Landau / SÜW
Unangekündigte Tests an Schulen polarisieren
Laura Oerther ist im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern so weit gekommen, wie es überhaupt möglich ist. Sie ist im Gymnasium in der 13. Klasse, steht also kurz vor dem Abitur. Die Klausuren, die noch kommen, sind das eine, Tests das andere. Da kommt es ihr gelegen, dass sie sich zumindest auf jene Prüfungen besser vorbereiten kann, die in der Schülerschaft stets unbeliebt waren: die Hausaufgabenüberprüfungen, kurz HÜs genannt. Diese konnten Lehrer bislang unangekündigt schreiben lassen.
Nicht nur der 18-Jährigen, sondern allen Schülern im Land soll diese Wissensabfrage erspart bleiben. Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber hatte diese Neuerung zum Schuljahresbeginn kundgetan, um dadurch für eine entspanntere Lernkultur an Gymnasien, Realschulen und Co. zu sorgen. Der SPD-Mann begründet den Schritt mit den Ergebnissen des Schulbarometers: Immer mehr Kinder und Jugendliche verbinden Schule mit Stress und Unwohlsein. Ist das wirklich so, geht wegen dieser Tests die Angst in den Schulen um?
In gewisser Weise schon, sagt Andreas Klindtwort, Schülersprecher im Edenkobener Gymnasium. Dadurch sei zumindest der Druck größer gewesen, bei den Hausaufgaben und im Unterricht so aufmerksam zu sein, um auch bei unerwarteten Tests gut abschneiden zu können. Nun könne man sich die Zeit, die man mit den Hausaufgaben verbringt, besser einteilen, ist der 16-Jährige überzeugt.
Schülerin: „Weniger Stressmomente“
Klar, die Schüler freut es, sowohl Oerther als auch ihre Schulkameraden, mit denen sie aufgrund ihres Engagements als Schülersprecherin stärker vernetzt ist als andere. „Die Nachricht ist super, weil es nun weniger Stresssituationen geben wird“, betont die Oberstufenschülerin. Man müsste keine Angst mehr davor haben, eine schlechtere Note im Zeugnis zu riskieren, wenn sie bei einer HÜ mal unvorbereitet sein sollten. Oder eben einen schlechten Tag hätten, „abwesend seien“, wie es Oerther ausdrückt.
Wie sehen es die Schulleiter?
Genau deshalb haben Lehrer wie Dagmar Linnert von unangekündigten HÜs abgesehen. Die Leiterin des Landauer Eduard-Spranger-Gymnasiums (ESG) weiß noch, wie unangenehm es für sie selbst als Kind war, unvorbereitet in solcheunangenehmen Situationen gebracht zu werden. In ihren Fächern – in Mathematik, Chemie und Informatik – hat sie daher durch unangekündigte HÜs erzeugte Stressmomente für Schüler vermieden.
Berufskollege Philipp Jähne vom Gymnasium Edenkoben hat es ähnlich gehandhabt. „Ein Sportler trainiert ja auch für ein bestimmtes Ziel, er bereitet sich auf Wettkämpfe vor, die terminiert sind“, sagt der Schulleiter. Dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr, unterrichtet er doch selbst Sport. In seinem anderen Fach, Englisch, seien die Zeitpunkte der Vokabeltests bekannt, sie seien stets am Ende der jeweiligen Einheit. Der Vorteil: Es liege an den Schülern, wie und wann sie sich den neuen Wortschatz aneignen. Nur wer kontinuierlich Vokabeln lerne, schneide wohl besser ab.
Lehrer sind gespalten
Weil es nicht vorgeschrieben war, sondern an den Lehrkräften lag, ob sie Tests ohne Ankündigung in der Klasse schreiben lassen, war für Schüler irritierend, meint Laura Oerther. Auch weil manche Lehrer es nicht so streng sahen. „Manche haben es schon angedeutet, dass es in der nächsten Stunde eine HÜ geben könnte, in anderen Fällen aber kamen sie total unerwartet“, erzählt die Schülersprecherin. Manchmal sei es der Klasse so vorgekommen, als ob der Lehrer ihr nur einen Denkzettel verpassen wollte.
Während die Nachricht von Teuber bei Schülern Jubelschreie auslöst, fallen in den Lehrerzimmern die Reaktionen unterschiedlich aus. Das können Linnert und Jähne bestätigen. Denn in ihren Reihen gebe es natürlich auch Kollegen, die auf unangekündigten HÜs gesetzt hätten. Andreas Klindtwort berichtet von einem Lehrer, der die HÜs künftig schwieriger gestalten möchte. Denn wenn die Schüler schon vorbereitet sein dürften, dann sollten die Aufgaben aber auch nicht mehr so leicht zu lösen sein.
Was Schulleiterin Linnert bei dem ganzen Thema stört, ist die Art und Weise, wie die Neuerung kommuniziert wurde. Man sei davon überrascht worden. Dabei hätte man im Vorfeld Fragen klären können, die jetzt offen seien und damit für Verunsicherung sorgten. Etwa, wann eine HÜ als angekündigt gilt: Reicht es, wenn die Schüler online informiert werden? Und wie sieht es mit Tests aus, die nicht benotet werde?
