärten behalten – oder sie könnten von der Verbandsgemeinde übernommen werden. In beiden Varianten, so Bernhard, können Ausfälle beim Personal in den einzelnen Kindergärten schnell aufgefangen werden. Dies und die Hilfe für die Ortsbürgermeister seien die einzigen Gründe für diese Idee. „Keinesfalls wollen wir den Gemeinden die Kindergärten wegnehmen“, stellte der Verbandsbürgermeister gleich zu Beginn klar.

Das neue Kindergartengesetz, das in Rheinland-Pfalz seit dem 1. Juli gilt, hatte massive Auswirkungen auf den Stellenmarkt bei den Erzieherinnen. „Das Gesetz hatte zur Folge, dass fast überall mehr Personal gebraucht wird. In Rheinland-Pfalz fehlen aktuell 2600 Erzieher“, erklärte Gerd Reischmann von der Verwaltung. Als weitere Folge des Gesetzes werden die Stellen für jeden Kindergarten in jedem Jahr anhand der Anzahl der Kinder neu berechnet.

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Geht also ein starker Jahrgang ab, und es folgt ein schwacher nach, bekommt der Kindergarten weniger Stellen. Welche Möglichkeiten eine Gemeinde dann hat, zählte Bernhard auf: Entlassen, behalten und aus eigener Tasche zahlen oder gleich befristet einstellen. Jemanden zu finden, der sich befristet einstellen lässt, sei auf einem leergefegten Markt sehr schwer. Wird Personal entlassen, ist es weg – auch wenn es ein andermal wieder gebraucht wird.

Springer sollen schnell als Vertreter helfen

Bernhard würde deshalb gerne die Kindergärten und damit auch das Personal in die Verbandsgemeinde übernehmen und fünf Springer in Voll- und Teilzeit einstellen. Diese Springer sollen dort eingesetzt werden, wo kurzfristig Erzieher ausfallen. „Wir brauchen jeden Tag ständig irgendwo Personal“, betonte Bernhard.

Außerdem soll eine volle Stelle für eine pädagogische Gesamtleitung geschaffen werden. „Wir sprechen hier von einer Stelle ab S18 für jemandem mit mindestens 20 Jahre Berufserfahrung und entsprechender Ausbildung“, erklärte Reischmann. S18 bedeutet ein Gehalt von etwa 3800 bis 5800 Euro im Monat. Die Leitung soll so lange erreichbar sein, wie die Kindergärten geöffnet sind – also auch freitagnachmittags.

Wagner: Erzieher sind entsetzt

Bürgermeisterin Martina Wagner machte von Anfang an keinen Hehl daraus, dass sie von der Idee nichts hält: „Unsere Erzieher waren entsetzt. Die Erzieher wollen nicht springen. Die kann man nicht einfach von A nach B schicken. Außerdem brauchen Kinder eine Bezugsperson. Gerade die ganz kleinen. Da kann man nicht immer jemand anderes hinsetzen wie an eine Kasse.“

„Wir wollen doch auch keine Fluktuation wie auf einem Bahnhof“, entgegnete Bernhard. Es gehe nicht darum, feste Erzieher ständig woanders hinzuschicken, sondern Springer einzustellen, die genau das übernehmen. „Es gibt durchaus Leute, die das gerne machen. Und die wissen bei der Einstellung, was auf sie zukommt. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich die Kindergärten anzusehen, und wenn im Wunschkindergarten eine Stelle frei wird, dort anzufangen“, erklärte Bernhard. Auch das Argument mit der festen Bezugsperson wollte er nicht so stehen lassen: „Wenn die Bezugsperson krank ist, dann ist sie auch nicht da. Mit dem Unterschied, dass bei unserer Idee jemand anderes kommen kann.“

Wagner wies darauf hin, dass der Kindergarten mit den Eltern einen Notfallplan ausgearbeitet hat. Fällt Personal aus, könne er beispielsweise früher schließen. „Aber darunter leiden doch die Eltern. Wenn die Verbandsgemeinde zuständig ist, ruft ihr an und sagt, dass ihr eine Vertretung braucht. Und dann bekommt ihr die“, so Bernhard.

Rat will Umfrage unter Erziehern

Mit der Springerlösung wollte sich Wagner dennoch nicht anfreunden. „Was, wenn die Person nicht ins Team passt?“, fragte sie. „Gegenfrage: Was ist, wenn es im Team generell nicht passt? Was könnt ihr als Gemeinde da groß unternehmen?“, entgegnete Bernhard. Im Modell Übernahme oder Zweckverband seien Versetzungen einfacher. Damit könne man solche Konflikte lösen.

Eine Entscheidung stand am Mittwoch nicht an. Der Rat kann erst mal überlegen und abstimmen, ob er sich eines der Modelle generell vorstellen könnte. Machen genug Kindergärten mit, werden die Details ausgearbeitet und der Verbandsgemeinderat befasst sich damit. Kleinsteinhausen will zunächst eine Umfrage unter den Erziehern starten.

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