Südpfalz
Streit um Cornexo-Maismühle: Wie es jetzt weitergeht
Bei Cornexo werden jährlich Zehntausende Tonnen Mais verarbeitet. Die Firma, die die Maismühle in Freimersheim betreibt, will auf ihrem Betriebsgelände schon länger Veränderungen vornehmen. Diese Pläne, gegen die sich eine Bürgerinitiative formiert hat und die sich nach wie vor nicht in der finalen Genehmigungsphase befinden, haben die Freimersheimer umgetrieben. Als der Gemeinderat Ende März 2023 grundsätzlich für die Erweiterungspläne stimmte, war das von massiven Protesten gegen „Monstersilos“ begleitet gewesen. Etwa 100 der rund 1000 Dorfbewohner waren damals in die Sitzung des Gemeinderats gekommen, um die Entscheidung des Rates live mitzuverfolgen.
Expansionspläne erneut im Rat
Am Dienstag werden die Expansionspläne des Unternehmens nun erneut Thema im Freimersheimer Gemeinderat sein. „Wir befinden uns mitten im Verfahren und gehen den nächsten Schritt“, sagt Ortsbürgermeister Thorsten Mees gegenüber der RHEINPFALZ. Zwischenzeitlich konnten die Bürger und die zuständigen Behörden ihre Stellungnahmen zu den Plänen abgeben. In der Sitzung soll nun von den 16 Ratsmitgliedern beschlossen werden, ob das Verfahren mit dem nun überarbeiteten Planentwurf weiter betrieben werden soll.
Es gibt keinen Zeitplan
Der Bürgermeister erklärt, dass die Unterlagen, insbesondere die Stellungnahmen der Bürger und deren Abwägung, vom Rat seit mehreren Wochen intensiv geprüft werden. Fragen und Anregungen würden von der Fachabteilung der Verbandsgemeinde Edenkoben, „mit der ich im gesamten Verfahren sehr eng zusammenarbeite“, und dem zuständigen Fachplaner beantwortet und umgesetzt. Wann die Planungs- und Genehmigungsphase abgeschlossen sein werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.
Sowohl er als auch die Beigeordneten und die Ratsmitglieder stünden im Austausch mit Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI), sagt Mees. Es werde diskutiert, teilweise auch kontrovers, aber letztlich immer an der Sache orientiert. Er habe die große Hoffnung, dass dies auch in der Zukunft so bleiben werde und die nach der Kommunalwahl im Dorf eingekehrte Ruhe weiterhin Bestand habe.
Die BI „Zukunftsblick Freimersheim“ wird angeführt von Alexander Bauer. Sie hat derzeit 34 Mitglieder. Inzwischen, nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr, seien drei Mitglieder der BI im Gemeinderat vertreten, sagt der Vorsitzende. „Der Austausch mit der Gemeinde erfolgt wie gehabt, jedoch ohne erkennbare Bereitschaft zu einem echten Dialog“, findet Bauer. Die Kommunikation laufe ausschließlich über die BI-Mitglieder im Gemeinderat. Ein Austausch mit der Unternehmensführung habe seines Wissens nach nicht stattgefunden.
Cornexo expandiert bereits an anderem Standort
Cornexo-Sprecher Ralf Schneider schildert die Lage aus Sicht des Unternehmens. Das Projekt zur Betriebsmodernisierung sei vor fast drei Jahren angestoßen worden. Es sei damals angedacht gewesen, in zweistelliger Millionenhöhe in den Standort zu investieren. „Das ist eine lange Zeit“, sagt Ralf Schneider. „Durch die erheblichen Änderungen“, die verlangt wurden, sei es zu erheblichen Verzögerungen gekommen.
Die ursprünglich geplante neue Silo-Reihe sei verworfen worden. Durch die Kürzung und Verschlankung des Plans seitens Cornexo sei nur die Erweiterung der direkten Maiserfassung im Westen des Betriebsgeländes übrig geblieben. Ein wesentlicher Punkt sei dabei die Entladung der Lkw im Freien. Die offene Annahmegasse, die heute dem Ort zugewandt sei, werde mit der Erweiterung stillgelegt. Unterm Strich spricht der Firmensprecher von rund zwei Jahren, die Cornexo in Sachen Planung nun schon festhänge. Er betont, dass das Unternehmen nach wie vor nicht abschätzen könne, wann es zum Spatenstich kommen könnte. Es gebe keine verbindliche Zeitplanung.
Auch Mais-Silos sollen noch kommen
Fest stehe hingegen etwas anderes: Cornexo expandiert an anderer Stelle. Im Offenbacher Industriegebiet sei der Bau einer 1500 Quadratmeter großen Produktionshalle bereits in vollem Gange, teilt der Sprecher mit. Der Umzug des Geschäftsbereichs „Glutenfreie Backmischungen“ nach Offenbach sei für die zweite Jahreshälfte 2025 vorgesehen. „Die Genehmigungsphase habe nur wenige Wochen gedauert“, sagt Schneider. In diesen neuen Standort werde ein zweistelliger Millionenbetrag investiert. Es sei auch geplant, dass am neuen Standort Offenbach zu einem späteren Zeitpunkt noch Mais-Silos errichtet werden. Zum Verhältnis mit der BI sagt Schneider: Die Stellungnahmen der Bürgerinitiative seien in die überarbeitete Planung einbezogen worden. Die BI habe sich jedoch mehrfach grundsätzlich gegen jede Erweiterung des Betriebs in Freimersheim ausgesprochen.
Die Mühle in Freimersheim wurde 1189 erstmals urkundlich erwähnt. 1838 wurde sie neu erbaut. Das frühere Wohnhaus und ein Teil des Lagers dient heute als Verwaltungs- und Laborgebäude der Cornexo-Maismühle. Heute gehört sie zur Bindewald-Gutting-Mühlengruppe, die die Mühle 2008 übernommen hat. Es folgte auch die Umbenennung in Cornexo Gmbh. Die beiden Familien aus Rheinland-Pfalz haben eine lange Tradition in diesem Handwerk. Die Familie Bindewald begann ihre Müllerei 1871 in Bischheim (Donnersbergkreis), die Familie Gutting 1923 in Neustadt.