Offenbach VG-Chef Wassyl: „Die AfD wäre unser Untergang“
Herr Wassyl, Sie als Orts- und Verbandsbürgermeister dürften doch Bescheid gewusst haben, dass die AfD in Ihrem Ort ein Schulungszentrum hat?
Nein, das war mir nicht bekannt. Aber nicht nur mir, sondern auch allen meinen Kontakten, die ich nach dem Erscheinen des Artikels in der RHEINPFALZ darauf ansprach. Ich selbst habe lediglich gewusst, dass der AfD-Bundestagsabgeordnete Bernd Schattner sein Büro dort hat. Meines Wissens deshalb, weil er familiäre Verbindungen im Ort hat, er lebt ja nicht hier. Ihn persönlich kenne ich nicht, auch bin ich ihm wissentlich noch nie begegnet.
Wurden Sie denn von anderen darauf angesprochen?
Nein, es gab bislang null Resonanz. Auch bei den Neujahrsempfängen in unserer Verbandsgemeinde war das zu keinem Zeitpunkt Thema. Ich glaube auch, dass der Großteil der Bevölkerung bisher ahnungslos war.
Was wissen Sie denn über die Immobilie?
Der Bau war einst der Sitz einer Firma, die unter anderem für Akustikdeckenbau bekannt war. Später ging es oder Teile davon in den Besitz einer Spedition aus der Region über. Welche Teile des Gebäudes der AfD überlassen wurden, ob und von wem diese vermietet sind oder nicht, ist mir nicht bekannt.
Wenn Ihnen das AfD-Schulungszentrum nicht bekannt war, wie waren dann Ihre Gedanken, als Sie in der RHEINPFALZ davon erfuhren?
Ich war überrascht, weil die AfD weder in Offenbach noch in unserer Verbandsgemeinde existent ist. Gleichzeitig war ich schockiert, weil ich es bei anderen Parteien sicherlich gewusst hätte. Auch deshalb, weil ich oder andere Kommunalpolitiker möglicherweise bei passender Gelegenheit eingeladen worden wären. Da das nicht geschehen ist, zeigt, welch konspirative Züge das Ganze hat.
Bereitet Ihnen das Sorge, dass die AfD in Ihrem Ort Mandatsträger fit für die Kommunalpolitik macht?
Nicht unbedingt, weil die AfD gerade bei jenen Bürgern die Stimmen bekommt, die aufgrund der politischen oder wirtschaftlichen Situation unzufrieden sind. Uns an der Südlichen Weinstraße, gerade in unserer Verbandsgemeinde Offenbach, geht es aber gut. Unsere Steuerkraft ist so hoch wie nie. Außerdem gibt es bei uns die gesellschaftlichen Strukturen, die dafür sorgen, dass aufeinander geschaut und sich gekümmert wird.
Nur zeigen die Umfragewerte, dass die AfD bei den anstehenden Wahlen mit einem höheren Zulauf rechnen kann als bei den vergangenen.
Ich bin überzeugt, dass die AfD bei den Landtagswahlen im Osten Deutschlands in die Regierungsverantwortung kommen wird. Unsere Bundesregierung macht nicht alles falsch, oft mangelt es an der richtigen Kommunikation. Sie gibt insgesamt kein starkes Bild ab, was der AfD eben Zulauf beschert. Gerade in den jungen Bundesländern könnte sie stärkste Kraft werden. Spätestens dann allerdings wird sich zeigen, dass die AfD keine Alternative für Deutschland ist, sondern unser Untergang. Das beweist alleine schon das Geheimtreffen von AfD-Mitgliedern und Rechtsradikalen bei Potsdam, wenn dort von Remigration die Rede war.
Wie kommen Sie zu Ihrer Einschätzung?
Ich glaube, dass nur die wenigsten das Parteiprogramm der AfD kennen. Die Inhalte sind fragwürdig. Und sie werden gar nicht die Fähigkeit haben, zu regieren, weil sie keine Ideen entwickeln, sondern nur dagegen sind. Es ist aber noch mehr als ein Jahr Zeit bis zur nächsten Bundestagswahl. Vielleicht versteht bis dahin ein Teil ihrer Wählerschaft, dass durch die AfD nichts besser werden wird, ganz im Gegenteil.
Wie werden Sie der AfD begegnen?
Ich werde ihr die Beachtung schenken, die sie verdient hat, nämlich gar keine.
Wird man Sie bei den Kundgebungen sehen, zu denen wegen der Remigrationspläne der AfD aufgerufen werden?
Auch wenn ich der AfD eigentlich keine Beachtung schenken möchte, unterstütze ich die Kundgebungen. Die Deportationspläne der AfD zeigen was wahre Gesicht dieser Partei und sind berechtigter Anlass, die Bevölkerung wachzurütteln, bevor aus dem dauernden Zündeln ein Flächenbrand entsteht.