DELLFELD / DIETRICHINGEN / BATTWEILER RHEINPFALZ Plus Artikel Störche und Kraniche kehren schon zurück

Die ersten Störche auf dem Kirschbacherhof haben mit der Pflege ihrer Nester begonnen.
Die ersten Störche auf dem Kirschbacherhof haben mit der Pflege ihrer Nester begonnen.

Natur und Vogelwelt spielen verrückt, glauben die Naturkenner vor Ort. Rund um den Kirschbacherhof sind schon mindestens zehn Weißstörche zurückgekehrt. An Maria Lichtmess sind am späten Nachmittag mehr als 100 Kraniche übers Schwarzbachtal und die Sickinger Höhe nach Norden geflogen. Das Thermometer klettert schon über zehn Grad, und Bäche treten über die Ufer.

Es geht in Richtung Frühling. Aber Hans Göppel vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land ist trotzdem erstaunt: „Wir befinden uns noch mitten in der Winterzeit, sodass man über das erneut so frühe Auftauchen der Störche nur den Kopf schütteln kann.“ Auf mehreren Nestern des Kirschbacherhofes stehen schon Störche und sortieren mit dem Schnabel die Zweige der Nester. Zuerst treffen die Männchen in ihrem Brutgebiet ein und besetzen die Nester, so die bekannten Forschungsergebnisse der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee.

Auf dem Kirschbacherhof klappern schon die Schnäbel

Der so früh einsetzende Zugtrieb bei einigen Störchen hat nur einen Grund: die Fortpflanzung und Arterhaltung. Jene Störche, die bereits deutlich vor der Frühjahrszeit im Brutgebiet eintreffen, belegen die besten Horste. Das Nest wird zudem schon ein wenig sortiert, sodass man der eintreffenden Braut schon imponieren kann, da man für sie schon eine Behausung zu bieten hat, erzählt Peter Spieler vom Nabu. Auf einigen Nestern der Hofsiedlung spielt sich schon ein Begrüßungszermoniell mit Schnabelklappern ab, dass man annehmen kann, dass schon bald der Ehebund für die neue Brutsaison geschlossen wird. Um einige Nester und die Paarbildung wird es in den kommenden Wochen auch noch zu heftigen Kämpfen unter den Störchen kommen.

Die „Himmelsgucker“, so nennt man die europäischen Vogelbeobachter, die beim extremen Wintereinbruch um die spanische Hauptstadt Madrid bis in die Region Andalusien sofort bemerkt haben, dass unter den Störchen und Kranichen Aufbruchstimmung ausgebrochen ist. Die das milde Klima der Halbinsel liebenden Zugvögel wollten nur dem Schnee und dem extremen Frost der Urlaubsinsel entfliehen. Das weite Umland um die Hauptstadt erlebte einen Wintereinbruch wie seit 50 Jahren nicht mehr. Störche, Kraniche und zahlreiche Singvögel haben sich auf den Weg Richtung Frankreich, Schweiz und Deutschland gemacht, um dem Hungertod im Schnee zu entgehen. Darum meldete das rheinland-pfälzische Storchenzentrum in Bornheim schon Anfang Januar das Eintreffen der ersten Störche in der Pfalz.

50 Kraniche fliegen über Falkenbusch Richtung Ostsee

Gegen 17 Uhr an Maria Lichtmess – dem 2. Februar – hat Werner Keller aus Falkenbusch zwischen seinem Grundstück und der Bahnlinie mehr als 50 Kraniche am mit dunklen Wolken verhangenen Himmel gesehen. Bemerkt hat er sie eigentlich nur, weil er ein lautes ungewöhnliches Geschrei am Himmel vernommen hat. Es war der trompetenartige Ruf dieser Vögel, die in Richtung Ostseeküste und ins Baltikum unterwegs sind. Auch in der schon beginnenden Abenddämmerung hat man noch zwei Ketten dieser in typischer Keilform fliegenden Großvögel über Battweiler in Richtung Schmitshausen fliegen gesehen.

Am Donnerstagvormittag haben sich zwei Ketten der Kraniche von etwa je 25 Vögeln über Battweiler wieder zu einer Flugformation vereinigt, berichten Brigitte Becker und Franz Träger, die das Schauspiel am gerade blauen Sonnenhimmel verfolgten. „Die Freunde waren so laut, dass sie den 11-Uhr-Glockenschlag von der Dorfkirche übertönten. Wo wollen die aber jetzt schon hin? Der Küstenbereich zur Ostsee liegt doch unter einer Schneedecke mit frostigen Temperaturen. Die haben sich doch in der Zeit vertan, denn sie finden doch dort droben jetzt kein Futter,“ sagt Träger. Deshalb werden sie ihre Reise in Hessen und Niedersachsen unterbrechen müssen, was die Vogelbeobachter schon festgestellt haben. Der Kranichzug über die Sickinger Höhe setzte sich am Nachmittag noch fort, aber die Vögel drehten viele Kreise, um sich wieder in eine bessere Flughöhe zu schrauben, wo sie für den Flug weniger Kraftaufwand betreiben müssen. Im vergangenen Jahr gab es um den 10. Februar einen starken Durchzug der Kraniche.

Die ersten Knospen und Blüten sind zu sehen

Schon zu hören ist bei diesen milderen Temperaturen der Gesang von Amsel, Star, Rotkehlchen, Buchfink und Meisen. Auch der Turmfalke meldete sich schon mit seinem Ruf, weil auch er Frühlingsgefühle verspürt. Die Winterlinge blühen, erste Gänseblümchen und die Obstbäume und Sträucher bekommen schon sichtbare Knospen. Der milde Winter sorgt für eine zu schnelle Entwicklung in der Natur, finden die Hobbygärtner.

Dort, wo sich die Felsalb von Walshausen kommend und die Trualb aus Rolbing in Frankreich durch das Riedelberger Tal zur Kirschbachermühle schlängeln, da haben die dort zusammentreffenden Wassermassen schon eine weithin glänzende Seenlandschaft in der Talaue entstehen lassen. Die Weideflächen um den Kirschbacherhof bis zum Birkwieserhof, Dietrichingen, Mauschbach und zur Klosterstadt Hornbach stehen an den tieferen Stellen unter einer braunen Brühe. Die ersten Tage des Februar haben schon mindestens 40 Liter Niederschlag im Zweibrücker Land gebracht. Hinzu kommt der ergiebige Regen in der zweiten Januarhälfte mit der Feuchtigkeit durch die Schneeschmelze, sodass im Hornbach-, Wiesbach- und Schwarzbachtal die Bäche die Wassermengen teilweise nicht mehr fassen konnten. Auch die Bliesauen bei Bierbach und Einöd sind überschwemmt. Allerdings besteht bei uns keine Hochwassergefahr. Anders an der Mosel und am Rhein. Dort wurde bereits die Schifffahrt eingestellt.

Die überflutete Talaue im Hornbachtal bietet den Störchen bei Vorfrühlingstemperaturen eine ergiebige Futterquelle. Es soll aber
Die überflutete Talaue im Hornbachtal bietet den Störchen bei Vorfrühlingstemperaturen eine ergiebige Futterquelle. Es soll aber deutlich kälter werden.
 Kraniche ziehen früh über das Schwarzbachtal und die Sickinger Höhe nach Norden.
Kraniche ziehen früh über das Schwarzbachtal und die Sickinger Höhe nach Norden.
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