BATTWEILER / CONTWIG / DELLFELD
Die Kraniche fliehen wieder zurück in den Süden
Was machen eigentlich die Weißstörche im Hornbachtal und um Rieschweiler-Mühlbach, wenn wir Frostnächte mit zehn Grad Minus bekommen? Beim Hitscherhof und an der Bahnlinie in Höhmühlbach sind schon elf Störche unterwegs. Die meisten stehen auf den Nestern auf einem Bein und haben das andere Bein ins Federkleid zum Wärmen gesteckt. Sie plustern ihre Barthaare auf, um auch den Schnabel wärmen zu können. Schnabel und Beine sind besonders kälteempfindlich bei den Schreitvögeln.
Diese Temperaturen sind mit Sicherheit bedrohlich für den Wappenvogel des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), findet der Vogelkenner Peter Spieler. Einige Tage können die Störche der Kälte trotzen. Außerdem können sie mit geringer Nahrung auskommen und auch vorübergehend hungern.
Wenn die Wiesen gefrieren, versiegt die Nahrungsquelle
Bekommen Wiesen und Felder jetzt ganz schnell eine hartgefrorene Oberschicht von wenigen Zentimetern, dann versiegt die Nahrungsquelle für die Störche. Das großflächig in den Talauen stehende Überschwemmungswasser bekäme eine Eisschicht, sodass auch dort für die Störche kein Futter mehr zu finden wäre. „Jetzt müssen die Störche zurück nach Frankreich, wo es keinen Bodenfrost gibt, um zu überleben. In einer Woche oder zehn Tagen können sie wiederkommen, wenn wir wieder mildere Temperaturen haben“, sagt Spieler.
Das Wetter mit eisigen Schneestürmen im Norden Deutschlands hat den Vogelzug ins Baltikum und nach Skandinavien zum Stillstand gebracht. Die zu früh eintreffenden Kraniche aus Spanien und Frankreich hat die arktische Wetterfront schon wieder in die Flucht geschlagen. Die Befürchtungen der Vogelkenner im Zweibrücker Land sind somit schneller eingetroffen als erwartet.
Die Kraniche fliegen wieder zurück Richtung Frankreich
Am späten Sonntagnachmittag hat die Vorsitzende der Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland, Miriam Krumbach aus Zweibrücken, bei Gerhardsbrunn mindestens 100 Kraniche beobachtet, die in Richtung Schmitshausen und Maßweiler nach Frankreich geflogen sind. Noch später am Abend hat Helmut Teuscher aus Oberauerbach auch einen Pulk von über 100 Kranichen gesehen und gehört, die in Hauptrichtung Frankreich unterwegs waren. Werner Keller aus Falkenbusch war am Sonntag vor Einbruch der Dunkelheit irritiert, als er zwei kleinere Ketten von etwa 40 Vögeln in Richtung Walshausen und Zweibrücker Flugplatz gesehen hat. Schließlich hatte er die Kraniche nur wenige Tage vorher übers Schwarzbachtal nach Nordosten fliegen sehen.
Waren in der ersten Februarwoche noch mehr als 400 Kraniche über dem Schwarzbachtal, der Sickinger Höhe und im Bliestal bei ihrem Zug nach Norden beobachtet worden, so hat am Sonntag schon die Rückreisewelle nach Frankreich eingesetzt. Der eigentlich robuste Kranich hat vor der Kälte kapituliert. Es gibt bei dieser Wetterlage im gesamten Ostseeraum keine gemütlichen Schlafplätze und keine Futterplätze, denn alles liegt unter einer eisigen Schneedecke. Für viele Ankömmlinge aus dem Süden gab es nur noch einen Ausweg, die sofortige Flucht zurück bis zumindest nach Frankreich, meint Spieler. Er dokumentiert jedes Jahr die Meldungen zum Vogelzug für den Nabu in der Südwestpfalz und dem Randbereich zur Saarpfalz.
Heftige Winde zehren weiter an den Kräften
Enorm kräftezehrend war die Anreise von mehr als 2000 Kilometern aus Spanien für die Kraniche. Nun mussten sie umkehren und sich noch durch die heftigen Winde kämpfen, die teilweise 100 Stundenkilometer erreichten. Schließlich muss man bedenken, dass der Kranich mit einer Flügelspannweite von 2,20 Metern einem riesigen Modellflugzeug entspricht, sodass er bei solcher Windstärke kräftig durchgeschüttelt und verbogen wird. Den jetzt schon eingetroffenen Schwarzstorch bei Webenheim hat Patrick Burgard aus Contwig am Dienstagmorgen vergangener Woche gesehen. Auch für ihn wäre es in Südfrankreich noch gemütlicher.
Landwirt Ralf Schneider aus Knopp-Labach wäre bei dem zu erwartenden strengen Dauerfrost entspannter, wenn über den Feldern in der Region einige Zentimeter mehr Schnee liegen würden. Die Feldflur sei stark durchnässt, sodass der Frost nicht ungefährlich für das Getreide ist. Außerdem müsse man auch in den Stallungen beim Vieh aufpassen, dass die Wasserleitungen und automatischen Tränkebecken nicht einfrieren.
Vor vielen Jahren seien einige Betriebe auf der Höhe von nächtlicher Kälte von mehr als minus 15 Grad überrascht worden, sodass sogar Wasserleitungen platzten. Deshalb sollten auch Hobbygärtner und Hausbesitzer Wasserabnahmestellen im Garten oder außerhalb des Hauses gut mit Tüchern oder Teppichen einpacken, damit sie dem Frost widerstehen können.