Kreis Südwestpfalz
Contwiger Sternsinger im Bundeskanzleramt: „Ich dachte, Frau Merkel wäre größer“
Bevor sie ins Kanzleramt durften, schnüffelte erst einmal ein Spürhund an ihren Taschen, ob sie Sprengstoff dabeihaben. Aber dann schüttelte die Kanzlerin jedem von ihnen die Hand. Vier Sternsinger aus Contwig und Betreuerin Hedi Bender vertraten am 7. Januar das Bistum beim Empfang in Berlin. Dabei durften sie auch in einem ganz besonderen Taxi fahren.
Contwig Über 5000 Euro haben die Contwiger Sternsinger bei der diesjährigen Sammlung für Kinder im Libanon gesammelt. Für vier von ihnen war es ein besonderer Jahresauftakt: Sie besuchten Berlin und waren am 7. Januar beim Sternsinger-Empfang der Kanzlerin dabei als Vertreter des Bistums Speyer. Begleitet wurden sie von Hedi Bender.
Mara Konrad (13), Katharina Schmitz (11), Selma Anton (15) und Anna-Sophie Weidler (15) waren am 7. Januar zum ersten Mal bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, um zusammen mit Kindern aus 27 weiteren Bistümern den Segen ins Kanzleramt zu bringen. „Das war aufregend, das sieht man nicht alle Tage“, sagt Selma, für die die Tage in Berlin ein besonderes Erlebnis waren. Und sie ergänzt: „Angela Merkel kam sehr nett rüber. Vorher dachte ich immer, sie sei sehr streng.“
„Sie hat jedem der 108 Sternsinger die Hand geschüttelt“, sagt Hedi Bender, die als Begleitperson der vier Contwiger Sternsinger dabei war. Anna-Sophie Weidler gefällt, dass die Arbeit der Sternsinger geschätzt wird durch den Empfang im Kanzleramt. Es gebe über 300 000 Sternsinger in ganz Deutschland. In diesem Jahr hat die Sternsinger-Aktion Geld gesammelt für Kinder im Libanon. Dabei kamen alleine in Contwig 5000 Euro zusammen, in der gesamten Pfarrei St. Pirmin – dazu gehören acht Gemeinden und Kirchen in Contwig, Stambach, Oberauerbach, Großsteinhausen, Riedelberg, Hornbach, Altheim und Pinningen – rund 13 000 Euro. Die meisten Sternsinger sind Messdiener, wie die vier jungen Damen, die Speyer in Berlin vertraten. Aber auch Kommunionkinder waren sammeln für die gute Sache.
In jedem Jahr schreiben die Sternsinger ein kleines Gewinnspiel aus. Wenn die Sternsinger das richtige Lösungswort herausbekommen, können sie sich damit für den Besuch beim Kanzleramt bewerben. Aus allen richtigen Einsendungen wird eine Gruppe pro Bistum ausgelost für die Fahrt nach Berlin. Und dieses Losglück traf diesmal Contwig.
„Ich mache das schon fast 20 Jahre, aber wir wurden noch nie ausgelost“, freut sich Hedi Bender über das diesjährige Losglück. Oder, wie sie es nennt, den „Hauptpreis“. Montags fuhren die fünf mit dem Zug nach Berlin. Per Direktverbindung von Homburg aus waren sie sechs Stunden später in der deutschen Hauptstadt. In der Jugendherberge Ostkreuz bezogen sie wie alle Sternsinger Quartier und machten sich dann erstmal auf Entdeckungstour. Den Alexanderplatz erkundeten sie genauso wie den Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus, der den letzten Tag geöffnet hatte. Zwei Übernachtungen hatten sie in Berlin, wobei diese und die Zugfahrt vom Kindermissionswerk bezahlt wurden, das die Sternsinger-Aktion organisiert. Dienstagsmorgens waren die fünf Contwiger dann bei Angela Merkel.
„Das mit den Spürhunden war schon komisch“, erinnert sich Mara Konrad. Denn vor dem Empfang mussten die Kinder ihre Taschen erstmal nach Sprengstoff durchschnüffeln lassen. Nach dem knapp zweistündigen Empfang mit Segenswünschen und Gesang gab es im Kanzleramt noch Mittagessen. Spaghetti Bolognese. Und die seien gut gewesen, sind sich alle Contwiger Sternsinger einig. „Ich dachte, Frau Merkel wäre größer“, wurde Selma Anton eines Besseren belehrt. Beeindruckt waren die vier jungen Damen und Hedi Bender auch von ihrem Taxi ins Kanzleramt. Das war ein Polizeibus, der mit Blaulicht und Sirene fuhr. Katharina Schmitz bleiben besonders die vielen Kameras im Gedächtnis. Über die Berlinreise der Contwiger Gruppe hat der Südwestrundfunk eine kleine Reportage gedreht, die noch am Abend des Empfangs in SWR aktuell gesendet wurde.
Mittwochs brachte die Gruppe ihre Koffer zu Hedi Benders Sohn, der in Berlin wohnt. Und dann ging es ohne Gepäck wieder in die Stadt. Hedi Bender hatte ein Besichtigung der Reichstagskuppel gebucht, auf die sich die Kinder besonders freuten. Abends um 19 Uhr waren alle wieder wohlbehalten Zuhause. Angst, dass eines der Kinder in Berlin abhandenkommt, hatte Hedi Bender nicht. „Ich bin ja schon seit vielen Jahren mit Kindern unterwegs“, sagt sie gelassen. „Es hat viel Spaß gemacht“, sind sich alle Beteiligten einig. Ein offizielles Foto mit der Kanzlerin und Autogramm der Regierungs-Chefin bekommen die vier auch noch zugeschickt. Und die vier Mädels werden auch kommendes Jahr wieder den Segen in die Contwiger Häuser bringen und Geld für eine gute Sache sammeln.