Kreis Südwestpfalz
Contwig: Seniorenheim-Betreiber wirft Diakonie „unseriöse Art“ und Konfrontationskurs vor
Das Diakoniezentrum Pirmasens wolle sich nur die Konkurrenz vom Leib halten. Deshalb habe es die Mitglieder des Contwiger Gemeinderats und des Verbandsgemeinderats gebeten, die Pläne für ein weiteres Seniorenheim in Contwig nicht zu unterstützen. Das schreibt Michael Straub, Geschäftsführer der Römerhaus Bauträger GmbH aus Schifferstadt, die solche Pläne hat.
Zum RHEINPFALZ-Artikel „Römerhaus ist der Diakonie ein Dorn im Auge“ vom 16. Oktober schreibt Straub: „Aufgrund der Vorgeschichte sind wir ehrlich gesagt nicht überrascht, dass wir für die Diakonie mit unserem Projekt, nämlich eine weitere und dringend erforderliche Pflegeeinrichtung für die VG Zweibrücken-Land in Contwig zu errichten, ein Dorn im Auge sind. Und es ist offensichtlich, dass die ganze Aktion nur darauf abzielt, sich die Konkurrenz fern zu halten.“ Straub weist die Kritik und die Bedenken der Diakonie zurück: „Die Firma Römerhaus ist schon 36 Jahre erfolgreich am Markt, und wir wissen was wir tun. Wir gehen auch grundsätzlich in keinen Verdrängungswettbewerb.“
Die Bedarfsanalysen müssten die entsprechenden Pflegeplatz-Bedarfszahlen ausweisen, erst dann gehe man auf Grundstückssuche. „Dass wir grundsätzlich richtig analysieren und dabei auch bereits bestehende Pflegeeinrichtungen berücksichtigt haben, beweist, dass unsere Häuser voll belegt sind“, schreibt Straub in einem Brief an Contwigs Bürgermeister Karlheinz Bärmann, den er auch der RHEINPFALZ als Stellungnahme zur Verfügung gestellt hat. Auch Römerhaus „als mittelständiges familiengeführtes Unternehmen“, erhalte weder Fördergelder noch irgendwelche andere Subventionen.
Heftige Kritik an Diakonie und Grundstücksbesitzern
Straub erinnert auch an die Vorgeschichte, als Römerhaus am Ortsausgang in Richtung Oberauerbach Flächen für ein Seniorenheim kaufen wollte, die Diakonie dann aber den Zuschlag bekam und dort nun ein eigenes Viertel für ältere Menschen schaffen möchte. Dabei übt er heftige Kritik an den Grundstückseigentümern und der Diakonie: „Schon im Oktober 2017 waren wir mit den Grundstückseigentümern Am Dörrenbach einig, diese Flächen notariell zu erwerben. Aus heutiger Sicht leider, wurde vor den notariellen Beurkundungen in einer Gemeinderatssitzung unser Projekt vorgestellt. In einer für uns unseriösen Art hat die Diakonie dann Kontakt mit den Grundstückseigentümern aufgenommen und uns schlichtweg überboten. Die Verkäufer hatten uns zuvor per Handschlag verbindlich zugesagt und uns selbst nach Gesprächen mit der Diakonie noch zugesichert, zu ihrem Wort stehen zu wollen. Das Verhalten von Diakonie und Verkäufern der Grundstücke mag jeder selbst bewerten.“
Da die Diakonie betreutes Wohnen und Römerhaus eine stationäre Pflegeeinrichtung bauen wolle, habe sich an der Bedarfssituation nichts geändert. Daher habe Römerhaus einen alternativen Standort in Contwig gesucht und in der Bahnhofstraße die „Alte Post“ gefunden, die Grundstücke gekauft und das Projekt vorangebracht. „Und dieses werden wir auch umsetzen“, ist Straub überzeugt.
„Auf aggressive Abwerbung von Mitarbeitern verzichten“
Im Juli 2019 habe Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker Römerhaus zu einem Gespräch nach Zweibrücken gebeten. Dabei habe Römerhaus noch einmal erklärt, dass es nur stationäre Pflegeplätze und kein betreutes Wohnen in der Bahnhofstraße plane und damit keine direkte Konkurrenzsituation zur Diakonie entstehe. Zum Thema Fachkräftemangel und eine mögliche Konkurrenzsituation zur Diakonie „haben wir erläutert, dass wir an allen Standorten einen möglichst harmonischen Umgang mit den anderen Betreibern in der Region suchen. Dazu gehört, auf aggressive Abwerbung von Mitarbeitern beidseitig zu verzichten.“ Römerhaus habe 100 Auszubildende, eine eigene Weiterbildungs-Akademie und Fachkräfte aus dem Ausland und werde alle Register ziehen, um das notwendige Fachpersonal zu bekommen.
„Bis heute sind wir davon ausgegangen, dass damit die Konkurrenzsituation entschärft war. Wir werden natürlich auch damit umgehen können, dass die Diakonie jetzt auf Konfrontationskurs geht. Wir stellen uns dem Wettbewerb, auch im Wissen, dass Römerhaus ein sehr guter Betreiber und interessanter Arbeitgeber ist“, schreibt Straub, der überrascht war, dass bei dem Gespräch mit dem Verbandsbürgermeister kein Vertreter der Diakonie am Tisch war, um mit einander zu reden. „Wir sind immer offen an alle Beteiligten heran getreten und haben den Gemeinderat von Contwig, den Ortsbürgermeister und den Verbandsbürgermeister stets in unsere Planungen eingebunden. Den Stil, den die Diakonie pflegt, ist nicht unserer. Wir werden uns davon auch nicht beeinflussen lassen“, schließt der Geschäftsführer.
Die Diakonie betreibt in Contwig das Seniorenheim Sarepta und plant am Schachen ein Wohnprojekt für ältere Menschen. In dem Brief an die Ratsmitglieder hatte die Diakonie geschrieben, die Römerhaus-Pläne würden das Vorhaben der Diakonie in vielerlei Hinsicht gefährden. Zwischen den Zeilen hatte die Diakonie die Ratsmitglieder dazu aufgefordert, die Pläne der Schifferstadter nicht zu unterstützen.