Merzalben / Leimen Als zwischen Merzalben und Leimen der Karlsmüller arbeitete
Wer die Landstraße zwischen Merzalben und Leimen befährt, passiert die historische Stätte der früheren Getreidemühle. Zu Zeiten der Postkutsche nahm der Postillon von hier aus den steilen Weg nach Leimen. Die Karlsmühle war für die Bürger beider Orte existenziell: Dort ließen die Bauern ihr Getreide mahlen.
Der für den Mühlenantrieb nötige Wasserdruck entstand durch das Anstauen des Schamborner Bachs. Der kleine angestaute Karlswoog liegt bis heute ruhig und idyllisch am ursprünglichen Standort. Der Angelsportverein Rodalben bewirtschaftet den Weiher mit Fischbesatz, der landläufig Karlsmühle genannt wird.
Historische Dokumente
Die Karlsmühle ist bereits im Jahr 1869 abgerissen worden. Ein später gesetzter Gedenkstein an die historische Stätte soll beim Bau eines nahe gelegenen Weges zerkleinert und als Füllmaterial verwendet worden sein. Der Weiher blieb erhalten und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Treffpunkt „Merzalwer Schwimmbad“ für die Dorfjugend aus Leimen und Merzalben.
Der Bau der Karlsmühle verband beide Gemeinden. Die Geschichte hat Lorenz Kampfmann in vier Berichten über „Die Schicksale der Merzalber und Karlsmühle“ in der Pirmasenser Zeitung dokumentiert, erschienen am 9., 10., 12, und 14. August 1940. Chronisten bedienen sich dieses umfangreichen Materials. Franz Josef Müller hält in „850 Jahre Leimen, 1152-2002; die Geschichte einer Gemeinde im Pfälzerwald“ fest: „Die im Landesarchiv Speyer verwahrten Mühlenakten lassen eindeutig erkennen, dass die Karlsmühle in der Gemarkung Leimen und nicht in der Gemarkung Merzalben errichtet wurde.“
Es findet sich zuerst kein Müller
Bereits im Jahr 1786, zwei Jahre vor dem Abriss der Merzalber Dorfmühle, initiierte Oberforstamtmann Carl Freiherr von Geußau den Bau einer neuen Mühle. Sie entstand dort, wo der kleine Schamborner Bach in den großen mündet. Das benötigte Wiesengelände kauften die Leimener Anton Geib und Jacob Balther Anstett, berichtet Chronist Stephan Neuberger. Zu Ehren des Markgrafen Karl Friedrich von Baden erhielt die Mühle den Namen „Carls Mühle“. Der Standort wurde so gewählt, dass Bürger beider Gemeinden gute Zuwege hatten und die Anlieferung von Getreide für keinen zu weit und zu beschwerlich war.
Die Besetzung der neuen Mühle gestaltete sich zunächst schwierig: Es fand sich kein Müller. Der Initiator, Oberforstmeister von Geußau, informierte darüber die zuständige badische Markgrafschaft. Deshalb sei ein Bürger von Leimen, Johann Jakob Jäger, gegen den wöchentlichen Lohn von zwei Gulden „darauf getan, dass derselbe mahlen und den Malter der gnädigsten Herrschaft verrechnen solle“. Aber die Untertanen von Merzalben und Leimen „hätten nur zum geringsten Teil noch eigenes Korn“. Er bat deshalb, dass „von dem herrschaftlichen Fruchtspeicher zu Rodalben 80 bis 90 Malten Korn um den Preis von fünf Gulden per Malter zum Vermahlen auf der neuerbauten herrschaftlichen Carls Mühle für die Untertanen zu Merzalben und Leimen abgegeben werde“ – und zwar gegen Bezahlung, ist den Chroniken zu entnehmen.
Welche Auflagen für den Müller galten
Dem nachfolgenden Müllermeister Johannes Weinmann wurden Rechte und Pflichten als Lehensmüller im „Lehnungs-Accord“ festgeschrieben. Er hatte jährlich 100 Gulden Bestandzins zu zahlen und dafür eine Kaution oder einen Bürgen aus dem hiesigen Amt zu stellen. Zudem musste er sieben Malter Korn, fünf Gulden für ein fettes Schwein und zwei Gulden, zwei Kreuzer für sieben Kappen (Masthähne) liefern. Das Halten von Schafen und Geißen war ihm unter Androhung hoher Strafen untersagt. Auch durfte er keine fremden Leute aufnehmen, die keine Erlaubnis hatten, sich im hiesigen Amt aufzuhalten.
Am 23. November 1787 führte schneller Schneewasserabgang zu einem Dammbruch am „Apfelbaumen Teich“. Am 6. Mai 1789 gab es nach einem schweren Wolkenbruch einen weiteren Bruch. Das brachte den Müller in arge finanzielle Not. Er bat um „um Erlass seiner Schuldigkeit“ und schloss seinen Brief unterwürfig: „...getröste mich gnädigster Willfahr meiner untertänigsten Bitte und erstrebe in tiefester Erniedrigung Euer hochfürstlichen Durchlaucht untertänigster Knecht Johannes Weinmann“.
Die Herrschaft hatte ein Einsehen und gewährte ihm am 1. Juli 1789 einen Teilerlass der rückständigen Mühlengült. Nach der Franzosenzeit ging die Mühle in den Besitz seines Sohnes Jakob Weinmann über.
Eine Anekdote: Betrunken auf dem Pferd geschlafen
Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm im August 1839 Christian Karl Theobald die Mühle und zahlte Vater und Geschwister mit 4000 Gulden aus. Neuberger berichtet, Theobald sei der letzte Karlsmüller gewesen und „kein Kind von Traurigkeit“. Er sei abends gern nach Merzalben ins Wirtshaus geritten, sein Pferd habe den halbstündigen Rückweg gekannt, sodass Theobald betrunken auf dem Pferd schlafen konnte. Als Lockmittel habe der Müller vor dem Aufbruch eine Rübe hinter die Futterkrippe gesteckt. Deshalb habe das Pferd nachts schnell zurück in den Stall gewollt.
Christian Karl Theobald verstarb am 26. August 1864. Seine Witwe Katharina Theobald wurde Besitzerin der Karlsmühle und verkaufte das Anwesen mit Grundbesitz am 19. Mai 1869 für 7200 Gulden an den bayerischen Staat. Auf Weisung der pfälzischen Forstkammer wurden die Gebäude abgebrochen und die Äcker aufgeforstet. Der Karlswoog, der heutige „Karlsmühl-Weiher“, blieb bestehen.
Schon vorher gab es Mühlen in Merzalben
Die erste Merzalber Dorfmühle ist im Lagerbuch von 1581 erwähnt. Sie musste 1670 neu erbaut werden. Im Mühlenvertrag mit vier Leimener Familien werden die ältesten Merzalber Namen Reeber und Germann genannt, informiert Pfarrer Mathias Köller, ein ehemaliger Merzalber und Archivar des Bistums Speyer. Die Mühle stand in der Mitte des heutigen Ortes, etwa bei der ehemaligen Tankstelle in der Hauptstraße. Der südliche Bereich gegenüber der Merzalb wurde „Mühlfeld“ genannt.
Um 1780 wurde die Dorfmühle außer Betrieb genommen. Grund waren der Gradstich der Merzalb und die Hemmungen, die der Mühlenbetrieb für das Flößen größerer Hölzer mit sich brachte. Das Mühlenwerk wurde verkauft, das Gebäude versteigert. In der Ortschronik „750 Jahre Gräfensteiner Land 1237-1987; Geschichte der Gemeinde Merzalben“ schreibt Stephan Neuberger: An die alte Merzalber Mühle erinnert noch die Flurbezeichnung Mühlfeld. An den Damm zwischen den beiden Mühlweihern erinnert die Bezeichnung ,Weiherdamm’ (erbaut 1860-1868). Es ist der bis heute bestehende Übergang der Straße über die Merzalb am Ortsausgang in Richtung Leimen. Nach dem Abriss wurden beide Mühlenweiher mit Erdmassen der Dämme verfüllt, Wiesen angelegt und verpachtet.
