Kreis Südwestpfalz
Bärmann-Abgang schadet der CDU vor der Doppelwahl
Karlheinz Bärmann hatte einfach die Nase voll. Seit Jahr und Tag opfert er seine Freizeit, um sich als Bürgermeister von Contwig um kaputte Lampen, ungekehrte Trottoirs, die Sorgen und Nöte von 40 Mitarbeitern, Neubaugebiete und Visionen zu kümmern. Und was ist der Dank? Schimpfe im Internet, ausgerechnet aus den eigenen Reihen. Nicht einmal seine eigene Partei, die CDU springt ihm bei.
So stellte sich die Sache für Bärmann dar – und deshalb entschloss er sich über Weihnachten, an Silvester Knall auf Fall hinzuschmeißen.
Seine Kritiker sehen es anders. Oliver Duymel ist selbst nicht mehr Mitglied der Union, aber er hat die Facebook-Seite der CDU Contwig eingerichtet, außerdem sitzt seine Frau Susanne im Vorstand der Contwiger CDU. Duymel ist der Meinung, dass zum Beispiel der Stambacher Kindergarten, den seine drei Kinder besuchen, nicht auf der Höhe der Zeit ist. Die Verantwortung dafür trage nun mal die Leitung des Kindergartens und letztlich der oberste Dienstherr, der Bürgermeister, also Bärmann.
Duymel, früher im Elternbeirat des Kindergartens, nennt drei Beispiele. Es habe zwei Jahre gedauert und stetigen, massiven Drängens bedurft, bis der Kindergarten endlich bereit gewesen sei, das eigentlich regelmäßig vorgesehene Entwicklungsgespräch zu seinem ältesten Sohn zu führen. Der Kindergarten Stambach habe bis vor nicht allzulanger Zeit freitags einfach um 13.45 Uhr geschlossen und damit berufstätige Eltern im Stich gelassen. Drittens nennt er den angeblichen Corona-Fall vor Weihnachten. „Am Freitag vor Heiligabend hieß es, es gebe einen Corona-positiv-Fall im Kindergarten Stambach und alle Kinder müssten 14 Tage in Quarantäne“, erzählt er. Der Kindergarten habe keine näheren Auskünfte erteilt. Eltern hätten diese beim Gesundheitsamt einholen müssen. Ergebnis: Es habe gar keinen Corona-Fall gegeben, „nicht einmal einen Verdachtsfall“, sagt Duymel.
Wegen der Defizite im Kindergarten Stambach habe er im Dezember auf der Contwiger Facebookseite geschrieben: „Wenn ich alleine an gestern im Kiga Stambach denke. Der Neubau ist eine Bauruine, der andere eine mentale.“ Mit „mentaler Ruine“ habe er gemeint, dass es am Kindergarten Stambach „strukturelle Mängel“ gebe.
Manche Contwiger, darunter wohl auch der Bürgermeister, hingegen bezogen die Formulierung „mentale Ruine“ auf den Bürgermeister und waren entsetzt. Als dann der Elternsprecher der Grundschule, Markus Heinrichs, bei Facebook schrieb: „Das Problem sind nicht die Fachleute, das Problem ist ein einzelner, der meint als Bürgermeister kann (man) machen, was man will. Wenn dann bisher der Rat alles zugelassen hat, weil der Herr Provinzfürst sich bei Gegenwind aufführt wie Rumpelstilzchen, wird es echt Zeit, dass er geht.“
Als Bärmann das las, platzte ihm der Kragen und er forderte die CDU Contwig auf, etwas zu unternehmen, zumal Heinrichs der CDU angehört, Oliver Duymel zwar nicht, aber dessen Frau im Vorstand sitzt.
Die CDU tat erst mal nichts, Bärmann zog die Konsequenz und ging. Die SPD bedauerte zutiefst und lobte Bärmann über den grünen Klee. Erst einen Tag später äußerte sich Bärmanns Partei, lobte ihn, nannte die parteiinternen Kritiker aber nur „zwei Bürger“, ohne sie zu tadeln oder beim Namen zu nennen.
Hinter vorgehaltener Hand war danach aus der CDU noch zu hören, dass Bärmann zuletzt „ein halber Roter“ gewesen sei. Er habe mit dem SPD-Verbandsbürgermeister Gundacker besser gekonnt als mit dessen Nachfolger, dem Christdemokraten Bernhard. Spätestens in diesem Moment war der Riss wieder da, der die CDU im Zweibrücker Land lange spaltete: „die Bechhofer“ um Bernhard, Pirro und Paul Sefrin gegen „die Contwiger“ um Bärmann und Herbert Schmidt. Die CDU glaubte, diese Zeiten überwunden zu haben. Jetzt ist der Grabenkrieg wieder da – und er wird der CDU im Doppelwahlkampf schaden.