Rohrbach
Wasser-Krise in Pfälzer Dorf: Bürgermeister kontert Bürger-Kritik
Bei Andreas Schneider hat sich viel Frust angestaut. Die vergangenen Tage waren belastend für ihn, seine Familie – für das ganze Dorf. Wegen einer defekten Pumpe war die Wasserversorgung am Wochenende in Rohrbach flächendeckend ausgefallen. Man saß anderthalb Tage auf dem Trockenen. Schneider hatte wie manch anderer immerhin das Glück, am Wochenende mit Frau und Kind bei Freunden im Nachbarort untergekommen zu sein. Dort konnten sie duschen und sich etwas kochen.
Es ist nicht die Störung, die Schneider irritiert, eigentlich verärgert, sondern die Art und Weise, wie die Krise bewältigt und an die Bevölkerung kommuniziert wurde. „Das ist noch ein verhältnismäßiges kleines Problem. Da möchte ich nicht wissen, wie man damit umgeht, wenn mal eine größere Katastrophe kommt“, sagt Schneider.
Schneider: „Nicht nur Social Media“
Die Verbandsgemeinde Herxheim beziehungsweise deren Werke hätten zwar regelmäßig den aktuellen Stand wiedergegeben, aber vor allem im Internet, etwa über die sozialen Netzwerke. Also über Kanäle, über die man zwar schnell viele Menschen erreichen könne, die aber nicht alle Bürger nutzen würden. Ein Flyer sollte im Ort verteilt werden, habe er gehört, doch den habe er nicht bekommen. Die Durchsage der Feuerwehr habe er erst am Sonntag gehört.
Über den Rundfunk und die Presse sei über das Problem in Rohrbach informiert worden, die Meldungen habe er mitbekommen, so Schneider. Allerdings seien dann nur die Infos der Kommune wiedergegeben worden, ohne Hintergründe zu liefern, wie lange dieser Zustand denn dauern solle und was genau Sache sei. „Stattdessen wurden wir immer wieder vertröstet.“
Bürger: „Mit Zeitangaben vorsichtiger sein“
Es wurden Zeitpunkte genannt, in einem Fall sogar eine genaue Uhrzeit, ab dann das Wasser wieder laufen sollte. Die Erwartungshaltung von Schneider stieg, nur um dann wiederholt enttäuscht zu werden. „Mit Zeitangaben sollte man vorsichtiger sein“, betont er. Wenn von vornherein klar ist, dass das eine längere Geschichte wird mit der Reparatur, hätte eine Nachricht genügt, in der genau das kommuniziert worden wäre, und zwar, dass die Einschränkungen für einen längeren Zeitraum gelten werde.
Dadurch hätte man sich keine falschen Hoffnungen gemacht. Das hätten auch andere Bürger so gesehen, die in Gesprächen und Whatsapp-Unterhaltungen meinten, mit der „Märchenstunde“ solle Schluss sein, so Schneider. Wobei die Wünsche unterschiedlich waren. Denn wie sich zeigt, gab es Anwohner, die wollten, dass ihnen Wasser bis an die Haustür geliefert wird. Dabei verteilte das Rote Kreuz am Sonntag am Dorfgemeinschaftshaus Wasser. Andere hatten nach Informationen der RHEINPFALZ die Hoffnung, dass ihnen die Wäsche gewaschen wird.
Bürgermeister: Das war der Knackpunkt
Wer sich die Benachrichtigungen auf der Webseite der Verbandsgemeinde Herxheim durchliest, wird in der Tat sehen, dass es hinsichtlich der Wasserversorgung stets neue Zeitangaben gab. Erst sollte diese bis Samstagabend vollständig wieder hergestellt sein, dann wurden die späten Abendstunden angestrebt, anschließend hieß es Mitternacht – die Reparaturen verzögerten sich, die Situation entspannte sich erst am Sonntagabend.
Da folgt aber das große Aber von Verbandsbürgermeister Christian Sommer (FWG), das auch in den Meldungen mitgeteilt worden sei. Das Problem wäre schneller behoben gewesen und die Zeiten eingehalten worden, wenn die Ersatzpumpe nicht kaputt gewesen wäre, so Sommer. Erst nach der Inbetriebnahme stellte sich heraus, dass auch diese defekt sei. Das war der Knackpunkt an der Sache.
50 Anrufe beim Servicetelefon
Hinzu kommt ein weiterer, nicht unerheblicher Aspekt. Dass bei der Wasserversorgung ein komplettes Leitungsnetz ausfällt und wieder hochgefahren werden muss, sei ungewöhnlich und weder in Rohrbach noch in der Umgebung je der Fall gewesen, so Sommer. Man wusste zwar, was man zu tun hatte. Doch was die zeitliche Dimension betrifft, fehlte es eben an Erfahrungswerten. „Es ist nicht wie bei einem Stromnetz, bei dem man was anschließt und direkt Energie hat“, betont der Bürgermeister. Es musste mit Feingefühl an die Sache rangegangen werden, damit das Wasser wieder aus dem Hahn kommt. Man musste schrittweise den Druck auf das Leitungsnetz erhöhen, dieses parallel an diversen Stellen entlüften. Es dauerte somit ein paar Stunden, bis es bei allen funktionierte. So würde man es heute an die Haushalte kommunizieren, wenn der Fall erneut auftreten würde. Das wusste man aber vorher nicht, so Sommer.
Der Verwaltungschef hält die Kritik von Schneider und anderen Bürgern für ungerechtfertigt. Es sei nicht einmal eine Handvoll Leute, die sich beschwert hätten. Auch weil man für Fragen stets erreichbar gewesen sei. Geschätzt 50 Menschen hätten zumindest dieses Angebot angenommen und über die Verwaltung klären können, ob sie zum Beispiel das Wasser für die Spülmaschine nutzen können. Seit Dienstagabend ist genau das möglich. Auch zum Duschen kann das Wasser, das aus dem Hahn kommt, genutzt werden. In der Küche, beim Waschen von Salaten, Obst und Gemüse und vor dem Zähneputzen muss es dagegen vorher abgekocht werden. Das Wasser ist nämlich gechlort. Die Einschränkungen werden aufgehoben, wenn es den chemischen Werten der Trinkwasserverordnung entspricht. Die gesetzlich vorgeschriebene Beprobung dauere bis zu 72 Stunden, ist vom Gesundheitsamt zu hören.
Sommer: „Viel Solidarität“
Was Christian Sommer hervorheben möchte, sind die Solidaritätsbekundungen, die es gab. Mitarbeiter der Verbandsgemeindewerke Landau-Land und von Energie Südwest seien zur Hilfe herbeigeeilt. Bürger hätten sich bei den Mitarbeitern für ihren Einsatz bedankt, weil sie diese mit Essen versorgten. Andere kochten mit dem vom DRK ausgegebenen Wasser Kaffee für die Truppe, die „in dem Dreck und bei der Kälte“ an dem Pumpsystem tätig war. Für Freitag habe der Sportverein alle Helfer zum Hähnchenessen eingeladen. Am Wochenende waren die Dorfgemeinschaftshäuser in Insheim und Herxheim geöffnet, um Menschen aus Rorhbach das Duschen zu ermöglichen. Für Sommer sind das schöne Gesten und Angebote, die zeigen, wie man in der Not zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen kann.
