Contwig
Diakonie hält an Plänen für ein Seniorenviertel am Ortsausgang Richtung Oberauerbach fest
Der Contwiger Gemeinderat und der Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land haben erste Schritte eingeleitet, damit die Römerhaus GmbH in Contwig ihr 15-Millionen-Euro-Projekt „Seniorenresidenz Contwig“ vorantreiben kann. 90 stationäre Pflegeplätze möchte Römerhaus in der Bahnhofstraße anbieten. Der Contwiger Gemeinderat beschloss im März den Bebauungsplan, der Verbandsgemeinderat stellte Anfang Juli weitere Weichen, indem er das Gelände als Sondergebiet für eine Seniorenresidenz in den Flächennutzungsplan aufnahm.
Die Diakonie plant eigenes Wohnviertel am Ortsausgang
Diesen Beschlüssen waren grundsätzliche Diskussionen vorausgegangen, da es Pläne für ein weiteres altersgerechtes Wohnprojekt in Contwig gibt. Das Diakoniezentrum Pirmasens (Diakonie), das in Contwig bereits das Haus Sarepta mit 78 stationären Pflegeplätzen betreibt, möchte am Ortsausgang Richtung Oberauerbach bauen, im sogenannten Schachen. Es hat Pläne, die in Contwig altersgerechtes Wohnen und eine Betreuung ohne Heimaufenthalt ermöglichen sollen. Dafür soll dort ein Viertel mit Häusern und Wohnungen entstehen. „Diese Pläne haben wir auch noch nicht ad acta gelegt“, sagt Carsten Steuer, Vorstand des Diakoniezentrums Pirmasens. Nach wie vor ist man bei der Diakonie davon überzeugt, dass diese Form des altersgerechten Lebens zunehmend an Bedeutung gewinnen wird.
Die Leitlinie des Landes für Wohnen im Alter laute bekanntlich auch ambulant vor stationär. Und die Diakonie selbst hat damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel beim Projekt „Patio“ in Pirmasens, wo mehrere Projektpartner im Winzler Viertel Lebensraum für verschiedene Generationen schaffen. Auch in Zweibrücken, in der Canada-Siedlung, wo derzeit das Haus „Kana“ der Diakonie als Pflegeeinrichtung, aber auch mit der Möglichkeit des betreuten Wohnens und des Service-Wohnens, als vorgeschalteten Stufen, gebaut wird, „wird so ein Ansatz verfolgt“, erläutert Steuer. Auch hier wird mit weiteren Partnern ein Quartierskonzept angestrebt, das das Ziel verfolgt, Bewohnern so lange wie möglich eigenständiges Wohnen zu erlauben.
„Das sind Projekte in städtischen Bereichen. Wir sind überzeugt davon, dass diese Konzepte auch für den ländlicher geprägten Raum wichtig und zukunftsweisend sind“, sagt Steuer. Vor diesem Hintergrund habe man sich bei der Diakonie mit den Quartiersplänen für Contwig auch nie in direkter Konkurrenz zu den Römerhaus-Plänen gesehen. Tue das aktuell auch nicht. „Aber natürlich muss man auch ehrlich einräumen, dass wir genau schauen und analysieren müssen, welche Auswirkungen die getroffenen Entscheidungen haben“, sagt Steuer.
Vor einem Jahr klang das noch deutlicher: Im Herbst 2019 hatte die Diakonie den Mitgliedern des Verbandsgemeinderats und des Ortsgemeinderats einen Brief geschrieben, den sie zusammen mit einer Stellungnahme auch der RHEINPFALZ zur Verfügung stellte. Darin bat die Diakonie die Lokalpolitiker recht offen, die Römerhaus-Pläne nicht zu unterstützen. Dieses Projekt gefährde in vielerlei Hinsicht die Pläne der Diakonie. Die Diakonie widersprach auch Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann, der die beiden Projekte nicht im Gegensatz zueinander sieht: „Vielmehr ist aus unserer Sicht sogar das Gegenteil der Fall.“ Römerhaus-Geschäftsführer Michael Straub konterte kurz darauf: „Es ist offensichtlich, dass die ganze Aktion nur darauf abzielt, sich die Konkurrenz fern zu halten.“ Weitere Brisanz erhält der Streit zwischen den beiden Trägern dadurch, dass ursprünglich Römerhaus am Ortsausgang von Contwig bauen wollte und schon mit den Grundstücksbesitzern einig gewesen sei. Dann bekam aber die Diakonie den Zuschlag für das Gelände.
Die Ideen aus den Treffen werden noch vorgestellt
Dass der Anfangs-Elan verpufft ist, liegt auch an der Corona-Pandemie mit ihren Folgen, „die uns natürlich auch nachhaltig beschäftigen“, sagt Steuer. Er erinnert daran, dass es vor Corona und den daraus resultierenden Einschränkungen bereits einige Termine – bei Kaffee und Kuchen – gegeben habe, bei denen mit Bürgern über das Quartierskonzept, das sich im Bereich Schachen entwickeln soll, gesprochen wurde. Es wurden Ideen gesammelt, Möglichkeiten ausgelotet, wer sich wie einbringen könnte, denn die Grundkonzeption setze auch auf ein gutes Miteinander im Quartier.
Bedingt durch die vielfältigen Corona-Folgen, „war es uns ja bis dato noch nicht möglich, die Ergebnisse dieser Treffen der Öffentlichkeit vorzustellen“, sagt Steuer. Das solle aber in jedem Fall noch erfolgen. Einen genauen Termin gibt es nicht, da gelte es die Corona-Entwicklung im Auge zu behalten.