Bundenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Deshalb wollen zwei Ärztinnen Hausärzte im Dahner Tal werden

Der Bundenthaler Hausarzt Stefan Mainberger möchte 2027 in Rente gehen. Die Nachfolge hat er jetzt geregelt und bildet ab dem ko
Der Bundenthaler Hausarzt Stefan Mainberger möchte 2027 in Rente gehen. Die Nachfolge hat er jetzt geregelt und bildet ab dem kommenden Jahr zwei Ärztinnen weiter, die seine Praxis übernehmen wollen.

Im Dahner Felsenland droht ein Hausärztenotstand. Das hat der Bundenthaler Mediziner Stefan Mainberger im Sommer angeprangert. Für seine Praxis hat er zwei Nachfolgerinnen gefunden. Das sagen die beiden Ärztinnen.

Mit seinem offenen Brief hat der Bundenthaler Hausarzt Stefan Mainberger Anfang Juli für Furore gesorgt. Er hatte darin angeprangert, dass ihm die Kassenärztliche Vereinigung lediglich die Weiterbildung einer Ärztin zur Hausärztin bezuschusst. Dabei habe er ab 2025 zwei Ärztinnen für die Weiterbildung eingestellt. Mainberger forderte eine Härtefallregelung und erhielt dabei Unterstützung aus der Politik. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte sich erst nach wochenlangem Schweigen geäußert und erklärt, dass sie nur eine Stelle fördern könne. Allerdings gestattete sie Mainberger zwei Weiterbildungsstellen, obwohl er lediglich die Berechtigung für die Weiterbildung einer Ärztin hat.

Die beiden Ärztinnen, die bei Mainberger weitergebildet werden, haben sich im Zuge der Diskussionen bei der RHEINPFALZ gemeldet und ihr Unverständnis über das lange Hinauszögern dieser Entscheidung durch die Kassenärztliche Vereinigung zum Ausdruck gebracht. „Ich musste ja meine aktuelle Arbeitsstelle kündigen und dazu Fristen einhalten“, sagt Inga Doniat, die zusammen mit Melissa Wegmann ab dem kommenden Jahr in der Praxis von Stefan Mainberger zu Hausärztinnen weitergebildet werden. „Wir wollen beide die Praxis von Stefan Mainberger übernehmen. Das ist unser festes Vorhaben“, sagt Doniat und Wegmann nickt zustimmend. Das könnte im Spätsommer 2027 nach dem Ende der Weiterbildung passieren. Die beiden Ärztinnen haben sich im Städtischen Krankenhaus in Pirmasens bei der Arbeit kennengelernt. Dabei ist die Idee, einmal gemeinsam eine Hausarztpraxis zu führen, gereift.

Unverständnis bei den Patienten

Das lange Hin und Her können die beiden Ärztinnen nicht nachvollziehen. „Es gibt hier eine Unterversorgung mit Hausärzten. Man kann doch nicht warten, bis das Ding komplett an die Wand gefahren ist“, sagt Melissa Wegmann. Beide kennen das Arbeitspensum, das Mainberger leistet. „Er arbeitet Standard 14 Stunden, von 8 bis 23 Uhr mit einer kurzen Pause zum Essen. Er rennt den ganzen Tag herum, macht Hausbesuche, Abrechnungen ...“, erzählt Wegmann. Dass die Unterversorgung die Menschen in der Region beschäftigt, hat sie selbst erfahren. „Man spürt Unverständnis und Angst bei den Patienten“, sagt sie, „die meisten verstehen das nicht.“

„Ich habe Stefan Mainberger bei einer Fortbildung kennengelernt. Da habe ich mitbekommen, dass er Werbung macht, um einen Nachfolger für seine Praxis zu finden“, erzählt Wegmann. „Ich habe ihn als überragenden Mediziner und überragenden Diagnostiker kennengelernt und bewundere ihn sehr“, ergänzt sie. Das habe die Entscheidung, sich um eine Weiterbildung zur Hausärztin bei Mainberger zu bemühen, wesentlich beeinflusst. „Wir wollen es gut machen und so viel wie möglich von ihm lernen“, betont Doniat. „Hausarztmedizin lebt davon, die Patienten zu kennen“, sagt Wegmann. Vor ihrer Elternzeit hat sie erfahren, was es heißt, sich um die Patienten hier zu kümmern. „Die Patienten sind so dankbar und freundlich, es ist schön, dort zu arbeiten, ich bin mit offenen Armen empfangen worden.“

Nahtloser Übergang erleichtert das Arbeiten

Die Arbeit als Hausarzt werde erschwert, wenn man seine Patienten nicht kenne. „Mainberger lässt sich auf seine Patienten ein. Er lebt den Hausarztberuf“, sagt Doniat und ergänzt: „Man muss die Patienten kennen, um sie gut zu behandeln.“ Die Weiterbildung in der Hausarztpraxis, die man später übernehmen wolle, ermögliche einen nahtlosen Übergang. Wenn man aus einer anderen Ausbildungspraxis komme und eine Praxis übernehme, sei dies ungleich schwerer.

„Ich bin hier verwurzelt und wollte nie weg“, sagt Inga Doniat. Sie kommt aus Pirmasens, hat in Homburg studiert und insgesamt acht Jahre im Fachbereich Anästhesie und Intensivmedizin im Städtischen Krankenhaus Pirmasens und im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern gearbeitet. Melissa Wegmann hat ebenfalls in Homburg studiert, kommt aus Erfweiler, und hat insgesamt fünf Jahre im Städtischen Krankenhaus Pirmasens in der Inneren Medizin und im Vinzentius-Krankenhaus Landau im Fachbereich Anästhesie und Intensivmedizin gearbeitet. Außerdem sind die beiden auch als Notärztinnen aktiv. Diese Zusatzbezeichnung (Notfallmedizin) ist weit weg von der nächsten Klinik nicht ganz unwichtig.

Künftig zwei Arztsitze

Beide sehen es als schwierig an, Mediziner von außerhalb als Hausärzte für die Region zu gewinnen. „Das sind doch auch oft Leute, die gebunden sind, die einen Partner haben. Wenn der nicht auch Mediziner ist oder aus der Pflege ist, welchen Job soll der hier finden, wenn der Arbeitsmarkt für bestimmte Zweige nicht so viel hergibt?“, fragt sich Doniat. „Die Region ist landschaftlich sehr schön, es ist nicht so teuer, man kann sich eine Wohnung oder ein Wohngebäude leisten. Aber wenn jetzt jemand aus Frankfurt oder Berlin mit einem anderen Arbeitsbackground hierher kommt, dann wird das schon schwierig“, findet sie. Ziel müsse es sein, Leute aus der Region an die Region zu binden.

Wenn sie mit ihrer Weiterbildung fertig sind, soll das für die Region ein Gewinn werden. Statt einem Kassensitz gäbe es künftig zwei. Beide Ärztinnen wollen Vollzeit arbeiten. Beide sind zudem ausgebildete Notfallmediziner und könnten im Notarztdienst eingesetzt werden. Das Praxisteam von Stefan Mainberger wollen sie übernehmen.

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