Dahn-Reichenbach
Altes Bahnhöf’l: Touristische Attraktion für Eisenbahn-Fans
In diesem Jahr wird die Gaststätte Altes Bahnhöf’l 40 Jahre alt. Matthäus Burkhart (57) ist bereits als Jugendlicher in die Rolle des Eigentümers hineingewachsen. Alles fing mit einer Idee seines Vaters Willi Burkhart an: Auf dem Weg zur Arbeit sei sein Vater jeden Tag an dem halb verfallenen Bahnhof vorbeigefahren. Das Gebäude stamme aus dem Jahr 1913, bis Anfang der 1970er Jahre sei es als Bahnhaltestation genutzt worden.
Als Schreinermeister habe es den Vater gejuckt, dem maroden Gebäude wieder Leben einzuhauchen. Warum nicht als Gaststätte, die die Familie nebenbei betreiben könnte, überlegte sich Willi Burkhart. Außerdem könnte das für seinen jüngsten Spross ein Einstieg ins Arbeitsleben sein. Zwei der drei Kinder seien bereits im elterlichen Schreinerbetrieb untergebracht gewesen, doch für den Jüngsten, Matthäus Burkhart, habe der Vater noch etwas finden wollen, erzählt der Sohn heute.
1985 wurde das Lokal eröffnet
Gedacht, getan: Im Jahr 1983 kaufte Willi Burkhart das ehemalige Bahnhofsgebäude. „Da war ich 15 Jahre alt“, erinnert sich Matthäus Burkhart. Ab da verbrachte er einen Teil seiner Jugend auf einer Baustelle, die einmal seine Zukunft werden sollte.
Zwei Jahre später, im Sommer 1985, eröffnete das Alte Bahnhöf’l. „Die Arbeit im Lokal hat meine Mutter Ruth praktisch zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen“, erinnert sich Burkhart mit einem Augenzwinkern. Die ganze Familie packte mit an, Eltern und Geschwister. Los ging es mit Flammkuchen, Bratwurst, Bier und Schorle. „Ich hab’ als Schüler an der Theke ausgeholfen“, erzählt Matthäus Burkhart, der aus Bruchweiler stammt.
Nach einem Jahr sei der erste Koch eingestellt worden, nach zwei Jahren sei das Geschäft so gut gelaufen, dass es nicht mehr nebengewerblich betrieben werden konnte. So habe die Familie beschlossen, den Betrieb zu verpachten. Er selbst habe 1987 Abitur gemacht, der Schwerpunkt lag auf Alten Sprachen. „Damit wird man entweder Philosoph oder Wirt“, sagt Burkhart mit einem Schmunzeln.
Statt Studium in die Gastronomie
Zuerst habe er eine Ausbildung als Koch absolviert, danach schrieb er sich an der Universität in München zum Studium der Ernährungswissenschaft und Sozialkunde ein. Damals habe er sich vorstellen können, Berufsschullehrer zu werden.
Doch es kam anders. Als der Pächter der Gaststätte 1992 kündigte, gab es eine Familienratssitzung im Hause Burkhart. Der Entschluss: Matthäus soll die Gaststätte übernehmen. „Am nächsten Tag bin ich nach München gefahren und hab’ mich exmatrikuliert“, erzählt er. Nach wie vor unterstützten ihn die Eltern bei der Arbeit. 1997 sei der Betrieb auf ihn überschrieben worden, nahezu schuldenfrei.
Über die Jahre wurde nach und nach erweitert, eine Küche und ein Nebenraum wurden angebaut, dafür habe er rund eine Million Euro investiert. Zu Beginn habe es rund 50 Sitzplätze im Restaurant gegeben, heute sind es etwa 150. Auch der Biergarten wurde vergrößert und überdacht, statt 30 Personen finden seither 130 dort Platz. Bis 2016 war Burkhart ausschließlich in der Gastronomie unterwegs, doch nachdem im Abstand einiger Jahre seine Eltern starben, habe er überlegt, wie es mit dem Betrieb weitergehen soll. „Ich wollte etwas verändern“, sagt er.
Die ersten Ferienwohnungen entstehen
Er beschloss, das Thema Übernachtungen anzugehen. Es sollte etwas Besonderes sein, das der Geschichte des Alten Bahnhöf’ls Rechnung trägt. So entstand die Idee, Bahnwaggons für Übernachtungen anzubieten – der Ferienbahnhof war geboren. Er habe drei historische Eisenbahnwaggons gekauft und sie zu fünf Ferienwohnungen mit zusammen 16 Betten umgebaut, sagt Burkhart. Zwischen 500.000 und 600.000 Euro habe er dafür in die Hand genommen.
Im April 2016 ging es los und als er das Strahlen in den Augen des ersten Gastes gesehen habe, sei ihm klar gewesen, dass das Projekt ein Erfolg werden würde. „Wir sind von April bis Ende Oktober zu 95 Prozent ausgebucht“, sagt Burkhart. Die Nachfrage nach den Waggons steige immer noch. Die meisten Gäste stammten aus einem Umkreis von 200 Kilometern, doch auch Niederländer und Schotten haben schon in einem der Waggons übernachtet. Familien mit Kindern kämen genau so gerne wie erwachsene Zugfans. Sie alle seien der Faszination Eisenbahn erlegen – er selbst mittlerweile auch, erzählt Burkhart.
Die Erweiterung um zwei zusätzliche Ferienwohnungen mit zusammen sechs Betten und eine barrierefreie Ferienwohnung mit vier Betten waren die nächsten Schritte.
Hotel mit Eisenbahnwaggon im Erdgeschoss
Als Tochter Elena Ruth Burkhart (25) nach dem Abitur und mehreren Ausbildungen, darunter zur Assistentin im Hotelmanagement, in den Betrieb einsteigen wollte, begann Matthäus Burkhart, noch weiter zu denken. „Wir hatten Gastronomie und Ferienwohnungen. Für die Zukunft fehlte noch ein Hotel“, fasst er zusammen. Denn auch die zweite Tochter, Anna Lavinia Burkhart (20), bereitet sich nach dem Abitur mit einer Ausbildung zur Köchin auf den elterlichen Betrieb vor.
Auch beim Hotel darf der Bezug zur Eisenbahn nicht fehlen: Im Erdgeschoss steht ein historischer Esslinger aus dem Jahr 1957, der früher auf der Strecke gefahren sei, als Frühstückswagen für Gäste, erzählt Burkhart. Das Frühstück ist einer der Bereiche, der in der Hand seiner Ehefrau Angelika Burkhart liegt. Das Mittag- und Abendessen wird im Alten Bahnhöf’l serviert. Damals seien dort sechs bis sieben Personen im Einsatz gewesen, heute beschäftige der gesamte Betrieb bis zu 50 Personen in der Saison, darunter drei Vollzeitköche.
Eine Zukunft auf der Reichenbach
Um den Wagen herum ist ein zweistöckiges Hotel mit 20 Zimmern und insgesamt 46 Betten entstanden. Vier Millionen Euro seien in das Hotel geflossen, der Bau sei in eine der teuersten Phasen gefallen.
Angefangen habe der Betrieb mit einem jährlichen Umsatz von 300.000 Mark, überschlägt Burkhart. Zwar habe es auch schwierige Zeiten gegeben, doch vor allem ging es kontinuierlich bergauf. Für das nächste Jahr strebt er einen Umsatz von zwei Millionen Euro an.
In einigen Jahren will sich der 57-Jährige dann nach und nach aus dem Betrieb zurückziehen. Gemeinsam mit seiner Frau will er den Töchtern das hinterlassen, was ihm seine Eltern hinterlassen haben: ein Stück Zukunft auf der Reichenbach.