Südwestpfalz Frühstart nach dem Winter: Viele Störche sind schon in die Südwestpfalz zurückgekehrt

Der Storch im Nest bei der Fischerhütte in Rieschweiler kommt aus der Schweiz.
Der Storch im Nest bei der Fischerhütte in Rieschweiler kommt aus der Schweiz.

Trotz der Winterkälte ist der Weißstorch bereits ins Schwarzbach- und Hornbachtal zurückgekehrt. Rund 20 Störche wurden bei Rieschweiler gesichtet, im Hornbachtal über 50.

Das Klappern der Störche ist wieder zu hören, als stünde der Frühling schon unmittelbar vor der Tür. Trotz Winterkälte ist der Weißstorch ins Schwarzbach- und Hornbachtal zurückgekehrt. Zwischen Hitscherhof und den Mühlen in Rieschweiler-Mühlbach halten sich bereits rund 20 Störche auf. Im Hornbachtal sind es schon mindestens 50 Stelzenvögel. Diese viel zu frühe Rückkehr der Rotschnäbel scheint zu einer bedenklichen Normalität zu werden.

Schon in den letzten Januartagen haben sich auf den Dächern des Hitscherhofes, auf den Bäumen an der Bahnlinie in Höhmühlbach und an der Fischerhütte in Rieschweiler Störche niedergelassen. Die Beringung verrät, dass an der Fischerhütte ein Adebar aus Binningen in der Schweiz eingetroffen ist. Er wurde 2014 im Baseler Land beringt. Der Partner auf dem Nest hat keinen Ring.

Auf einem Baumnest bei der Schuhfabrik Stuppy in Höhmühlbach räumt ein Storch die Nestmulde auf. Er kommt aus Bornheim bei Landau, wo sich das Storchenzentrum Rheinland-Pfalz befindet. Naturfreund Jörg Lefebre aus Rieschweiler hat ein Storchenpaar auf einer Birke an der Bahnlinie nach Dellfeld entdeckt, wo beide zur Begrüßung ein intensives Klapperkonzert gegeben hätten.

Ein Besucher aus Frankreich

Auf dem Hitscherhof sind die Bewohner zwar erfreut, dass die ersten Nester wieder besiedelt sind. Sie finden aber, dass die Störche besser noch einen Monat im wärmeren Süden geblieben wären. Vor allem die auf dem Hofgut wohnenden Kinder haben aber Freude daran, die Störche zu beobachten. Auf dem Dachfirst eines der Wohnhäuser rastete ein Storch, der am Bein einen weißen Plastikring mit den Großbuchstaben „AFYW“ trägt. Die Schrift auf dem Metallring am anderen Bein war nicht lesbar. Der weiße Ring deutet eindeutig darauf hin, dass es sich um einen Storch handelt, der nicht in Deutschland zur Welt kam.

Eine Anfrage bei der Vogelwarte in Radolfzell am Bodensee hat ergeben, dass der kräftige Adebar 2005 im französischen Waltenheim-sur-Zorn am Rhein-Marne-Kanal beringt wurde. Aus der Datenbank für beringte Vögel in Paris hat Radolfzell erfahren, was auf dem Metallring an Buchstaben und Zahlen verewigt ist: Der Storch aus dem Département Bas-Rhin hat schon erstaunliche 20 Lebensjahre hinter sich. Sein Geburtsort liegt laut Vogelwarte etwa 60 Kilometer vom Hitscherhof entfernt.

Der Personalausweis des Vogels

In Walshausen haben Anni und Egon Hüther schon einen Storch auf den Dächern in ihrer Nachbarschaft beobachtet. Auf einer Scheune am Ortseingang von Dietrichingen, im Nabu-Feuchtgebiet in Mauschbach, vor der Klosterstadt Hornbach und auf einem Nestmast in Althornbach wurden weitere frühe Rückkehrer gesichtet.

Die Vogelwarten in Deutschland beringen die Störche mit einem schwarzen Kunststoffring, der heute aus zwei Teilen zusammengesetzt ist, dem sogenannten Elsa-Ring. Er wurde speziell vom Fraunhofer-Institut in Pfinztal bei Karlsruhe entwickelt, um Verletzungen auszuschließen. Zudem wurde die weiße Schrift mit Laserstrahl auf gleich drei Seiten eingraviert, sodass diese sich über einen langen Zeitraum besser ablesen lässt.

So sehen die beiden Teile aus, die dann am Storchenbein zu einem „Ring“ zusammengesetzt werden.
So sehen die beiden Teile aus, die dann am Storchenbein zu einem »Ring« zusammengesetzt werden.

Auf dem Ring kann man einen aus Zahlen und Ziffern zusammengesetzten Code erkennen. Dieser ist quasi der Personalausweis des Vogels. In der Datenbank der jeweiligen Vogelwarte ist der Lebenslauf des Storches hinterlegt, der umso umfangreicher ist, je öfter der Ring irgendwo abgelesen werden konnte und Meldungen eines Vogelbeobachters an die Vogelwarte gemacht wurden.

Beliebter Storchentreff: Kirschbacherhof

Die Dachlandschaften des historischen Kirschbacherhofs bei Dietrichingen sowie die dort aufgestellten Nisthilfen und vorhandenen Dachverschönerungen aus Buntsandstein sind eine verlockende Nistidylle für die Störche. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die Störche manchmal keine zwei Meter voneinander entfernt ihre Nester für den Nachwuchs gebaut haben. Der Hofbesitzer, Henning Götz, schenkt ihnen diese Freiheit auf seinem Anwesen. Schon bald wird es dort wieder einen großen Storchenkindergarten geben, weil Wohnplatz und Naturraum ein Glückstreffer für die Störche sind. Schon jetzt sind rund 30 Störche auf dem Hof in der Talaue eingetroffen.

Yves Renno, Mitarbeiter für die Hof- und Landbewirtschaftung, berichtet, die ersten Störche seien am 18. Januar eingetroffen. Nach drei Tagen habe man den Eindruck gehabt, dass schon fast alle Störche wieder zurück seien. Auf den Bäumen bei der Kirschbacher Mühle sieht es so aus, als stehe auf mindestens jedem dritten Nest schon ein Storch.

Nest richten für die Herzdame

Auf manchen Nestern scheint es, als hätten sich die Paare der Vorjahre schon wieder gefunden. Eigentlich besagt die Erfahrung der Fachleute bei der Vogelwarte, dass zuerst die Storchenmännchen zurückkehren. Sie nutzen dann die Tage, um das Nest ein wenig herzurichten. Kommt dann die Herzdame wieder eingeflogen – oder eine neue passende Braut –, dann nutzt das Männchen die Möglichkeit, mit der vorhandenen Wohnung Überzeugungsarbeit für eine gemeinsame Partnerschaft zu leisten.

Zumindest im Nest auf einem ehemaligen Stahlstrommast beim Stallgebäude scheint das Paar der Vorjahre wieder zusammengefunden zu haben. Der beringte Storch AL728 hatte in diesem Nest 2025 vier Storchenkinder mit seiner Partnerin aufgezogen. Beringt wurde der Dauergast auf dem Kirschbacherhof 2014 auf dem Feuerwehrhaus in Bruchmühlbach-Miesau von Manfred Conrad aus Theisbergstegen.

Weniger Störche überwintern in Afrika

Den Verhaltensforschern der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee rund um den Biologen Wolfgang Fiedler zufolge dürften die jetzt eingetroffenen Störche die Winterzeit in Spanien, Portugal oder Südfrankreich verbracht haben. Etwa 70 Prozent der Störche auf der Westroute, die durch das französische Rôhnetal ziehen oder über die Schweiz kommen, ersparen sich die anstrengende und viel gefährlichere Weiterreise nach Afrika.

Das Futterangebot ist für sie in den genannten Ländern heute häufig besser als in Afrika, wo ihre ursprünglichen Aufenthaltsorte öfters mit großer Trockenheit kämpfen. Zahlreiche Jungstörche würden hingegen noch aufgrund ihres natürlichen Flugtriebs über die Meerenge von Gibraltar nach Afrika fliegen. Dieser kürzeste, annähernd 15 Kilometer lange Überweg auf den südlichen Erdteil ist wegen seiner unberechenbaren Stürme gefürchtet. Für viele Vögel, die nach Afrika wollten, ist die berühmte Meerenge schon zur Todesfalle geworden.

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