Hauenstein
Aufbruch am Schuhmachermarkt: Renaissance der Freundschaft Hauenstein–Chauffailles
Es ist 61 Jahre her. An Pfingsten 1965 – zwei Jahre nach dem historischen Élysée-Freundschaftsvertrag zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle – kamen rund 100 junge Musiker aus dem südburgundischen Textilstädtchen Chauffailles zum 40-jährigen Vereinsjubiläum des Musikvereins nach Hauenstein. Mit der Sprache der Musik wurden damals die ersten Freundschaften geschlossen. Fünf Jahre später wurde – 25 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – die Partnerschaft per feierlichem Vertrag in eine Jahrzehnte währende Freundschaft der Bürger und Vereine verwandelt. Jetzt soll diese Freundschaft wiederbelebt werden, neue Kontakte sollen geknüpft werden.
Denn etwas mehr als sechs Jahrzehnte später – zum besonderen Schuhmachermarkt am 29. Mai bis 1. Juni anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Deutschen Schuhmuseums – kann in Hauenstein wieder etwas Großes entstehen. An diesem Sommer-Wochenende soll die historische Partnerschaft in eine neue Zukunft gegossen werden. „Neue Zeiten erfordern neue Formen“, unterstreicht Hauensteins Ortsbürgermeister Steffen Mellein gemeinsam mit den beiden Herzblut-Protagonisten Thomas Merz (65) und Anna-Maria Scheib (33) ihr Erneuerungs-Projekt, dem sich mittlerweile auch noch einige Gleichgesinnte angeschlossen haben.
Grüße aus Frankreich bringen alles ins Rollen
Bei einer der ersten Zusammenkünfte kam auch bereits die neue Zielrichtung einer Partnerschaft in neuen zeitgemäßen Formen zur Sprache. Das große Fest zum Schuhmachermarkt soll ein Renaissance-Auftakt der alten Freundschaft werden, an der Jung und Alt gleichermaßen wachsen können. „Und wir hoffen, dass noch weitere interessierte und motivierte Personen hinzukommen, die diesen neuen Weg mitgehen wollen“, sind Merz und Scheib erfreut über die große Resonanz ihres Aufrufes.
Wie kam es zur Wiederbelebung der einst so blühenden Partnerschaft, die in den 80er-Jahren von französischer Seite mit der hohen Auszeichnung der Jean-Monet-Plakette ausgezeichnet worden war? Als Thomas Merz – er stammt aus Landau und ist mittlerweile mit seiner Familie längst ein alter Hääschdner – im Jahr 2022 zum letzten Mal mit seinen Boule-Freunden aus Chauffailles zurückgekehrt war, überbrachte er dem damaligen Ortsbürgermeister Michael Zimmermann auch die besonderen Grüße der Chauffailler Bürgermeisterin Stéphanie Dumoulin, die laut Merz „ein starkes Interesse an der Wiederbelebung der Partnerschaft mit neuen Formen“ zeigte.
Bedingt durch die Corona-Pandemie wurde aus diesem Wunsch vorerst nichts. Anfang 2025 hatte Merz beim neuen Ortschef Steffen Mellein angefragt, wie denn das Thema „Partnerschaft“ derzeit bei der Gemeinde platziert sei. Die Reaktion von Mellein zu dieser Botschaft aus dem Rathaus in Chauffailles: „Da rennst du bei mir offene Türen ein, ich mache dich gerne zum Beauftragten für die Renaissance der Partnerschaft mit Chauffailles“, zitiert Merz den Ortsbürgermeister. Merz wollte aber kein Amt oder Titel, sondern einfach dazu beitragen, dass die Partnerschaft wieder belebt wird.
Boulefreunde halten Freundschaft aufrecht
Nach diesem Startschuss und einem Aufruf im Amtsblatt erhielt Merz Unterstützung von Anna-Maria Scheib. Die beiden bilden seitdem den ehrenamtlichen Teil der Organisation. Scheib, seit zwei Jahren Hauensteiner Bürgerin, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Motivation: Durch ihr Französisch-Studium sei sie mehr als einmal in Frankreich – unter anderem Le Mans, Paris und Nizza – gewesen und mit der deutsch-französischen Freundschaft vertraut. „Mit meinen 33 Jahren ermutige ich auch vielleicht noch ein paar Jüngere, sich unserem Projekt anzuschließen“, hofft sie.
Info
Die Gemeinde hat eine neue E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der weitere Details zu erfahren sind. Auch weitere interessierte Personen können sich melden unter partnerschaft@hauenstein.de.
Unter Federführung der Gemeinde hat sich mittlerweile eine Arbeitsgruppe gebildet, der neben den beiden Hauptmoderatoren Merz und Scheib auch Tobias Bärmann angehört. Sie werden seitens der Gemeinde ergänzt von Ortsbürgermeister Steffen Mellein, Bastian Laux, Roger Hammer und dem verdienten Partnerschaftsreferenten Peter Jost. Merz, der als Gründer der Boulefreunde Hauenstein seit 1997 die Partnerschaft mit seither 16 Treffen der Boulefreunde in Chauffailles und Hauenstein maßgeblich befördert, wirbt darüber hinaus um weitere junge und ältere Freunde für das neue Renaissance-Projekt. „Welches Ereignis eignet sich besser, um die Wiederbelebung in neuen Formen zu feiern als der Schuhmachermarkt 2026?“, findet Anna-Maria Scheib.
Aus zwei könnten drei werden
Auch die Resonanz aus der Partnerstadt in Südburgund ist groß: Zum Schuhmachermarkt wollen aus der Partnerstadt fast 50 Personen aus allen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen mit der Stadtspitze anreisen, um der „Renaissance“ eine zukunftsweisende Weichenstellung zu geben. Die Partnergemeinden geben sich zuversichtlich, was weitere Impulse angeht. Das große Initial-Treffen 2026 soll der Startschuss für viele Begegnungen und Treffen zwischen den Vereinen und Schulen werden, neue Freundschaften sollen wachsen.
Und vielleicht bekommt die Freundschaft auch Zuwachs: Aus der Zweierpartnerschaft Hauenstein–Chauffailles soll ein Dreierbündnis werden. Zum Renaissance-Treffen, unter anderem finanziert vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds, wird auch ein Vertreter der luxemburgischen Gemeinde Belvaux erwartet, mit der Chauffailles ebenfalls seit den 60er-Jahren eine Partnerschaft unterhält. Diese Partnerschaft war historisch in den Kriegswirren 1940 entstanden, als in Chauffailles Flüchtlinge aus Belvaux aufgenommen wurden. Die Anregung zu dieser „Dreierpartnerschaft“ sei von Mike Lorang, dem stellvertretenden Bürgermeister aus dem luxemburgischen Städtchen. „Das wäre natürlich eine ganz besondere Dimension der Renaissance unseres Partnerschaftsprojektes“, heißt es aus den Partnergemeinden.
Zur Person
Stephanié Dumoulin bleibt Bürgermeisterin in Chauffailles
Am Sonntag, 22. März, hat der neu gewählte Gemeinderat von Chauffailles in seiner konstituierenden Sitzung Stéphanie Dumoulin mit großer Mehrheit als Bürgermeisterin bestätigt. Sie hatte mit ihrer Liste bereits bei den Kommunalwahlen zwei Wochen zuvor im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht. Von den 27 Stimmen im Rat entfielen 21 auf Dumoulin. Die Opposition erklärte in der Sitzung, sie werde auch in der kommenden Legislaturperiode mit der bisherigen und neuen Bürgermeisterin zusammenarbeiten. Von Dumoulin gingen bereits vor einigen Jahren die ersten Impulse zur Wiederbelebung der seit 1970 bestehenden Städtepartnerschaft Hauenstein–Chauffailles aus.