Kleinfischlingen
Weingut Ellermann-Spiegel mit neuer Bühne für Wermut und Weine
Es ist wieder typisch: Frank Spiegel stellt bei der jüngsten Weinverkostung in Landau Produkte aus seinem Hause vor, und schon kommen am darauffolgenden Tag Gäste, die auf den Geschmack gekommen sind, zum Weingut nach Kleinfischlingen, um die eine oder mehrere Kisten zu kaufen. Den gleichen Effekt gibt es, wenn Weine und Sekte eine Auszeichnung erhalten.
Dieses Mal aber wandert ein anderes Erzeugnis mit in den Kofferraum, das den Kunden gemundet hat, sonst aber im Vergleich zu den Weinen ein Nischendasein führt: Wermut. Frank Spiegel kann es sich erklären: Hierzulande mangele es an einer Aperitif-Kultur. Anders sei es in Spanien, wo sich Bars auf Wermut spezialisiert haben. Oder in Italien, wo der Aperitivo ein Sinnbild für Genuss ist, ebenso in Frankreich.
Markenname soll im Gedächtnis bleiben
In der Pfalz gibt es immerhin Betriebe, die Wermut herstellen und vertreiben. Dafür bekannt ist zum Beispiel Stefan Dorst, der eine Weinhandlung am kleinen Platz in Landau führt. Frank Spiegel kam vor einigen Jahren auf die Idee, mit einem aus Spanien stammenden Weinhändler aus dem Raum Köln-Bonn einen eigenen Wermut auf den Markt zu bringen.
Frank Spiegel ist einer von fünf Gesellschaftern, die hinter Werner Wermut stecken, so der Markenname des Erzeugnisses, der wegen der Alliteration so gewählt wurde. So bleibe er eher im Gedächtnis. Und in der GmbH ist Spiegel derjenige, der für den Inhalt sorgt. Je nachdem, welche Rebsorte er als Grundlage nimmt, schmeckt der Wermut anders: Spiegel bedient sich da entweder dem Riesling oder Pinot Noir, also Spätburgunder. Neben dem Wermutkraut werden unter anderem Trockenfrüchte und Gewürze verwendet, um den aromatisierten Wein herzustellen, der einen Alkoholgehalt bis zu 20 Prozent haben kann. So schnell ist das Getränk nicht hergestellt.
Neue Vinothek entsteht
Da wurde nicht nur etwas länger herumexperimentiert, bis man zu dem gewünschten Geschmackserlebnis kam. Der Arbeitsplatz, der eingerichtet wurde, muss auch strikt getrennt sein von dem Ort, wo das Weingut Ellermann-Spiegel seine Weine herstellt. Es musste in eine eigene Technik investiert werden, etwa in eine Filteranlage und Schläuche, um ja keine Spuren im Wein zu hinterlassen.
Bislang gebe es eine Gastro im Kreis SÜW, die Werner Wermut auf der Karte habe, und das ist die Weinstube Brennofen in Impflingen. Über den Daumen gingen unter 10.000 Flaschen über die Direktvermarktung, so Spiegel, sodass die Wermut-Schiene nahe an der Liebhaberei sei. Wobei es auch andere Plattformen gibt, entwickelt wurde ein eigener Online-Shop. Frank Spiegel hat zudem ein neues Plätzchen für das Sortiment im Blick, und zwar in der neuen Vinothek, die derzeit an der Betriebsstätte entsteht.
Wie es zum Standortwechsel kommt
Womöglich ab dem Spätsommer soll der Verkauf an dem neuen Standort abgewickelt werden, der sich im Außenbereich, östlich der Gemeinde Kleinfischlingen befindet. Die Produktion wurde bereits dorthin verlagert, zwei Jahrgänge wurden dort hergestellt und abgefüllt.
2008 stieg das Weingut auf die Flaschenweinproduktion um. Mit der Zeit ist der Betrieb gewachsen, man bewirtschaftet inzwischen 50 Hektar große Rebflächen. Am bisherigen Betriebssitz im Ortskern wurde es zu eng, was für Frank Spiegel ein Grund für die Aussiedlung war. Am neuen Domizil wird man eher gesehen, zumal sich dort neue Möglichkeiten ergeben. Firmen, die für eine Veranstaltung zusammenkommen, können zum Beispiel das Kaminzimmer nutzen, von wo man einen Blick auf den Pfälzerwald und die Weinberge hat.
Auch werden Kosten gespart, etwa in puncto Energie. Dank der PV-Anlage auf dem Dach kann man die zahlreichen Weintanks herunterkühlen, ohne einen Cent für die Kilowattstunde Strom zahlen zu müssen. Und im Fassweinlager herrschen andere Raumbedingungen, weshalb auch der Verdunstungsgrad deutlich geringer ist. Bei 600 Fässer kam mit der Zeit eine große Menge zusammen.
Den Standortwechsel, der durch den Kauf des Grundstücks im Jahr 2018 eingeleitet wurde, hat sich das Weingut aber auch etwas kosten lassen. Es ist am Ende eine zweistellige Millionensumme aufgewendet worden. Das sei es wert und zeichne seinen Berufsstand aus. Winzer würden das, was sie einnehmen, gerne in den Betrieb investieren, statt sich einen teureren Urlaub oder ein Ferienhaus zu leisten.
Das Bauprojekt sei auch wegen der Holzverkleidung der Halle und der Dachgestaltung, die der hügeligen Landschaft nachempfunden ist, teurer geworden. Günstiger wäre es gewesen, wenn eine Stahlkonstruktion genommen worden wäre. Doch man wollte etwas Bleibendes schaffen, davon abgesehen, dass dadurch eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen worden sei, so Frank Spiegel.

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