Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Gerli Schuhe: Familienbetrieb im besten Alter

3,2 Millionen Paaar Schuhe der Eigenmarke Dockers by Gerli verkauft das Unternehmen inzwischen.
3,2 Millionen Paaar Schuhe der Eigenmarke Dockers by Gerli verkauft das Unternehmen inzwischen.

50 ist kein Alter. Erst recht nicht bei einem Unternehmen. Bei dem Merzalber Schuhunternehmen Gerli rechnen sie durchaus mit weiteren erfolgreichen Jahren. Denn die sportiven Schuhe und Boots der Eigenmarke Dockers by Gerli liegen voll im Trend. Und im Unternehmen steht nun auch die dritte Generation in den Startlöchern. Gute Nachrichten zum runden Geburtstag.

Wenn am kommenden Freitag die Belegschaft den runden Geburtstag ihrer Gerli – der Schuhimport und Export Gerli GmbH – feiern wird, dann dürfte der Blick auf 50 Jahre Schuh-Geschäft positiv ausfallen. „Wir sind zufrieden“, formuliert es Ralf Grossmann, der zusammen mit Sven Andersson als geschäftsführender Gesellschafter das Unternehmen lenkt. Das Jahr 2022 sei das umsatzstärkste in der Gruppe gewesen, stellt Grossmann fest, 2023 dürfte ähnlich gut abschneiden. Der Verkauf für das Frühjahr 2024 laufe bereits gut.

Auch Kreuzfahrer kaufen die Schuhe

3,2 Millionen Paar Schuhe für Damen, Herren und Kinder hat das Merzalber Unternehmen 2022 verkauft. Der Hauptmarkt ist nach wie vor Deutschland, etwa 40 Prozent der Schuhe gehen ins Ausland, vor allem nach Frankreich, Italien, Skandinavien und Benelux; der russische Markt ist infolge des Krieges zusammengebrochen. Italien habe als Absatzmarkt zugelegt, berichtet Grossmann. Sogar auf Sizilien würden ihre Schuhe verkauft – auch dank deutscher Touristen. Die kauften nämlich, wenn sie etwa von Kreuzfahrtschiffen an Land gingen, dort offenbar gerne Schuhe aus Merzalben.

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Ralf Grossmann, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der Gerli GmbH.
Das Unternehmen

Schuhimport und Export Gerli

In Merzalben entstehen die Modelle, gefertigt werden sie komplett in Asien für Gerli. Vor allem in China, Indien, Bangladesh und Pakistan. Durch die Pandemie seien sie gut durchgekommen, stellt Grossmann fest. Folgen hätten aber auch sie gespürt. Vor allem in Form gestiegener Frachtkosten, weswegen sie in der vorigen Saison ihre Verkaufspreise ebenfalls erhöht hätten. Aktuell sei das aber nicht vorgesehen, versichert er. Die Produktion selbst laufe längst wieder problemlos. Ihnen komme dabei auch zugute, dass den Chinesen inzwischen Aufträge aus den USA fehlten – daher habe China mehr Kapazitäten.

Barfußschuhe boomen

Im Programm hat Gerli modische Schuhe für alle Altersgruppen. Der Anteil der Damenschuhe liegt bei 45 Prozent und der der Herrenschuhe bei 40 Prozent. Den Rest machen Kinderschuhe im Größenbereich 23 bis 41 aus. Die klassischen „Dockers“, deren Vorbild die Boots der Dockarbeiter waren, sind dabei, aber auch etliche sportive und leichte Modelle. Lässig und bequem müssten die Schuhe sein, sagt Grossmann und zeigt dabei auf das Zugpferd der aktuellen Kollektion – einen biegsamen Barfußschuh. Damit liegen sie weiterhin im modischen Sneaker-Trend. Und der dürfte sich so rasch nicht verändern, meint Grossmann – „es bleibt sportlich“.

Neu hinzugekommen sind vor einem Jahr Damen- und Herrenschuhe der Marke Camel active, die Gerli in Sublizenz produziert; der Vertrag läuft sieben Jahre. Grossmann sieht darin sehr große Wachstumschancen, denn die Marke habe allein in Deutschland einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent. Camel-Schuhe waren bereits im früheren Salamander-Konzern produziert worden und zuletzt vom Sublizenznehmer HC Footwear GmbH (Osnabrück), der 2022 allerdings Insolvenz anmeldete. Für Grossmann ist das neue Lizenz-Geschäft vielversprechend angelaufen: Im ersten Vertriebsjahr hätten sie bereits 220.000 Paar verkauft.

Aus Prinzip keine eigenen Läden

Verkauft werden Schuhe beider Marken im Fachhandel: im Einzelhandel, in Warenhäusern, in Schuhhandelsketten, über Versender. Übrigens überwiegend im stationären Handel, das Online-Geschäft auf Handelsplattformen macht nur etwa 15 Prozent aus. Einen eigenen Online-Shop hat Gerli nicht, ebenso keine eigenen Läden, mit Ausnahme des Fabrikverkaufs in Münchweiler. Das direkte Geschäft mit dem Verbraucher wollten sie ihren Kunden, den Fachhändlern, überlassen, betont Grossmann. Etwa 5000 Fachhändler beliefert Gerli, auch einige in der Region.

Dass die Handelslandschaft seit geraumer Zeit stark im Umbruch ist, geht an Produzenten nicht vorbei. Viele Einzelhändler, aber auch Filialisten wie beispielsweise Reno melden Insolvenz an oder geben auf. Der deutsche Markt bereinige sich gerade, stellt Grossmann fest; es gebe einfach zu viele Verkaufsflächen. Aus seiner Sicht hat die Misere mehrere Gründe. Zum Teil gebe es bei Händlern einen Investitionsstau und es fehle an geschultem Personal, dann reduziere der Handel viel zu früh und beraube sich damit selbst wichtiger Einnahmen. Nicht zuletzt seien aber auch Rahmenbedingungen in Innenstädten für den Handel unvorteilhaft, etwa dann, wenn Kunden nicht mehr in der Nähe parken könnten. Dass es aber auch erfolgreiche Schuhhändler gebe, zeige unter anderem das Beispiel des Filialisten Deichmann.

Neue Kunst-Kooperation geplant

Erfolgreich war für Ralf Grossmann auch ein eigenes Pilotprojekt: die inzwischen abgeschlossene Kooperation mit dem Pirmasenser Künstler Thomas Gensheimer, bei der eine limitierte Auflage von 5000 Paar Schuhen mit Pop Art-Bildern aus dessen Hand versehen wurden. Alle Schuhe seien verkauft worden, an einer neuen Kooperation mit einer Künstlerin werde derzeit gearbeitet.

Zuversichtlich ist die Geschäftsführung beim Blick in die Zukunft: Die dritte Unternehmer-Generation steht in den Startlöchern. Beide Söhne von Ralf Grossmann haben Ausbildungen im Bereich Mode und Handel absolviert. Eine gute Voraussetzung für die Fortführung des Familienbetriebes.

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