Saarpfalz Jenseits von Afrika: Warum manche Störche den Winter in der Pfalz verbringen
Die Weißstörche überwintern jetzt immer häufiger bereits in Spanien, Südfrankreich und Portugal. Weniger zahlreich, belegen Beobachtungen, fliegen sie noch bis in ihre ewige Winterquartier-Heimat im fernen Afrika. Die Vogelkenner des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), die Storchenfachleute der Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz und die Biologen der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts am Bodensee wollen genauer herausfinden, warum sich das Zugverhalten des Wappenvogels des Nabu so zu verändern begonnen hat.
Naheliegend sind natürlich die Auswirkungen des Klimawandels. Unsere Winter sind dadurch immer milder geworden. Häufig haben wir nur noch ganz wenige Schneetage, so wie dies in diesem Winter bisher der Fall ist. Nur am 4. Dezember war die Landschaft in den höheren Lagen des Zweibrücker Landes für wenige Stunden ganz schwach weiß gepudert. Wirklichen Dauerfrost gab es bisher überhaupt nicht. Über Jahrhunderte sei es eine Gesetzmäßigkeit gewesen, dass die Zugvögel wie der Storch in der kalten Jahreszeit immer im Süden überwinterten. Hauptgrund sei das nicht mehr ausreichende Angebot an Nahrung gewesen.
Warme Beine ohne Merino-Wollsocken
„In meiner Schulzeit und noch während meiner Lehrzeit hatten wir oft über mehrere Wochen eine geschlossene Schneedecke. Wir hatten immer wieder für viele Tage frostige Temperaturen von über zehn Grad Minus, so dass das Erdreich mehrere Zentimeter tief hart gefroren war. Keine Möglichkeit mehr für den Storch und viele kleinere Vögel, am Boden oder im Wasser an Nahrung zu kommen“, sagt der Vogelkenner Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen. Also sind die Vögel rechtzeitig nach Süden geflogen, wo sie ausreichend Nahrung fanden. Außerdem waren die Vogelfreunde lange überzeugt, dass auch der Storch keine Winterkälte verträgt. Nun haben die Verhaltensbiologen nachgewiesen, dass das Federkleid des großen Storches für ausreichende Wärme sorgt. Sie plustern ihr Federkleid auf, so dass es wie ein Thermoanzug wirkt. Dadurch sind sie robuster gegen die Kälte als kleinere Vögel. Nur den roten Beinen und dem Schnabel macht der Frost zu schaffen. Hier ist auch der Storch empfindlich, so dass man ihn häufig sieht, dass er ein Bein hoch ins Federkleid zieht. Seine spitze Nase versteckt er im Brustfederkleid, um sie zu wärmen.
Überwintern in der Heimat bietet auch Vorteile
Gesellschaft haben die Störche in den vergangen beiden Wochen durch über 15 große Schwäne bekommen. Sie mussten den überlaufenden Bachlauf verlassen, um jetzt ihre Nahrung in den saftigen Talwiesen zu finden. Nach den Weihnachtsfeiertagen sorgten die heftigen Niederschläge in der Tallandschaft der Blies zwischen Beeden, Webenheim und Ingweiler, für riesige Wasserpfützen und große Überschwemmungsseen. Im sumpfigen Wiesengelände finden die Störche ausreichend Futter. Sie sammeln Regenwürmer, Schnecken, Mäuse, die durch die Überschwemmung aus ihren Erdgängen getrieben werden. Als Allesfresser kennt der Storch auch jede Kompostanlage oder Mülldeponie, wo er noch an Futterreserven kommt. Hier sind auch die Mäuse zahlreich vertreten, wenn es frostiger werden sollte. Der große Schreitvogel kommt auch einige Tage ohne Nahrung aus.
Die Störche, die in der Region überwintern, wurden der Arbeitsgruppe Storchenschutz gemeldet, die diese Meldungen über ganz Deutschland hinweg auswertet. Man will sich ein Bild verschaffen, in welchen Biotopen und Umgebung die Störche sich aufhalten. Denn der Klimawandel allein, so vermuten die Naturexperten, wird nicht der einzige Grund sein, um nicht mehr nach Süden zu fliegen. Der Storch erspart sich natürlich den anstrengenden Reiseweg und die vielen Gefahren auf diesem langen Flug. Dadurch steigt die Überlebensrate dieser großen Vögel. Sie können dadurch auch zeitiger im Frühjahr mit den Brutgeschäft beginnen, wo anschließend das Futterangebot für den Nachwuchs günstiger ist. Der Storch nutzt nämlich die Feldbestellung der Bauern und die frühe Mahd des Grünlandes in der Region, um den Nachwuchs mit passendem Leckerbissen zu füttern.