Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Südwestpfalz hat Politiker verdient, die sich hier auskennen

Am Niederauerbacher Kreisel stehen mehrere große Wahlplakate.
Am Niederauerbacher Kreisel stehen mehrere große Wahlplakate.

Wer als Direktkandidat in einem Wahlkreis antritt, sollte auch einen Bezug zu der Region haben. In der Südwestpfalz treten aber zwei Kandidaten an, die weiter weg wohnen.

Haben Sie schon mal von dem Dorf Mehren gehört? Es liegt im Westerwald, ganz im Norden von Rheinland-Pfalz. 30 Kilometer von Bonn entfernt. Im Internet steht: „Durch den Ort fließt der Mehrbach, der unterhalb des Pfarrhauses einen Weiher speist. Nachbarorte sind Fiersbach und Ersfeld im Norden, Kraam im Nordosten, Ziegenhain im Südosten und Hirz-Maulsbach im Westen.“ Laut den Touristikern ist es „ein idyllisches Fachwerkdorf unter Denkmalschutz“. Ich kannte das Dorf bis Anfang dieser Woche nicht. Bis mich am Montagabend eine freundliche E-Mail aus Mehren erreichte. Als Antwort auf eine Mail, die ich nach Berlin geschickt hatte.

Ein Kandidat wohnt 150 Kilometer entfernt

Wenn die Südwestpfälzer am 23. Februar den neuen Bundestag wählen, können sie nicht nur aus 14 Parteien auswählen, sondern auch einen von zehn Direktkandidaten ankreuzen. Und einer dieser Wahlkreiskandidaten wohnt gar nicht im Wahlkreis, sondern 150 Kilometer entfernt – eben in Mehren im Westerwald: Heinz Berta vom Bündnis Deutschland. Die Kleinpartei ist übrigens seit Dezember im Bundestag vertreten, weil ein Abgeordneter die AfD verlassen hat und nach einem Zwischenspiel bei der Zentrumspartei ins Bündnis Deutschland eingetreten ist.

Heinz Berta aus dem Westerwald wird im Wahlkreis Pirmasens wohl nur wenige Stimmen bekommen, aber er ist nicht der einzige Kandidat, der gar nicht von hier kommt: AfD-Kandidatin Iris Nieland wohnt im Kreis Bad Dürkheim, 75 Kilometer von Zweibrücken entfernt. Die Landtagsabgeordnete hat wenigstens ein Bürgerbüro in Pirmasens und versichert, dort sei sie mindestens einmal im Monat für Bürgergespräche. Iris Nieland war diese Woche bei den Pirmasenser Kollegen zum Redaktionsgespräch zu Gast. Sollte sie die Südwestpfalz tatsächlich gut kennen, dann zeigte sie das nicht: Als es beispielsweise um das Thema Wirtschaft ging, nannte sie nur Unternehmen aus ihrem Heimatdorf Altleiningen und Umgebung.

Haben die Parteien vor Ort niemand Besseres?

Was soll das? Warum kandidiert jemand für einen Wahlkreis, in dem er gar nicht wohnt? Zu dem er keinen richtigen Bezug hat? In dem er sich vielleicht gar nicht auskennt? Liegt es daran, dass jemand unbedingt irgendwo antreten möchte, sich aber im eigenen Gebiet nicht durchsetzen konnte? Oder haben die Parteien vor Ort niemand Besseres? In der AfD gab es ja weitere Bewerber von hier, die aber nicht gewählt wurden. Das Bündnis Deutschland hat im Landesvorstand auch Mitglieder aus der Westpfalz. Und der Wahlkreis umfasst ja immerhin den gesamten Kreis Südwestpfalz, die Städte Zweibrücken und Pirmasens und drei Verbandsgemeinden südlich von Kaiserslautern.

Die ehrenamtlichen Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher können nur dort antreten, wo sie auch wohnen. Dasselbe gilt für Ratsmitglieder, egal ob Gemeinderat, Verbandsgemeinderat, Stadtrat oder Kreistag. Man muss für Bundestagskandidaten keine Residenzpflicht fordern – zumal der Bundestag ja ganz Deutschland vertritt. Aber in der Südwestpfalz gibt es so viele Herausforderungen, dass die Bewohner es verdient haben, dass sie jemand vertritt, der die Sorgen, Nöte und Eigenheiten der Menschen von hier kennt und versteht. Wer einfach jemanden von ganz woanders her schickt, der missachtet auch die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Denn es geht beim Direktkandidaten eben nicht nur um die Parteizugehörigkeit, sondern auch darum, wie sehr sich jemand für die eigene Region einsetzt.

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