Merzalben / Leimen Ältere Bürger berichten von Erlebnissen am Karlswoog
Im Karlswoog, von vielen „die Karlsmühl“ genannt, leben heute Fische des Rodalber Angelsportvereins. Das war nicht immer so: Der kleine, aufgestaute Weiher blieb nach dem Abbruch der Karlsmühle bestehen. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum Treffpunkt der Dorfjugend aus Leimen und Merzalben.
Gertrud Kuhn erinnert sich: „Im Sommer war immer etwas los. Manche lernten dort schwimmen; die nicht schwimmen konnten, liefen am Böschungsrand mit den Füßen im Wasser zum Abkühlen entlang.“ Für Manfred Müller und seine Freunde war „die Karlsmühl“ das Merzalber Schwimmbad. Berichtet wird auch von „so manchem Techtelmechtel“. „Picknick“ kannte man zwar nicht, doch alte Teppiche und hausgemachte Obstsäfte in Flaschen werteten das Bade- und Liegevergnügen auf, erzählen ältere Bürger.
Abwasser stört niemanden
Für Karl Germann, mit 95 Jahren einer der Ältesten in Merzalben, war der Weiher an Sommersonntagen ebenfalls die einzige Möglichkeit, sich zu treffen und Spaß zu haben: „Es gab ja sonst nichts. Leimer und Merzalber Jugend fand sich hier zusammen. Keiner achtete auf die Sauberkeit des Wassers. In Leimen gab es noch keine Kanalisation und so lief das Abwasser letztendlich in den Schamborn und in die Karlsmühl.“ Doch das habe niemanden gestört.
Ein Erlebnis blieb Germann besonders im Gedächtnis: Beim Baden bemerkte er unter Wasser etwas Glänzendes. „Ich zog und zog. Dann hatte ich eine eiserne Kette in der Hand, die immer schwerer wurde und mich ins Wasser zog. Da habe ich sie wieder in die Karlsmühl geworfen“, sagt der rüstige Senior. Er habe sich erkundigt und erfahren, dass viele nicht mehr benötigte Soldatenausrüstungen in der Karlsmühl entsorgt wurden. „Da liegen die wohl noch bis heute drin.“
Als ein Kinderwagen fast im Weiher landete
Er erinnert sich außerdem an den Besuch der Ehefrau des damaligen Forstamtsleiters. Sie stellte ihren Kinderwagen ab und ging vollständig bekleidet zum Schwimmen ins Wasser – Badeanzüge für Frauen waren im Dorf nicht bekannt. Der Wagen rollte Richtung Weiher, ein Merzalber sprang dazwischen und stoppte die „Kinnerschees“. Die Frau stieg aus dem Wasser, schnappte den Wagen und lief in nassen Kleidern zurück in Richtung Dorf.
