Bottenbach Bottenbach will in den Tourismus investieren
Das Bottenbacher Wasserhaus soll wieder aufgebaut werden. Dafür sprach sich der Gemeinderat vergangene Woche einstimmig aus. Aktuell sieht es an dem fürs Dorf geschichtsträchtigen Ort wüst aus. Das Dach des Wasserhauses ist eingestürzt, sagt Ortsbürgermeister Klaus Weber. „Die Substanz ist aber noch gut. Nur wenn wir jetzt nichts machen, dann ist in zehn Jahren die gute Substanz ebenfalls hinüber.“
Am Wasserhaus gab es bereits Treffen mit Pfalztouristik, Kreistouristik, Bauamt und Co. Einen Bauantrag braucht es für ein neues Dach laut Weber nicht: „Da reicht es, wenn wir einen Standsicherheitsnachweis abliefern.“ Der Ortsbürgermeister schätzt, dass das neue Dach rund 20.000 Euro kosten wird. Dann kommen noch Kosten für Arbeiten im und ums ehemalige Wasserhaus hinzu. Insgesamt sollen rund 25.000 Euro investiert werden.
Finanzieren will die Gemeinde den Wiederaufbau mit Fördergeld aus dem Leader-Programm. 70 Prozent der Kosten könnten damit gedeckt werden. Den Rest wird dann der Förderverein Dorfgemeinschaft beisteuern. „Auf die Gemeinde kommen somit keine Kosten zu, wir tasten also keine Steuergelder an“, verkündete Weber im Gemeinderat.
Damit es Fördergelder gibt, will Weber als Begründung einen touristischen Ansatz wählen. Damit sieht er gute Chancen. Das Wasserhaus soll künftig wie ein Museum gestaltet werden – im Inneren etwa mit Infotafeln.
Ein Wanderweg mit passenden Podcasts
Direkt neben dem Wasserhaus verlaufen zwei Wanderwege. Einer davon ist der neue Wanderweg durchs Lambachtal. Für den hat die Gemeinde erst kürzlich eine Auszeichnung beim Ehrenamtspreis des Landes erhalten. Besonderheit des knapp 6,5 Kilometer langen Weges: Entlang der Strecke stehen Infotafeln mit QR-Codes. Wer diese mit dem Handy scannt, gelangt zu zehn Mini-Podcasts. Zu hören sind darin „Bottenbacher Originale“, die Geschichten aus früheren Zeiten und Informationen zu aktuellen Gegebenheiten erzählen. Die Audiodateien können auch über die Homepage abgerufen werden.
Am Eggerlies-Brünnchen etwa spricht Hannelore Buchmann, Jahrgang 1943. Sie erinnert sich an früher. Ihr Großvater habe die Quelle um 1900 mit Sandsteinen eingefasst. In den Folgejahren diente sie als Zulauf für das Wasserhaus und sicherte somit auch Bottenbachs Wasserversorgung. „Heute ist sie nur noch ein kleines Rinnsal“, erzählt Buchmann.
Wasserhaus zur Wanderhütte umgestaltet
Das Wasserhaus wurde in den 30er-Jahren errichtet – wie man im Dorf erzählt auf einem Gelände, das nicht der Gemeinde gehörte, sondern im Privatbesitz war. Unter Ortsbürgermeister Heinrich Kuntz, dem Vorvorvorgänger von Klaus Weber, seien die Eigentumsverhältnisse bereinigt worden. Das Wasserhaus im Lambachtal war laut Altortsbürgermeister Ernst Freyer nötig, weil der Brunnen im Wasserhaus „An der Trift“ bei der heutigen Bottenbacher Grillhütte nicht immer genug Wasser lieferte.
Doch der Brunnen in der Lambach sei nicht tief genug gewesen, und die Qualität des Trinkwassers habe teilweise zu wünschen übrig gelassen. So sei die Quelle mit dem Wasserhaus nie von der Verbandsgemeinde übernommen worden. Vielmehr sei nach der Bildung der Verbandsgemeinde 1973 eine Versorgungsleitung vom Wasserhochbehälter auf der Riedelberger Höhe nach Vinningen verlegt worden. Seitdem wird die Bottenbacher Bevölkerung mit Wasser aus dem Quellbereich der Schelermühle bei Vinningen und über den Hochbehälter auf dem Kettrichhof versorgt.
Als Ernst Freyer Ortsbürgermeister war – seine Amtszeit endete 2009 – war das Wasserhaus zur Wanderhütte umgestaltet und möbliert worden. Bei den Rentnern sei die Schutzhütte sehr beliebt gewesen. In dem Häuschen sei so manches Fest gefeiert worden, wie Geburtstage und Grumbeerebrode. 2021 sprach der Bottenbacher Rat dann über einen möglichen Abriss des Wasserhauses.