Contwig Granate stammt vom Einmarsch der Amerikaner – Vermutlich im März 1945 abgeschossen
Die am Donnerstagmittag in Contwig unschädlich gemachte Phosphorgranate ist ein Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg. Vermutlich wurde sie bei den Kämpfen am Westwall im März 1945 von einem Gewehr abgeschossen.
Phosphorgranaten sind kleiner als Phosphorbomben. Phosphorbomben wurden im Zweiten Weltkrieg von Flugzeugen aus abgeworfen. Sie beinhalten ein Gemisch aus weißem Phosphor und Kautschuk und wurden eingesetzt, um Städte in Brand zu setzen und Menschen zu töten. Der weiße Phosphor entzündet sich beim Aufprall auf den Boden allein durch den in der Luft enthaltenen Sauerstoff und brennt dann mit einer 1300 Grad heißen Flamme. Sie sollte mit Sand gelöscht werden. Wer mit Wasser löscht, der erstickt zwar das Feuer zunächst, es kann später aber wieder aufflammen.
Der in den Bomben enthaltene Kautschuk sollte dafür sorgen, dass der Phosphor auf Gegenständen, aber auch auf der menschlichen Haut haften bleibt und sich verteilt: ein unmenschlicher Kampfstoff. Die Opfer starben an Vergiftung oder Verbrennungen, oft erst nach fünf bis zehn Tagen. Die deutsche Luftwaffe bombardierte London mit Phosphorbomben, die britische Dresden und Hamburg.
Phosphorgranaten dienten im Zweiten Weltkrieg eher einem anderen Zweck: Wegen der starken Rauchentwicklung des weißen Phosphors wurden sie zur Vernebelung eingesetzt. Verteidiger einer Stellung setzten sie ein, um schnell große Nebelwände zu erzeugen, so dass der Angreifer das vor ihm liegende Gelände und die Abwehrstellungen nicht mehr sehen konnte. Angreifer setzten sie ein, um für die Verteidiger unsichtbar zu werden.
Laut Kampfmittelräumdienst handelte es sich in Contwig um eine US-amerikanische Granate. Es spricht also fast alles dafür, dass die gestern in Contwig gesprengte Phosphorgranate im März 1945 abgeschossen worden war. Am 19. März 1945 griff die 3. US-Infanteriedivision den Westwall bei Zweibrücken direkt an, nachdem sie zuvor Tag für Tag nach heftigen Gefechten Dorf für Dorf vorgerückt war. Die berüchtigte deutsche 17. SS-Panzergrenadierdivision Götz von Berlichingen, die in Frankreich schwere Kriegsverbrechen begangen hatte, verteidigte den Wall, der ein Eindringen des Feindes in das Deutsche Reich verhindern sollte. Nach fünftägigen, schweren, verlustreichen Kämpfen, die zu den heftigsten auf deutschem Boden an der Westfront zählten, überwanden die Amerikaner das Bollwerk am 20. März und marschierten dann in Zweibrücken ein. Die Stadt selbst fiel weitgehend kampflos.
Am späten Nachmittag des 21. März rückten die Amerikaner bis Contwig vor, trafen dort auf Widerstand der SS-Division und griffen um 21 Uhr den Nordosten des Dorfes an. Am nächsten Morgen war Contwig gefallen. Vermutlich hatten die angreifenden Amerikaner die Phosphorgranate abgeschossen, um den deutschen Soldaten die Sicht zu vernebeln. Sie war aber nicht explodiert und wurde deshalb erst jetzt, 75 Jahre nach den Kämpfen, entdeckt.
Es ist großes Glück, dass niemand sie in all den Jahren gefunden und angefasst hat. Spielende Kinder, ein Arbeiter mit dem Pickel, ein Bauer mit dem Pflug: Hätte jemand die Granate erwischt, dann hätte unsägliches Leid die Folge sein können. In den ersten Jahren nach dem Ende des Kriegs verloren – gerade in der Pfalz und im Saargebiet – einige Kinder, Jugendliche und Erwachsene Gliedmaßen, weil sie beim Spielen oder beim Arbeiten auf Granaten oder Munition stießen.