Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Unangekündigte Tests an Schulen: Ist das HÜ-Ende richtig?

Tests gehören im Schulalltag dazu. Ob auch unangekündigte Prüfungen nötig sind, ist die Frage.
Tests gehören im Schulalltag dazu. Ob auch unangekündigte Prüfungen nötig sind, ist die Frage.

Schüler sollen nicht mehr von Tests überrascht werden. Das gilt im Land seit Montag. Zwei Väter streiten über die Sinnhaftigkeit der Neuerung.

Pro: Abschaffung war überfällig

Von Falk Reimer

Unangekündigte HÜs sind abgeschafft – und das ist gut so. Denn es gibt keinen Grund, warum man sie beibehalten sollte. Wer erinnert sich nicht zurück an die Ängste, die diese Überprüfungen ausgelöst haben? Den Druck, dem man sich irgendwie entziehen wollte?

Denn die unangekündigten Tests wurden meist nur eingesetzt, um die Klasse für unbotmäßiges Verhalten zu bestrafen oder zu sanktionieren. Als Schüler bekam man immer den Eindruck, dass die HÜs eingesetzt wurden, weil der Lehrer der Klasse nun einen „reinwürgen“ wollte. Gute Lehrer hatten Schikane nie nötig. Aber abgesehen von der rein emotionalen Seite gibt es natürlich auch valide Argumente.

Denn: Die Wissenschaft sagt, unangekündigte Tests haben keinen Nutzen. Der Erziehungswissenschaftler Ludwig Haag (Uni Bayreuth) hat bereits 2022 in einer Studie nachgewiesen, dass sich die Noten bei angekündigten und unangekündigten Tests nicht wesentlich unterscheiden – die Noten bei letzteren sind marginal schlechter. Das Fazit von Haag und seinen Kollegen: Leistung und Motivation sinken bei unangekündigten Tests. Aber wem nützt es denn, den Schülern vorsätzlich schlechte Noten reinzuwürgen? Dem Ego des Lehrers?

Ja, regelmäßige kleine Tests unterstützen das Lernen, aber nur, wenn sie angekündigt sind. Denn dann wird auch gelernt. Ansonsten überwiegen die negativen Effekte – und gerade die Auswirkungen auf die Motivation sind über Jahre hinweg in vielen Studien dokumentiert. Was bringt uns das als Gesellschaft, wenn die jungen Leute weniger gerne zur Schule gehen und teils sogar Angst haben? Von daher: Die Entscheidung des Bildungsministers ist absolut richtig und war überfällig.

Contra: HÜs bereiten auf das Leben vor

Von Ali Reza Houshami

Glaubt Sven Teuber allen Ernstes, die Schule zu einer Wohlfühloase zu machen, indem er unangekündigte Tests abschafft? Verbreiten sie wirklich so viel Angst, dass sie Schüler lähmen? Wohl eher nicht. Dem rheinland-pfälzischen Bildungsminister ist ein PR-Coup gelungen – pünktlich zu Schuljahresbeginn. Die Schlagzeilen waren ihm sicher. Mehr nicht.

Teuber betreibt Symbolpolitik. Angekündigte Hausaufgabenüberprüfungen, so die sperrige Bezeichnung der Tests, werden den Schulalltag nicht verändern. Die Lehrer konnten, mussten aber nicht unerwartet Prüfungsblätter zwecks stärkerer Kontrolle verteilen. Indem man ihnen das verbietet, spricht man ihnen die Kompetenz ab, das richtige Werkzeug im Unterricht anzuwenden.

Im März 2026 sind Landtagswahlen. Die Debatte um die HÜs, die losgetreten wurde, kommt gelegen, um im Wahlkampf von den eigentlichen Problemen abzulenken, die es auch an Schulen in Landau und Umgebung gibt: Lehrermangel, Unterrichtsausfall, mangelnde Medienkompetenzen, nur um drei Beispiele zu nennen. Insofern ist es fast schon übergriffig, Lehrern die Möglichkeit zu verbieten, Tests auch mal unerwartet schreiben zu lassen.

Klar, jeder Schüler dieser Welt findet es besser, auf Tests vorbereitet zu sein. Doch ist ein Weckruf nicht auch mal nötig, dass die Kinder bei der Stange bleiben, Hausaufgaben gewissenhaft erledigen und im Unterricht aufpassen? Mehr soll durch die HÜ doch nicht abgefragt werden.

Teubers Vorstoß bei den HÜs hat eine verheerende Signalwirkung an die Jugend. Es entsteht der Eindruck, dass alles geplant sein muss. Überraschungen muss es aber geben, auch wenn sie unangenehm sein sollten. Denn so ist das Leben. Und darauf sollen Kinder auch in der Schule vorbereitet werden.

x