Herxheim
Therapeutisches Reiten: Halle abgerissen
„Es tut wirklich weh“, sagt Manfred Olbrich mit Blick auf die abgerissene Reithalle in der Speyerer Straße. Olbrich ist Vereinsvorsitzender der Aktionsgemeinschaft Therapeutisches Reiten. Seit 30 Jahren fand in der Herxheimer Halle Reittherapie für Kinder und Jugendliche mit Behinderung statt. Binnen weniger Tage machten Bagger diese Vergangenheit nun dem Erdboden gleich. Dem Ende der Halle gingen monatelange Auseinandersetzungen und eine Online-Petition zum Erhalt der Reittherapie voraus, über die die RHEINPFALZ zwischen Mai 2020 und Februar 2021 berichtete. Gerettet werden konnte das Gebäude letztlich nicht.
Was ist passiert? Nach ihrer Gründung organisierte die Aktionsgemeinschaft das reittherapeutische Angebot viele Jahre selbst. Ab 2011 betrieb schließlich die Lebenshilfe Südliche Weinstraße die Reittherapie im Auftrag des Vereins. Mitte 2020 dann der Schock: Die Lebenshilfe-Chefin und damals gleichzeitige Vorsitzende des Reittherapie-Vereins, Marina Hoffmann, beschloss – nach Angaben von Gründungs- und Vorstandsmitglied Manfred Olbrich „im Alleingang“ –, das Therapieangebot zum Jahresende auslaufen zu lassen. Grund dafür war eine Entscheidung des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, auf dessen Grundstück die Reithalle stand. Der Caritasverband kündigte den Pachtvertrag auf, um dort einen Ersatz für sein marodes Förderschulgebäude zu errichten.
Pandemie macht Strich durch die Rechnung
Olbrichs damaliger Vorwurf an die Vorsitzende Hoffmann: schlechte Kommunikation mit dem Vereinsvorstand, dazu die scheinbar kampflose Aufgabe der Reittherapie. Der Frust im Verein war groß. In Folge zog sich die Lebenshilfe aus den Vereinsangelegenheiten zurück, Olbrich selbst bekleidet seitdem das Amt des Vorsitzenden. Im Februar dann eine frohe Botschaft: Die Reittherapie kann mit Unterstützung von Spendengeldern in den Räumen des Renn- und Reitvereins Herxheim fortgeführt werden.
Seitdem ist ein knappes Jahr vergangen. Eigentlich wollte man am neuen Standort bereits im März vergangenen Jahres starten. So einfach wie erhofft war es dann aber nicht. „Durch die Pandemie konnte bisher keine Therapie stattfinden“, erklärt Olbrich. Den vergangenen Sommer hätte der Verein allerdings genutzt, um sich zu sortieren.
Mit Therapeuten im Gespräch
Ein Therapiepferd aus den Ställen des Renn- und Reitvereins stünde bereit, gekauft sei es allerdings noch nicht. „Das Tier lahmt aktuell.“ Sobald es wieder gesund sei, wolle es der Verein kaufen. Daneben habe man auch schon Therapeuten angesprochen, die auch eigene Therapietiere mitbringen könnten. Wie viele Plätze letzten Endes verfügbar sein werden, kann Olbrich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Es sind noch einige Fragen offen, aber spätestens im März oder April wollen wir wieder starten.“
Finanziell wird sich die neue Reittherapie laut Olbrich durch Spenden und Teilnahmekosten tragen. „Ich weiß nicht, wie es zu Zeiten der Lebenshilfe lief. Von davor weiß ich, dass die Patienten einen gewissen Obolus für die Therapiestunden gezahlt haben.“ So wolle es der Verein auch zukünftig handhaben, möglicherweise bezuschusst durch die Krankenkassen.
Spenden für Therapiepferd erhalten
Für Kauf und Unterhalt des vereinseigenen Therapiepferdes liegen beim Schatzmeister der Aktionsgemeinschaft noch immer die Spenden aus dem Vorjahr. Damals hatte unter anderem die Reha Herxheim mit 10.000 Euro zur Rettung der Reittherapie beigetragen. Weitere 1000 Euro hatte Ortsbürgermeisterin Hedi Braun aus ihrem privaten Geldbeutel gespendet, auch lokale Unternehmen steuerten etwas bei.
Trotz vieler Hoffnung für die Zukunft sitzt der Schmerz bei Olbrich tief. „Als Gründungsmitglied habe ich vor vielen Jahren etliche Stunden Arbeit investiert, um die Reithalle möglich zu machen. Jetzt ist das alles weg.“ Die Entscheidungen darüber hätten andere getroffen. Das seien nun aber die Fehler der Vergangenheit.
Wie sich der Caritasverband äußert
Der Caritasverband verteidigt auf Anfrage den nach eigenen Angaben 70.000 Euro teuren Abriss der Halle. „Das Grundstück gehört dem Caritasverband für die Diözese Speyer und deshalb bauen wir dort“, heißt es von einer Sprecherin. Grund dafür sei auch die nachbarschaftliche Nähe zu einem weiteren Schulgebäude des Verbands. Auf dem Grundstück zu bauen, sei eine „folgerichtige Entscheidung“. Die Fertigstellung des Neubaus, in dem die 60 Schülerinnen und Schüler des alten Schulgebäudes untergebracht werden, ist für 2025 geplant.