Merzalben / Maria Rosenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Auf den Spuren der Vorfahren und Kirchenstifter

Auf Ahnenforschung vor der Kirche Sankt Peter und Paul (von links): Steffen Dully, Kevin S. Benjamin, Lynn Marie Lickteig, Pfarr
Auf Ahnenforschung vor der Kirche Sankt Peter und Paul (von links): Steffen Dully, Kevin S. Benjamin, Lynn Marie Lickteig, Pfarrer Mathias Köller und Helmut Dully.

Die Amerikanerin Lynn Marie Lickteig sucht die Spuren ihrer Ahnen in Merzalben. Sie ist mit den Stiftern der Wallfahrtskirche auf Maria Rosenberg verwandt, die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswanderten. Der Tag im beschaulichen Dorf führt zu speziellen Begegnungen und einer Überraschung.

Das idyllisch gelegene Merzalben präsentierte sich in der vergangenen Woche in strahlendem Sonnenschein. Beschauliche Ruhe überall. Nur bei der kleinen Besuchergruppe auf dem Friedhof herrschte eine größere Anspannung. Die US-Amerikanerin Lynn Marie Lickteig aus Boulder (Colorado) befand sich aufgeregt auf der Suche nach den Spuren ihrer Ahnen. Ihre Urgroßtante, Maria Anna Lickteig aus Donsieders, heiratete 1838 Michael Germann aus Merzalben. Und sie wohnten in der Hauptstraße, besser bekannt „auff’m Hof“, in einem für jene Zeit üblichen großen Fachwerkhaus. Hier betrieben sie die Gastwirtschaft „Zum grünen Baum“.

Diese Familie Germann wanderte um 1878 nach Iowa in Amerika aus. Genauer nach Sankt Benedict, wo unter anderen drei weibliche Mitglieder der Betjörg-Gemeinschaft lebten. Jene Gemeinschaft, die 1912 finanziell erheblich mit zum Bau der großen Wallfahrtskirche auf Maria Rosenberg beitrug.

Mehrfach auf Spurensuche in der Pfalz

Lynn Marie Lickteig kam mit ihrem Ehemann Kevin S. Benjamin erneut aus den Vereinigten Staaten angereist, um den Stätten ihrer Ahnen nachzuforschen. Mehrmals besuchten sie schon den Ursprungsort der Jörg-Gemeinschaft, nämlich Maria Rosenberg, wo es im vergangenen Jahr ein großes Familientreffen gegeben hatte. Lickteigs Urgroßtante Maria Anna Lickteig Germann war die Tante der weiblichen Mitglieder der Gesellschaft um Georg Helfrich, genannt Betjörg. Zur Betjörg-Gemeinschaft zählten die (damals sogenannten) Helfrich-Mädels (angelehnt an den Namen von Georg Helfrich): Maria Anna Lickteig, Maria Anna Schneider und Maria Anna Weber.

Es muss erwähnt werden, dass um 1850 herum die Betjörg-Gemeinschaft nicht gerngesehen wurde von der kirchlichen Obrigkeit. Es kam so weit, davon erzählt die nun angereiste Lynn Marie Lickteig, dass der Pfarrer aus Clausen den Frauen verbot, die Clauser Kirche zu besuchen. Die Frauen lebten damals in Donsieders. Und so sind die Helfrich-Mädels, wenn sie trotzdem eine Kirche aufsuchen wollten, den weiten Weg durch den Wald gelaufen, bis nach Merzalben. Hier stand ihnen die kleine Kirche Sankt Peter und Paul offen. Sie durften an der heiligen Messe teilnehmen. Sie durften hier beten.

Tante bot Unterkunft und Verpflegung

Da aber der Weg zurück weit war, kehrten sie bei ihrer Tante Maria Anna Lickteig Germann „uff’m Hof“ an der Hauptstraße in dem von Michael Johann Germann geführten Gasthaus „Zum grünen Baum“ ein und durften dort übernachten. Im Familienregister zu den katholischen Kirchenbüchern der Pfarrei Merzalben von der Pirmasenser Arbeitsgemeinschaft für Familienforschung steht: Germann Johann Michael, Schreiner, Bauer, Wirt.

„Meine Urgroßtante gab ihren Verwandten Unterkunft und Verpflegung; aber ganz wichtig: eine Zufluchtsstätte“, erzählte die USA-Besucherin. „In vielen Briefen von Maria Anna Lickteig und Maria Anna Schneider konnte ich lesen, dass sie die katholische Kirche und die Gastwirtschaft aufsuchten“, berichtete Lynn Marie Lickteig. Die Amerikanerin, die eigens wegen ihrer Ahnenforschung Deutsch lernt, betonte, dass ihre Ur-Großtante Maria Anna Lickteig Germann kein Mitglied der Betjörg-Gesellschaft gewesen sei.

Rosenberg-Delegation 2017 kennengelernt

Die Gäste aus Übersee wurden von Steffen Dully (mit Sohn Leon) und seinem Vater Helmut Dully nach Merzalben geführt. Diakon Steffen Dully wirkte viele Jahre auf Maria Rosenberg, also dem Ursprungsort der Betjörg-Gemeinschaft um Georg Helfrich. Im Jubiläumsjahr 2012, 100 Jahre nach der Errichtung der Wallfahrtskirche, hatte sich die RHEINPFALZ-Mitarbeiterin auf die Spuren der Betjörg-Gesellschaft in Sankt Benedikt begeben. 2017 besuchte der Direktor von Maria Rosenberg, Volker Sehy, mit seinem Diakon Steffen Dully die Wirkungsstätte von Georg Helfrich und den Helfrich Mädels, die sich in Iowa zum „Third Order Sankt Francis“ (Maria Anna Lickteig, Maria Anna Schneider und Maria Anna Becker) zusammengeschlossen hatten.

Auch sie begaben sich auf die Spuren des Förderers des Wallfahrtsortes von Maria Rosenberg. So war Lynn Marie Lickteig in Kontakt mit den Rosenberg-Vertretern gekommen. Das war auch der Auslöser für die Amerikanerin, sich ihrerseits auf die deutschen Spuren ihrer Verwandten zu begeben. Diese Spuren führten sie jetzt nach Merzalben.

Überwältigt von der kleinen Kirche

Ebenfalls ein Sohn der Gemeinde, Pfarrer Mathias Köller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bistumsarchiv in Speyer, fand sich zum Treffen in Merzalben ein. Köller hatte sein fundiertes Wissen aus seinen Nachforschungen zur Familie Michael Johann Germann und Anna Maria Germann Lickteig mitgebracht. Nach einem informativen Gang über den Friedhof führte der Weg in die Kirche Sankt Peter und Paul (ehemals 1360 Heilig-Kreuz-Kirche; 1769 umgebaut und den Aposteln gewidmet).

Ein absoluter Höhepunkt, wie die kleine Gruppe zunächst dachte. Die Besucherin aus Amerika war überwältigt vom Charme des kleinen Gotteshauses, in dem sowohl ihre Ur-Großtante wie auch ihre Verwandtschaft Aufnahme und Zuflucht fanden. „Ruhe, Frieden und die Möglichkeit, dem Sinn ihres Lebens, dem Beten, nachzugehen, fanden sie hier“, stellte sie tief beeindruckt fest. Dass sie einige Dankeskerzen an der Mutter Gottes anzünden konnte, freute sie besonders. Tiefe Dankbarkeit spüre sie in ihrem Innern, sagte sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Überraschung am ehemaligen Wirtshaus

Eine große Überraschung gab es bei der nächsten Stippvisite: der ehemaligen Zufluchtsstätte, dem Hof von Michael Johann Germann mit dem ehemaligen Wirtshaus „Zum grünen Baum“. Köller erklärte detailliert die Historie des (mittlerweile renovierten) Gebäudes. Und plötzlich öffnete sich die Haustür und die Besitzerin mit Lebenspartner begrüßte überrascht die Hausbeschauer. Was niemand erwartet hatte, sie holten ein sehr altes Foto heraus, dessen Abbildung noch den ursprünglichen Zustand des großen Anwesens zeigte. Das war eine riesige Freude für Lynn Marie Lickteig, die ungläubig immer wieder das Bild betrachtete und ablichtete. „Das ist eine Fügung. Nun schließt sich hier der Kreis endgültig“, meinte sie sichtlich bewegt. Zufrieden über die erfolgreiche Spurensuche, schloss die kleine Delegation ihre Erkundungen ab.

In diesem Gebäude lebten früher die Verwandten von Lynn Marie Lickteig, es war das ehemalige Wirtshaus „Zum grünen Baum“. Hier s
In diesem Gebäude lebten früher die Verwandten von Lynn Marie Lickteig, es war das ehemalige Wirtshaus »Zum grünen Baum«. Hier stehen (von links) Kevin S. Benjamin, Steffen Dully, Helmut Dully, Lynn Marie Lickteig (mit Foto des Anwesens) und Pfarrer Mathias Köller.
Der Germann-Hof vermutlich um das Jahr 1900.
Der Germann-Hof vermutlich um das Jahr 1900.
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