Hornbach / Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Harz und Hirsch: Warum Hieronymus Bock die Bäume in sein Kräuterbuch aufnahm

Kleine Weißtannen schmücken die Zweibrücker Fußgängerzone in der Vorweihnachtszeit. Die Unterseite der Blätter ist silbrig matt
Kleine Weißtannen schmücken die Zweibrücker Fußgängerzone in der Vorweihnachtszeit. Die Unterseite der Blätter ist silbrig matt (»eschenfarben«, also aschgrau, schreibt Hieronymus Bock).

Nicht nur Kräuter, sondern auch Bäume finden sich im Kräuterbuch des Westricher Botanikers Hieronymus Bock. Warum das so ist.

„Dise beüm schwitzen ein sehr wolriechenden lauttern Hartz / fast wie der Weiherauch / an der gestalt und geruch.“ Wie Kaugummi und Bonbons lässt sich solches Harz verwenden, „vertreibt den bösen athem / steiffet das zanfleisch.“ Hieronymus Bock, der die Pflanzen immer wieder „erriecht“, um sie zu erkennen und einzuordnen, hat seine Freude an den Nadelbäumen im Allgemeinen und den Tannen im Besonderen. Und seien wir ehrlich: der köstliche Harzgeruch an den Fingern, ist eine schöne Belohnung für das Binden eines Adventskranzes und das Zurechtmachen des Christbaums im Wohnzimmer. Nicht zuletzt damit bleibt die Natur jedem Plastikbäumchen und jedem künstlichen Duft überlegen. Auch wenn man sich ein bisschen ärgert, dass das klebrige Zeug unter dem Wasserhahn so schlecht abgeht. Macht nichts.

Als erster Botaniker der Neuzeit hat Hieronymus Bock sein Kräuterbuch nicht nur den krautigen Pflanzen gewidmet: der dritte Teil behandelt die Bäume, Sträucher und Kleinsträucher – ganz gleich, ob sie von medizinischem Interesse sind oder nicht. Das war eine Idee seines Verlegers, Wendel Rihel in Straßburg. In der ersten Auflage von 1539 gibt es die Gehölze noch nicht und 1546 hat man diesen gehölzkundlichen Teil vorsichtshalber noch separat gedruckt und gebunden, um erst mal zu sehen, ob sich so etwas verkauft. Die Kundschaft fand es gut, und so entstand 1551 mit der dritten Auflage Bocks vollständiges Kräuterbuch unter Einschluss aller holzigen Pflanzen.

Bäume mit Sympathiefaktor

Der Erfolg ist in hohem Maß auch den Zeichnungen des jungen Straßburgers David Kandel zu verdanken. Offensichtlich hatte der Künstler eine große Freude daran, die Bäume sympathisch und lebendig darzustellen – mit überraschenden Accessoires. Das Eichhörnchen passt gut zur Tanne, zugegeben, aber der Damhirsch? Er schrieb sich damals manchmal mit T; ein Wortspiel mit Tam und Tann? Vielleicht. David Kandel war anscheinend stolz auf dieses Bild; es gehört zu den wenigen, die er mit seinen Initialen signiert hat. Dabei hat er sich so auf den stolzen Hirsch konzentriert, dass die Genauigkeit der Pflanzendarstellung leidet.

Ob der Damhirsch zur Tanne passt? Die Baumbilder des jungen Zeichners David Kandel sind fast immer originell und amüsant.
Ob der Damhirsch zur Tanne passt? Die Baumbilder des jungen Zeichners David Kandel sind fast immer originell und amüsant.

Liest man sich ins Kräuterbuch ein, merkt man: eigentlich konnte Bock die Nadelbäume recht gut unterscheiden. Und er profitierte von seinen Kontakten in die Schweiz. So ist etwa die Lärche dargestellt – die der Westricher Botaniker in Graubünden gesehen haben muss, wo sie ausgedehnte Wildbestände bildet. Unter den Kiefern gibt es nicht nur die Waldkiefer, sondern auch die wesentlich ausgefallenere Arve oder Zirbelkiefer, die in Hochtälern mit trockenem Klima wächst. Um sie aufzuspüren, nimmt uns Bock an der Hand und führt uns weit weg in die Schweiz: „Ich muß nun ins hoch gewälde / unnd sehen wie die Hartzbeüm auffgestiegen seind / und so ich in das gewildtnuß kommen / findt ich zum ersten den edelen Hartzbaum inn den hohen Alpen des oberen Teutschen landts / als umb Wallis / naher Italien.“

Die Serie

2025 ist ein Hieronymus-Bock-Jahr in Zweibrücken und Hornbach. Mehrere Veranstaltungen erinnern an den Botaniker und Kräuterbuchautor aus dem 16. Jahrhundert, der in Hornbach lebte und wirkte. Die RHEINPFALZ veröffentlicht monatlich einen Beitrag zu einer der 800 Pflanzen in Bocks Kräuterbuch.

Der Autor

Otto Schäfer ist gebürtiger Zweibrücker. Als Biologe und evangelischer Theologe arbeitete er vor allem in Frankreich und der Schweiz (Flora und Vegetation, Naturphilosophie sowie Umweltethik). Im Ruhestand lebt er in den Südvogesen, widmet sich aber auch der Natur und Kultur seiner alten Heimat. Und das mit seinen eigenen „zwei Brücken“: Deutsch und Französisch, Naturwissenschaft und Theologie. Ein großes Anliegen ist ihm die Erhaltung der Bibliotheca Bipontina mit ihrem gewachsenen Gesamtbestand. Er findet: Der historische Altbestand gehört nicht nur zu Zweibrücken – er gehört nach Zweibrücken.

Die Ausstellung

Die zweisprachige Ausstellung „Grünes sehen, riechen, erkunden: Pflanzen und Menschen bei Hieronymus Bock“ von Lehrenden und Studierenden der Universität des Saarlandes und von französischen Botanikern in der Bibliotheca Bipontina ist am Dienstag, 25. November, zum letzten Mal zu sehen und zwar von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr.

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