RHEINPFALZ-Sommeraktion RHEINPFALZ Plus Artikel Cornexo-Mühle: Mais, Mais und noch mal Mais

Cornexo-Qualitätsmanager Timo Becker in der Mühle.
Cornexo-Qualitätsmanager Timo Becker in der Mühle.

Bei der Firma Cornexo in Freimersheim wird tonnenweise Mais angeliefert und bearbeitet. Der Mühlenbetrieb hat sich in den vergangenen Jahren in diesem Segment behauptet. 300 regionale Landwirte gehören zum Lieferanten-Netz.

Von Weitem könnte man meinen, es fliegt in den massiven Rohren der Mühle Popcorn umher. Aber es sind Maiskörner. Die Rohre wirken mit etwas Fantasie wie die Arme eines überdimensionierten Kraken, jedoch nicht geschwungen, sondern gerade ausgestreckt in alle Himmelsrichtungen. Im nächsten Moment offenbart sich inmitten der Krakenarme zermahlener Mais. Es ist ein körniges Schauspiel, das hinter den Sichtfenstern der Rohre, die hier und da einen Blick ins Innenleben gewähren, zu beobachten ist.

Davor wurde neben den Augen bereits ein anderes menschliches Sinnesorgan angesprochen: In der Mühle ist es laut, rauschend laut. Ohne Ohrenstöpsel geht es hier drinnen auf Dauer nicht, weshalb die Cornexo-Mitarbeiter mit ebensolchen ausgestattet sind. Wie auch immer, für einige Minuten lässt sich dieses monotone, brummende Geräusch auch so aushalten. Manche RHEINPFALZ-Leser folgen aber prompt dem Hinweis von Cornexo-Qualitätsmanager Timo Becker und halten sich die Ohren zu, wenn es nicht mehr anders geht.

Cornexo-Prokurist Christoph Faßbender (links) und-Qualitätsmanager Timo Becker (rechts) führen die RHEINPFALZ-Leser über das Fir
Cornexo-Prokurist Christoph Faßbender (links) und-Qualitätsmanager Timo Becker (rechts) führen die RHEINPFALZ-Leser über das Firmengelände.

Im Raum davor ist es ruhiger, aber auch sehr warm. Es sind mehrere Monitore zu sehen. Auf ihnen spielt sich das ab, was im Innern der Krakenarme und auch sonst in der Mühle passiert. Ein Müller, der Mehlsäcke durch die Gegend schleppt, läuft einem auch in diesem Teil der Maismühle von Cornexo nicht vor die Linse. Denn wo früher Handarbeit und Mechanik gefragt waren, sind jetzt hoch technisierte Maschinen im Einsatz. Der moderne Müller hat die Bildschirme im Blick, koordiniert die Abläufe, arbeitet die Aufträge der Kunden ab und ist der Herr über die Maschinen.

45 Mitarbeiter

Es war während der Betriebsführung in dem einen oder anderen Kommentar herauszuhören, dass nicht alle RHEINPFALZ-Leser damit gerechnet hatten, wie technisch die Abläufe hinter den Mauern der Freimersheimer Mühle inzwischen sind, wo die Cornexo GmbH seit dem Jahr 2009 nur noch Mais verarbeitet. Laut Geschäftsführer Patrick Bindewald war die Konzentration des Geschäfts auf Maisprodukte ein wichtiger Schritt. Seither wurde stetig in den Betrieb investiert, um Freimersheim als Mühlenstandort weiterzuentwickeln – insgesamt sind in diesen Jahren 42 Millionen Euro in die Erweiterung geflossen. Damit einhergehend war auch eine stetige Steigerung der Produktion. Derzeit sind bei Cornexo 45 Mitarbeiter beschäftigt, zwölf davon aus Freimersheim.

Aus Mais wird Maisgrieß.
Aus Mais wird Maisgrieß.

Zu den Kunden, die die Geschäftsleitung in ihrer Präsentation anführte, gehören unter anderem namhafte Firmen wie Chio, Nestlé und Mc Donald’s. Geht es um Mais, führt an der Firma Cornexo kein Weg vorbei. Die Mühle sei eine von zwei großen Produktionsstätten für Maismehl in Deutschland, berichtete Cornexo-Prokurist Christoph Faßbender den 20 RHEINPFALZ-Lesern, die im Vorfeld aus weit mehr Interessenten für diese Aktion ausgelost worden waren. Die Leser durften rund zwei Stunden hinter die Kulissen des Betriebes blicken und sich einen Eindruck davon verschaffen, wie aus dem Rohstoff Mais von der Anlieferung im Lkw am Ende beispielsweise eine glutenfreie, fertige Backmischung wird.

Hier entsteht ein neues Mehlsilo.
Hier entsteht ein neues Mehlsilo.

Bei den Erläuterungen wurde deutlich: Die hiesige Anbauregion ist für Mais optimal. Oder anders ausgedrückt: Die Cornexo-Mühle liegt mitten im Anbaugebiet, aus dem das Unternehmen zum Großteil seinen Mais von rund 300 regionalen Landwirten bezieht. Die Pflanzen finden in der Südpfalz sehr gute Bedingungen vor, um kräftig und gesund zu wachsen. Will heißen: Der Mix aus Niederschlägen und Sonnenscheindauer sowie Temperatur „ist optimal“. Der angelieferte Nassmais, von dem ein Muster genommen wird, um ihn auf seine Konsistenz und Qualität hin zu überprüfen, hat teils eine Restfeuchte von bis zu 35 Prozent, weshalb er zunächst „schonend getrocknet und erst dann in einem der Silos eingelagert wird“, erklärte Prokurist Faßbender.

Bei der Führung wurde von den Lesern mit Blick auf die Lärmschutzwand hin zur Bachstraße auch die von Cornexo geplante und teils umstrittene Produktionserweiterung angesprochen. Hier erklärte der Prokurist, dass es im Wesentlichen darum gehe, die Lagerkapazitäten für den zu verarbeitenden Mais durch größere Silos zu erweitern. Die Anwohner, die dagegen mobil machten, könne er verstehen. Deshalb stehe das Unternehmen im Austausch mit allen Beteiligten und es werde versucht, Lösungen zu finden.

Weiter vorne baut Cornexo aktuell bereits ein neues Mehlsilo zur Lagerung der fertigen Produkte, bevor sie abgepackt werden. „Dadurch können wir unseren Kunden eine größere Produktvielfalt ermöglichen und sehr individuell auf einzelne Kundenwünsche eingehen“, so Patrick Bindewald.

Blick ins Lager von Cornexo.
Blick ins Lager von Cornexo.

Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Erzeugern von konventionellem und von „deutlich teurerem“ Bio-Mais funktioniere das Rohstoffmanagement gut, erklärte Prokurist Faßbender. Besonders geachtet werde auf die Reduzierung der Mykotoxin-Belastung durch gezieltes Schadstoff-Monitoring, beginnend mit dem Anbau und nicht erst nach der Ernte. Auch bei der Trocknung und der Lagerung könne man dank modernster Technologie Trocknungsrisse und eine Zunahme der Mykotoxin-Belastung verhindern.

80.000 Tonnen Mais

Die Cornexo GmbH produziert unter anderem Maismehl, Maisgrieß und glutenfreie Backmischungen. Das Produkt-Portfolio schwanke zwischen 30 und 50 Artikeln, sagte der Prokurist. Nach Unternehmensangaben wurden im vergangenen Jahr etwa 80.000 Tonnen Mais verarbeitet, bei einem Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Insgesamt werden auf rund 8000 Hektar Fläche Mais für Cornexo angebaut. Das entspricht ziemlich genau der Fläche von Landau (rund 80 Quadratkilometer). 5000 Hektar davon kommen aus der Südpfalz. Der Rest kommt aus dem Elsass, aus Baden und aus Bayern. „Wir wollen gerne mehr Mais aus der Region beziehen, um die Transportwege gering zu halten“, sagte Geschäftsführer Patrick Bindewald.

Die Produkte werden dann in erster Linie in Deutschland verkauft. Dieser Anteil beträgt mehr als die Hälfte. Ein Teil geht in das benachbarte Ausland, weniger als zehn Prozent fließen in den außereuropäischen Export. „Bei Erdnuss-Flips haben wir einen Marktanteil von etwa 50 Prozent in Deutschland“, teilte das Unternehmen mit. Und wie verhält es sich bei Tortilla-Chips? Hier könne der Marktanteil nicht beziffert werden, „da diese zum Großteil außerhalb von Deutschland produziert werden und dann in Deutschland verkauft werden“.

Die Freimersheimer Mühle hat eine lange Tradition.
Die Freimersheimer Mühle hat eine lange Tradition.

Die Mühle in Freimersheim wurde bereits 1189 erstmals urkundlich erwähnt. In den Geschichtsbüchern ist nachzulesen, dass der Müllersohn dem Aufgebot des Kaisers Barbarossa zur Teilnahme am dritten Kreuzzug (1189 bis 1192) Folge geleistet habe. 1838 wurde die Mühle neu erbaut; das frühere Wohnhaus und ein Teil des Lagers dient heute als Verwaltungs- und Laborgebäude der Cornexo-Maismühle, die seit 2009 in dem Anwesen Mühle beheimatet ist.

Heute gehört sie zur Bindewald-Gutting-Mühlengruppe, die die Mühle 2008 übernommen hat. Die beiden Familien aus Rheinland-Pfalz haben eine lange Tradition in diesem Handwerk. Die Familie Bindewald begann ihre Müllerei 1871 in Bischheim, die Familie Gutting 1923 in Neustadt. Heute haben vier Gesellschafter die Geschicke der Unternehmensgruppe in der Hand – Michael Gutting sowie Jochen, Martin und Patrick Bindewald. Letzterer für die Geschäfte der Cornexo-Mühle.

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