Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Diesmal keine Sprengung: Das plant Peter Gross Bau auf der Biebermühle

Ein Umbau des riesigen Kraftwerkbaus ist wegen der komplexen Baustruktur nur schwer möglich.
Ein Umbau des riesigen Kraftwerkbaus ist wegen der komplexen Baustruktur nur schwer möglich.

Noch in diesem Winter werden auf dem früheren Kraftwerksgelände an der Biebermühle alle Gebäude abgerissen.

Der Inhaber des früheren Kraftwerksgeländes an der Biebermühle,Peter Gross Bau, will eine Art Gewerbepark mit Handwerkern dort einrichten. Peter Gross Bau wird aber auch selbst dort bauen.Im März vergangenen Jahres hatte Ulrich Blaser, der technische Leiter der Pirmasenser Niederlassung von Peter Gross Bau, den Schornstein des früheren Pirmasenser Stromkraftwerks sprengen lassen. 80.000 Euro hatte die Sprengung gekostet. Zum 1. Oktober wurden alle Gebäude auf dem Gelände geräumt. Peter Gross hatte dort noch eine Werkstatt, die nun auf dem früheren Theisinger-Gelände in Lemberg zu finden ist. Im Winter soll nun der riesige Kraftwerksbau inklusive aller Nebengebäude abgerissen werden. Diesmal ohne Sprengung, weil im Innern viel Metall verbaut ist und vor allem auf dem Dach sowie in anderen Gebäudeteilen altlastverdächtige Bestandteile zu finden seien. Bei einem normalen und behutsamen Abriss könne der Bauschutt recycelt und wiederverwendet werden. Ansonsten müsste alles auf eine Spezialdeponie, erklärt Blaser.

Den Kraftwerksbau und die alten Anbauten selbst zu nutzen, hätte zwar seinen Reiz gehabt, räumt Blaser ein. Der Gebäudekomplex sei aber zu verbaut. Im Innern der Kraftwerkshalle sind noch die Metalltrichter, eine 1,5 Meter dicke Betondecke und unzählige Stützen zu sehen. Die Anbauten wurden so errichtet, dass sie ohne die Kraftwerkshalle nur schwierig bestehen können.

Peter Gross will selbst dort bauen

Nach dem Abriss hofft Blaser auf die baldige Genehmigung des Bebauungsplans für das Gelände. Peter Gross Bau will auf dem Terrain selbst wieder bauen. Die Werkstatt und der Bauhof der Pirmasenser Niederlassung soll dort unterkommen. Für die Verwaltung werde es vorläufig bei den Räumen in der früheren Husterhöhkaserne bleiben, wo die Niederlassung derzeit residiert. „Im Moment bemühen wir uns um Baurecht“, sagt Blaser, der in den nächsten Monaten mit dem gültigen Bebauungsplan rechnet. In dem Bebauungsplan soll ein möglichst flexibles Gewerbegebiet vorgesehen sein. Peter Gross Bau prüfe derzeit die wirtschaftlich sinnvollste Gesamtlösung.

Neben Werkstatt und Bauhof will Blaser auf dem Gelände den schon bestehenden Recycling-Platz auf jeden Fall weiternutzen. Eine Brechanlage wird dort betrieben und verschiedene Arten von Bauschutt warten auf der Fläche auf ihre Weiterverarbeitung oder den Verkauf. Darunter auch Riesenberge an Recyclingschotter, der in der Region im Straßenbau Verwendung finden soll. „Das ist Klimaschutz und muss nicht ewig weit durch die Gegend gefahren werden“, betont Blaser.

Gelände wird auf Fliegerbomben untersucht

Zur Vorbereitung der neuen Nutzung wurde in den vergangenen Wochen das Gelände mit Bohrungen untersucht. Außerdem seien die Flächen auf Kampfmittel untersucht worden. Das Gelände rund um den Bahnhof Biebermühle mit dem früheren Zwangsarbeiterlager auf der anderen Seite war 1945 beinahe täglich Ziel von Bombenangriffen. Die Ergebnisse dürften bald vorliegen. Blaser ist zuversichtlich, dass keine großen Altlasten gefunden wurden und verweist auf den Schornstein, dessen Abraum völlig unbelastet wiederverwendet werden könne.

Peter Gross Bau brauche bei weitem nicht das ganze Gelände. Auf dem anderen Flächen würde Blaser gerne verwandte Gewerbebetriebe sehen, die zu dem Bauunternehmen passen – wie Schlosser, Elektriker oder eine Autowerkstatt. Handwerker jeder Art wären ideal. Eine Autowerkstatt hätte allein mit dem Fuhrpark von Peter Gross Bau eine Grundauslastung. 80 Fahrzeuge betreibe das Unternehmen am Standort Pirmasens. Die Anzahl der Mitarbeiter beziffert Blaser auf 180. Davon seien 140 im Tiefbau beschäftigt. Für die Werkstatt und den Bauhof würden drei Mitarbeiter benötigt.

In der Südwestpfalz läuft es nicht so gut

Die Auslastung der Pirmasenser Niederlassung ist laut Blaser derzeit nicht so rosig. „Es hängt überall“, klagt er. In den Nachrichten werde zwar immer von Milliardenpaketen für die Infrastruktur geredet, vor Ort sehe es aber ganz anders aus. Bauprojekte und Straßensanierungen werden in der Region storniert. Neue Aufträge und Ausschreibungen kämen nicht voran. Was jedoch auch an der Region liegen könne. In Landau beispielsweise werde derzeit viel gebaut und Peter Gross Bau sei dort auch gut im Geschäft, so Blaser.

Info: E-Werk

Das Elektrizitätswerk Biebermühle wurde von den Pirmasenser Stadtwerken 1910 gebaut und bis 1978 betrieben. 676.000 Tonnen Steinkohle wurden in der Zeit dort verheizt. Zur Kühlung diente das Wasser des Schwarzbaches. Die Kohle wurde über einen eigenen Gleisanschluss geliefert. Sechs Waggons waren pro Tag nötig. Nach der Stilllegung ging das Gelände 1983 an die Baufirma Küntzler und 2023 an Peter Gross Bau.

Alle Gebäude des früheren Elektrizitätswerks werden in den nächsten Monaten verschwinden.
Alle Gebäude des früheren Elektrizitätswerks werden in den nächsten Monaten verschwinden.
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