Winterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Das Dorf menschenleer, die Kirche zerfallen

Vor 300 Jahren wurde die Winterbacher Dorfkirche wieder aufgebaut.
Vor 300 Jahren wurde die Winterbacher Dorfkirche wieder aufgebaut.

Im 17. Jahrhundert hatte der Dreißigjährige Krieg Winterbach ausgelöscht, die 500 Jahre alte Dorfkirche zerfiel. Einwanderer aus der Schweiz bauten das Dorf wieder auf.

Vor über 300 Jahren, um das Jahr 1713, haben Schweizer und Tiroler Einwanderer begonnen, die Kirche in Winterbach wieder aufzubauen. In viele Dörfern des Herzogtums Zweibrücken hatte der Dreißigjährige Krieg Brand, Pest und Tod gebracht. Auch das Winterbacher Tal blieb davon nicht verschont. Die Neusiedler aus den Bergen der Alpenregion waren ebenfalls Protestanten, was die Einwanderung ins Herzogtum Pfalz-Zweibrücken erleichterte.

Von 1636 bis 1719, also 83 Jahre hindurch, wohnte kein Geistlicher mehr im verödeten Winterbach. Der fürchterliche Krieg hatte das Dorf im 17. Jahrhundert vollkommen ausgelöscht. Die Pfarrei war eingegangen, die Kirche zerfiel. Spanier und Kroaten des kaiserlichen Heeres hatten die tapfer kämpfenden Schweden vertrieben und lagerten in der ehrwürdigen Dorfkirche. In Winterbach wohnte danach niemand mehr. In Niederhausen gab es noch zwei und in Biedershausen eine Familie. Dem Herzogtum waren die menschenleeren Dörfer ein Dorn im Auge. Deshalb versprach man den Schweizer und Tirolern, die aus der zu dicht bewohnten Schweiz fliehen wollten, Religionsfreiheit und Steuerfreiheit. Die nicht ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln machte die Bewohner aus der damals übervölkerten Nachbarschaft zu unfreiwilligen Auswanderern.

Die Schweizer Einwanderer waren überwiegend reformierten Bekenntnisses und in geringer Anzahl verfolgte Mennoniten. Die Reformatoren Huldrych Zwingli und Johannes Calvin hatten in der Schweiz die neue religiöse Richtung ausgehend von Martin Luther bestimmt. Demnach war für die Auswanderer der Glaube in der neuen Heimat kein Hindernis der friedlichen Eingewöhnung. Bis heute haben sich noch einige Familiennamen der Schweizer Siedler im Dorf erhalten. Dies sind nach der Zweibrücker Familienforschung unter anderem die Familiennamen Leiner, Klein, Huntzicker, Schneider, Schwarz, Ebersold und Schneble. Einige der Namen wurden im laufe der Jahre eingedeutscht, was wir von Dorfnamen auch schon kennen.

Romanischer Kirchturm Zeugnis der Dorfgeschichte

Beim alten Pfarrort Winterbach erkennen viele Heimatforscher typische Spuren der Besiedlungstätigkeit der Benediktinermönche des Klosters Hornbach. In welchem Jahr die Mönche des heiligen Pirminius ins Tal des Winterbaches kamen, ist in der Geschichtsschreibung nicht genau festgehalten. Es ist nur vermerkt, dass von den Kirchensteuern der damaligen Zeit, dem Zehnten, den das Kloster Hornbach von allen Ansiedlungen erhob, eine Pfarrei gegründet und auch die Kirche erbaut wurde. Dem Pfarrer von Winterbach stand ein Drittel, dem Kloster zwei Drittel dieser Abgaben zu. In der Geschichtsschreibung selbst soll das Dorf erstmals 1269 auftauchen, mit der Namensbezeichnung Wynterbach. Aus den Westpfälzischen Geschichtsblättern von Carl Pöhlmann erfahren wir, dass kurz nach 1180 ein Geschlecht niederen Adels zu Winterbach im Dienst der Grafen von Homburg stand. Diese Verbindung bestand bis ins Jahr 1477. Gerhard von Winterbach war von 1391 bis 1444 Abt des Klosters Hornbach. Die Winterbacher Ortsherren stellten dem Herzog zahlreiche Burgmannen. Zur Winterbacher Gerichtsbarkeit gehörten die Orte Oberauerbach, Reifenberg, Niederhausen, Mörsbach, Niederauerbach, Oberhausen, Biedershausen, die umliegenden Höfe und Battweiler. Dem Pfarrort waren die Protestanten aus Oberhausen, Biedershausen, Groß- und Kleinbundenbach, Niederhausen und Battweiler zugehörig.

Der Bau des ersten Gotteshauses fällt, wie die Stilmerkmale des Turmes erkennen lassen, in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Dem romanischen Westturm ist das Kirchenschiff mit eingezogenem quadratischen Chor zugehörig. Der wuchtige Turm ist fünf Meter breit, sechseinhalb Meter lang und 19 Meter hoch. Beim Wiederaufbau wurde der Turm bis zu den Schalllöchern abgetragen, die schadhaften Stellen ausgebessert. Anstelle des ehemaligen Chorgewölbes wurde das Kirchenschiff verlängert. Äußere Zierde des Gotteshauses ist die barocke Türgewandung mit zwei Pilastern und einem Medaillon mit Inschrift: „Gott mit uns. Diese reformierte Kirche ist nun auferbaut im Jahre Christi 1723“.

Helfer mit Idealismus für das Wahrzeichen des Dorfes

Eine außergewöhnlich Bindung haben die Bewohner von Winterbach zu ihrem Wahrzeichen des geschichtsträchtigen Ortes. Darum hat man sich vor 25 Jahren zu einer denkmalpflegerischen Sanierung des historischen Bauwerkes entschieden. Die aufsteigende Nässe aus dem sumpfigen Talgrund hatte der Kirche wieder einmal sichtbaren äußeren Schaden zugefügt. Eine Spezialfirma hat der hockletternden Feuchtigkeit im Mauerwerk förmlich das Wasser abgegraben. Die 80 Zentimeter dicken Sandsteinmauern wurden mit einer Diamantkettensäge knapp über dem Erdreich durchgetrennt. Danach wurden Chromstahlbleche eingeschoben, die endgültig das Hochkriechen der Feuchtigkeit beendeten. Für diese aufwendige Trockenlegung waren 70.000 Mark notwendig. Bevor ein neues Dach eingedeckt wurde, hat man das Dachgebälk mit Heißluft gegen Schädlinge behandelt. Der verschmutzte Putz wurde bis zur Dachtraufe abgespitzt. Nach guter Austrocknung durch die Sommerluft wurde ein neuer Sonderputz aufgetragen. Die Holzdecke in der Kirche, um die Empore und der Orgel haben die freiwilligen Helfer in unzähligen Stunden gesäubert. Nun so war es möglich, dass die Kirchengemeinde ihren Eigenanteil von gut 140.000 Mark beisteuern konnte. Alle Bänke wurden aus der Kirche entfernt, um einen Parkettboden zu verlegen. Für den Sanierungsaufwand waren Kosten von insgesamt 710.000 Mark veranschlagt.

Altarraum in kunstvollen Stilmerkmalen aus Holz

Völlig neu wurde vor 25 Jahren der Altarraum mit Kanzel gestaltet. Er erhielt wieder eine mittelalterliche Prägung durch die verwendeten Baumaterialien. Ein Musterstück, einen sogenannten Kastenaltar, hatten Kunsthandwerker Albrecht Schuh und sein unermüdlicher Helfer im Presbyterium, Walter Schmidt, in der Kirche in Mimbach besichtigt. Danach hatten sie eine genaue Vorstellung wie solch ein Unikat aussehen könnte. Um die richtige Holzauswahl treffen zu können, mussten die beiden Handwerker in einen Holzhandel nach Landau. Schließlich sollte der Altar in seiner Tonfärbung zur wertvollen Holzkanzel passen. Diese hatte die Kirchengemeinde aus dem Archivbestand in Speyer zur Renovierung erhalten.

In den Holzstößen des Sägewerkes fand Schuh die richtig getönte Eiche und ein ideal nachgedunkeltes französisches Nussbaumholz. Den neuen Altar aus dem passenden Holz hat der Modelschreiner Schuh mit viel Geduld in mehr als 200 freiwilligen Arbeitsstunden der Kirchengemeinde zum Geschenk gemacht. Die Schaffung des kirchlichen Kunstwerkes war für Schuh eine besondere Herausforderung, die ihm einige schlaflose Nächte bereitete. Schließlich sollte der Altar aus Naturholz dem ehrwürdigen Gotteshaus Harmonie und Wärme schenken. Viele Jahre war Schuh beim Autobauer General Motors in Detroit/USA in der Modellentwicklung tätig, wo es auch manche Herausforderung gegeben habe, aber nicht vergleichbar mit diesem kirchlichen Meisterwerk.

Das Gotteshaus im Winterbacher Tal ist ohne die Tatkraft der Gläubigen und Dorfbewohner nicht vorstellbar, erinnert sich Gemeindepfarrer Tilo Brach, der die umfangreiche Renovierung 1988/89 schon mitbetreuen durfte. Zu allen Zeiten seien freiwillige Arbeitsleistungen und Idealismus gefragt gewesen, um ein solch besonderes Bauwerk für Gottes Wort zu bewahren.

Warme Holzkunst schmückt den erneuerten Altarraum.
Warme Holzkunst schmückt den erneuerten Altarraum.
Die Einwanderer haben das Jahr der Fertigstellung des Kirchenschiffes in Steinmetzkunst festgehalten.
Die Einwanderer haben das Jahr der Fertigstellung des Kirchenschiffes in Steinmetzkunst festgehalten.
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