Dahn
Gastronom Matthäus Burkhart kämpft gegen anonyme Kritik im Netz
„Ich bin ein positiv eingestellter Mensch und gehe die Dinge gern optimistisch an“, sagt Matthäus Burkhart selbstbewusst und mit einem Lächeln. Doch eine Sache gibt es, die den 57-jährigen Gastronom und Hotelier des Ferienbahnhofs in Dahn-Reichenbach seit Längerem stört: anonyme und ungerechtfertigte Kritik im Internet. Erfahrungen damit hat nicht nur Burkhart selbst gemacht, das gehe auch seinen Kollegen so, erzählt der Unternehmer.
„Wir hatten bestimmt schon 2,5 Millionen Gäste im Alten Bahnhöf’l“, erzählt Burkhart. Der überwältigende Teil der Gäste sei sehr zufrieden, was sich in vielen persönlichen, positiven Kommentaren widerspiegele und zu guten Kritiken auf Online-Plattformen führe. Ziemlich genau 1600 Kritiken verzeichnet das Alte Bahnhöf’l auf der Plattform Google, die Bewertung liegt im Schnitt bei 4,5 Sternen.
Verletzende Kritik
„Wir stehen gut da“, sagt Burkhart. Trotzdem gebe es immer wieder einzelne Kritik, die verletzend und ungerechtfertigt sei. Manchmal auch schlicht absurd: So habe eine Person eine mittlere Bewertung abgegeben, obwohl sie – wie sie selbst schrieb – nie im Alten Bahnhöf’l essen war und das Restaurant nur von Außen gesehen hatte.
„Ich finde Kritik wichtig und sie soll auch geäußert werden“, sagt Burkhart. Nur so könne sich etwas verbessern. Dass nicht immer alles glatt gehe, der Salat vielleicht mal versalzen sei oder die Bestellung verwechselt werde, komme vor. „Wir sind alles Menschen“, sagt Burkhart.
Anonyme Kritik im Internet
Ihn stört nicht die Kritik an sich, sondern die Art und Weise, wie sie vorgetragen wird – anonym im Internet. Ihm wäre es lieber, wenn Gäste direkt im Restaurant etwas sagen würden – dann könne er darauf reagieren, könne etwas ändern. Jeder Gast habe den Anspruch, gut bedient zu werden, ist Burkhart überzeugt. Und wenn etwas schief laufe und reklamiert werde, reagiere er auch: „Wir stornieren oder bringen Ersatz.“ Schwierig sei es, wenn die Menschen vor Ort nichts sagten, zu Hause dann aber schlechte Kritiken verfassten.
Das Thema der anonymen Kritik beschäftigt Burkhart schon länger. Jetzt hat er sich dazu auf Facebook geäußert. Dort hat er in einem längeren Text seine Sicht der Dinge dargelegt und ein großes Echo der Zustimmung erfahren. 200 Mal wurde der Post geteilt, über 80 Kommentare geschrieben.
In seinem Text wirbt Burkhart zum einen um Verständnis, dass trotz großer Anstrengungen auch mal Fehler passierten, zum anderen fordert er die Menschen dazu auf, wieder respektvoll miteinander umzugehen.
Menschen lieber motivieren als angreifen
Die Gastronomie habe es derzeit durch mehrere Faktoren sehr schwer. Gerade im ländlichen Bereich verschwänden immer mehr Betriebe. „Es ist ein hartes Geschäft, das vieler Entbehrungen bedarf“, schreibt Burkhart. Er vermutet, dass ungerechtfertigte Kritik im Internet dazu beiträgt, die Menschen, die den Beruf eigentlich gerne ergriffen haben, zu demotivieren.
„Wir machen bestimmt Fehler, sind keine Götter mit weißen Schürzen“, so Burkhart. Dass Preise erhöht werden müssten, hänge nicht damit zusammen, dass Gastronomen ihre Kunden abzocken wollten, sondern weil alles viel teurer geworden sei. Eine Strompreiserhöhung, die auf dem Papier stattfinde, nehme jeder mehr oder weniger hin – Gastronomen werde jedoch unterstellt, dass sie sich bereichern wollten. Leider gebe es auch Menschen, die unbedingt kritisieren wollten und dabei jede Kleinigkeit zum Anlass nähmen.
Kritik aus nichtigem Anlass schmerzt
Gegen eine konstruktive Kritik, die dabei helfe, sich zu verbessern, habe er nichts. „Aber diese Ein- oder Zwei-Sterne-Bewertungen wegen Kleinigkeiten oder irrelevanten Sachverhalten sind wie Nadelstiche ins Herz“, schreibt der Gastronom. Ein Beispiel: Ein Kunde habe einen Stern vergeben, weil er zu seiner Leber lieber Kartoffelpüree statt Pommes gehabt hätte. So bestellt habe er das allerdings nicht.
Burkhart wünscht sich, dass die Menschen wieder das Positive in den Vordergrund stellen, Fehler ansprechen und dadurch motivieren, es beim nächsten Mal besser zu machen. Gerade die Vielfalt der Gastronomie sei wichtig, vom Schnellimbiss bis zum Sternerestaurant. Jeder, der seine Arbeit gut mache, verdiene da fünf Sterne – bei kleinen Macken dann mit kleinen Abzügen.
„Wenn es uns nicht gäbe, würde den Menschen im Leben etwas Wichtiges fehlen: Gesellschaft, Genuss und auch ein bisschen Freiheit“, ist Burkhart überzeugt. Doch gerade Neueinsteigern müsse man die Zeit lassen, sich einzuarbeiten und ihnen so eine faire Chance geben. Er selbst gehe auch gern essen und dabei sei er auch nicht immer zu 100 Prozent zufrieden. Dennoch sehe er das Gute zuerst und lobe zuerst einmal das.
Angebot, miteinander ins Gespräch zu kommen
Auch wenn die Kritik meistens anonym sei, äußert sich Burkhart im Internet dazu, nimmt dort Stellung und bietet den Gästen an, noch einmal vorbeizukommen. „Das hat noch keiner gemacht.“ Stattdessen habe ihm einmal ein Gast erzählt, dass er ins Alte Bahnhöf’l gekommen sei, weil ihm die Art, wie Burkhart schriftlich auf die Kritik reagiert habe, gefallen habe. „Ich lasse die negativen Kritiken nicht löschen“, sagt Burkhart. Einzig persönliche Beleidigungen würden automatisch entfernt.
Im persönlichen Gespräch lasse sich alles lösen, ist der Gastronom überzeugt. Und so schließt er positiv: „Uns geht es doch allen gut, die meisten sind gesund, genießt doch einfach die schönen Dinge des Lebens. Essen und Trinken in Gesellschaft ist definitiv was Schönes.“ Dass sein Post so viele Menschen, darunter andere Gastronomen, erreicht hat und auf Zustimmung und Verständnis stieß, freut ihn. Er wünscht sich, dass die Menschen wieder mehr positives Denken verbreiteten, um dadurch ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen ausgeglichener und besser zu machen.
