Südwestpfalz
Corona: Nach leichter Entspannung im Kreis bleibt es vorerst bei Appellen
Wie ist die aktuelle Lage?
Nachdem der Landkreis Südwestpfalz am Sonntag mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 36 Infektionen auf 100.000 Einwohner in der zweithöchsten Corona-Gefahrenstufe orange geführt war, hat sich die Lage leicht entspannt. Das Landesuntersuchungsamt hat den Wert für Montag mit 32 angegeben, also unter der Schwelle von 35. Damit ist der Kreis nun in der Warnstufe gelb eingeordnet. „Ich bin erleichtert“, sagte Landrätin Susanne Ganster. Auch wenn der Kreis noch einen Puffer habe, ehe er als Risikogebiet geführt würde – dazu müsste es 48 Neuinfektionen in sieben Tagen geben –, sei „Ausruhen nicht das Gebot der Stunde“, so die Landrätin. Ganster hält es für denkbar, dass der Kreis in den kommenden Tagen und Wochen immer wieder von der Warnstufe gelb in die Gefahrenstufe orange rutschen könnte. Gilt diese zweithöchste Stufe, tritt eine Taskforce mit dem Land zusammen, in der weitere Maßnahmen besprochen werden. Nach der Telefonkonferenz am Montag und der leichten Entspannung der Lage stehen zunächst keine weiteren Gespräche mit der Taskforce an, so Ganster.
Wie viele Neuinfektionen gibt es?
Am Montag bestätigten sich im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes Südwestpfalz, zu dem neben dem Kreis die Städte Pirmasens und Zweibrücken gehören, sieben Neuinfektionen. Drei Fälle sind in Zweibrücken dazugekommen. Eine Infektion ist auf eine Familienfeier zurückzuführen, die schon in der vergangenen Woche für mehrere Erkrankungen verantwortlich war. Dazu kommen zwei Personen, die sich aktuell im Krankenhaus befinden. Im Landkreis wurden drei weitere Personen aus der Verbandsgemeinde Hauenstein positiv auf eine Covid-19-Infektion getestet. Ein Fall steht in Verbindung zu der Hochzeitsfeier, auf die in den vergangenen Tagen bereits etliche Infektionen zurückzuführen waren. Für die anderen beiden Fälle war ein Besuch aus der Schweiz Auslöser. Zudem hat sich eine Frau aus Pirmasens an ihrer Arbeitsstelle in Kaiserslautern infiziert. Aktuell sind 74 Fälle aktiv. Davon 29 in Zweibrücken, 15 in der VG Hauenstein, jeweils neun in der VG Pirmasens-Land und in Pirmasens, fünf in der VG Thaleischweiler-Wallhalben, vier in der VG Zweibrücken-Land sowie drei in der VG Rodalben.
Werden die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen verschärft?
Nein, da sich die Lage leicht entspannt hat, werden zunächst keine Maßnahmen angepasst. Landrätin Susanne Ganster beließ es bei einem eindringlichen Appell an die Landkreis-Bewohner, sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten und – wo nötig – einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Gleichzeitig sollte sich jeder überlegen, ob private Feiern, egal ob in angemieteten Räumen oder zu Hause, in der aktuellen Zeit notwendig sind. Bei größeren Feiern im öffentlichen Raum – maximal 75 Gäste sind dabei erlaubt – müsse ein Hygienekonzept eingehalten werden, betonte Ganster. Familienfeiern, teils mit Gästen aus innerdeutschen Risikogebieten oder dem Ausland, hatten die Anzahl an Infektionen im Kreis und der Stadt Zweibrücken sprunghaft ansteigen lassen. Zweibrücken gilt inzwischen als Risikogebiet.
Jeder Einzelne habe es mit seinem Verhalten in der Hand, eine Verschärfung von Maßnahmen zu verhindern, betonte die Landrätin. Gleichzeitig werde sie das Gespräch mit den Verbandsbürgermeistern suchen und darauf hinwirken, dass die Ordnungsämter in den kommenden Wochen intensiver kontrollieren. Privaträume seien davon aber ausgenommen, sie stehen verfassungsrechtlich unter einem besonderen Schutz. Hier könne man nur an die Vernunft der Menschen appellieren. In den vergangenen Wochen habe man immer wieder zur Kenntnis genommen, dass etwa bei Kerwen im Landkreis Hunderte Menschen ohne abgestimmtes Hygienekonzept und ohne den nötigen Abstand zusammengekommen seien. Auch bei Fußballspielen sehe man immer wieder, dass sich Zuschauer nicht an Abstandsregeln halten. Bisher habe man zwar noch keine Infektion bei einer Sportveranstaltung im Freien registriert, sagte der erste Kreisbeigeordnete Peter Spitzer. Sollte es aber soweit kommen, müssten die Sportler mit Einschränkungen rechen. Das könne man vermeiden, wenn man sich an die Regeln hält.
Ist der Landkreis gerüstet, falls die Anzahl der Infektionen weiter steigt?
„Wir haben eine Maßnahmenliste erarbeitet“, sagte Susanne Ganster. Damit könnten man reagieren, sollte der Kreis zum Risikogebiet werden. „Das bedeutete aber nicht, dass automatisch alle Maßnahmen umgesetzt werden“, machte die Landrätin deutlich. Man werden sehr genau schauen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickle. „Ich halte nichts davon, eine Maskenpflicht an Schulen einzuführen, wenn die steigende Anzahl von Infektionen auf eine Familienfeier zurückzuführen ist“, so Ganster. Die Zurückverfolgung der Infektionsketten sei das A und O. Derzeit arbeiten im Gesundheitsamt rund 40 Personen in der Kontaktnachverfolgung. Insgesamt 200 Menschen sind im Kreis und den Städten in Quarantäne. Sollte die Anzahl an Infektionen steigen, die nicht mehr nachzuverfolgen sind, müssten die Maßnahmen verschärft werden.
Reichen die Testkapazitäten aus?
Ja, sagt Susanne Ganster. Am Montag hatte man 75 Anrufer bei der Kreis-Hotline, die sich testen lassen wollten. Knapp die Hälfte der Anrufer hatte Symptome, zwölf waren Reiserückkehrer, etwa 25 ermittelte Kontaktpersonen. Neben der Infektambulanz und dem Corona-Testzentrum in Pirmasens bieten auch Hausärzte Corona-Tests an. Man sei in der Lage, flexibel auf eine höhere Nachfrage an Test zu reagieren, betonte Ganster.
Reichen die Kapazitäten in den Krankenhäusern aus?
Ja, aktuell seien drei Patienten – zwei aus Zweibrücken und einer aus Pirmasens – stationär in Behandlung, so die Landrätin.