Bottenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger sollen bei Windkraft mitentscheiden

Bei Kröppen sind im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Höhe von 241 Metern ans Netz gegangen.
Bei Kröppen sind im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Höhe von 241 Metern ans Netz gegangen.

Auf Kröpper Gemarkung sind im vergangenen Jahr die höchsten Windkraftanlagen des Landes ans Netz gegangen. Das Ende der Entwicklung ist damit aber noch nicht erreicht. Zwei Projektierer haben Interesse bekundet, bei Bottenbach noch leistungsfähigere Windräder zu realisieren. In die Entscheidung, ob sie gebaut werden, möchte der Bürgermeister auch die Einwohner einbinden.

Schon jetzt ist die Gemeinde Bottenbach von Windkraftanlagen umgeben. Bei Riedelberg drehen sich Windräder, und zu den Anlagen am Stausteinerhof kamen 2020 zwei weitere im „Windpark Kröppen“ hinzu. Mit einer Höhe von 241 Metern und einer Leistung von 4,2 Megawatt gehören sie zu den größten Anlagen in Rheinland-Pfalz. Während die Bottenbacher also bereits mit Windrädern rund um den Ort leben, profitieren finanziell bislang nur andere. Das könnte sich ändern. Mehrmals hat sich der Gemeinderat mit Plänen von Projektierern beschäftigt, die drei bis vier Anlagen auf Bottenbacher Gemarkung errichten möchten. Die Firmen Prokon und Gaia haben ihre Konzepte im Ortsgemeinderat vorgestellt. Sie unterscheiden sich vor allem in der Frage, wer finanziell wie stark von den Anlagen profitiert, erläutert Bottenbachs Bürgermeister Klaus Weber.

Geräuschkulisse könnte zunehmen

Ob die Gemeinde die Windräder haben möchte, muss gut überlegt sein, findet der Ortschef. Gebaut werden sollen die Anlagen im Bereich Osterwald und Tiergarten in Richtung Nünschweiler, der Ort wäre dann in allen Richtungen von Windkraftanlagen umgeben. Je nachdem, wie der Wind steht, hört man die Kröpper Räder im Ort, berichtet Weber. Die Geräuschkulisse könnte durch weitere Räder wachsen. Bei den Anlagen, die die Projektierer ins Auge gefasst haben, handele es sich um Prototypen, die noch nicht auf dem Markt sind. Mit über fünf Megawatt Leistung sollen sie die Dimension der Kröpper Anlagen übertreffen.

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In das Abwägen des Für und Wider will die Gemeinde verschiedene Aspekte einfließen lassen. Bei der Ratssitzung im Dezember sollten Vertreter der Naturschutzorganisationen Nabu und BUND ihre Sicht der Dinge darlegen. Aufgrund der Corona-Pandemie und des Lockdowns wurde der Punkt aber von den Tagesordnung genommen. Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt, soll der Termin nachgeholt werden, so Weber. Die Verbandsgemeinde soll dem Bottenbacher Rat außerdem darlegen, wie sich die Anlagen finanziell für die Gemeinde auswirken würden. Wenn „den Einbußen bei der Lebensqualität“ finanzielle Anreize für die Bürger entgegenstünden, etwa geringere Steuern in der Gemeinde oder Geld für Projekte für das Allgemeinwohl, könne das die Akzeptanz steigern, schätzt Weber. Auch günstigere Stromkosten sollen künftig als Anreiz möglich werden, berichtet der Bürgermeister.

Passen Neubaugebiet und Windräder zusammen?

Zweieinhalb Standorte könnten auf Gemeindeflächen liegen, einer im Staatswald auf Nünschweilerer Gemarkung. Zwar werde der Mindestabstand von 1100 Metern zum Ort eingehalten, doch am Ortsrand plant die Gemeinde ein Neubaugebiet. „Wollen wir, dass die Bauplätze in Richtung Windräder liegen?“, müsse sich der Gemeinderat fragen. Andererseits gelte es zu klären, was passiert, wenn die Gemeinde den Plänen der Projektierer eine Absage erteilt. Könnten die Anlagen dann auf Privatgelände gebaut oder einige hundert Meter auf Nünschweilerer Gemarkung verschoben werden? Dann müssten die Bottenbacher womöglich trotzdem mit den Anlagen leben, ohne davon zu profitieren.

Keine leichte Entscheidung, mit der sich auch der Rat schwer tue, so Weber. Der Bürgermeister möchte daher – immer vorausgesetzt, der Rat stimmt zu – die Öffentlichkeit einbinden. In einem ersten Schritt sei eine Bürgerversammlung denkbar, bei der das Für und Wider dargestellt und diskutiert werde. Die Einwohner gut zu informieren, sei wichtig, so Weber. Auch ein Bürgerentscheid ist denkbar. Eine Versammlung sei zwar coronabedingt aktuell nicht umsetzbar. Doch „in diesem Jahr sollte das über die Bühne gehen, vielleicht nach den Sommerferien“, skizziert Weber einen Fahrplan.

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