Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Straßenbeleuchtung: Wenn Energiesparen voller Tücken ist

In den meisten Südpfälzer Gemeinden, wie hier in Ramberg, ist die Straßenbeleuchtung schon auf LED umgestellt. Aber viele Orte d
In den meisten Südpfälzer Gemeinden, wie hier in Ramberg, ist die Straßenbeleuchtung schon auf LED umgestellt. Aber viele Orte denken darüber nach, noch einen Schritt weiterzugehen.

Energiekrise, Klimakrise, Inflation – viele Gemeinden machen sich aktuell Gedanken, wo sie noch Strom einsparen können. Oft fällt der Blick auf die Straßenbeleuchtung. Denn Dimmen oder Abschalten ist gar nicht so einfach – und vor allem teuer.

Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Das sagen sich viele Gemeinden und klopfen die Möglichkeiten ab, wo sich der kommunale Verbrauch noch reduzieren lässt. Dabei kommt die Straßenbeleuchtung in letzter Zeit oft auf die Agenda von Gemeinderatssitzungen. Doch ziemlich schnell ist das Thema auch wieder vom Tisch. So beispielsweise zuletzt in Ramberg. Die Waldgemeinde hatte schon einiges auf den Weg gebracht etwa einen sparsamen Heizkessel für die Ramburghalle oder solarbetriebene Lichterketten für den großen Weihnachtbaum. Nun wollte sie an ihre Straßenlampen, die bereits auf LED umgestellt sind, noch mal ran. Diese sollten gedimmt werden, am frühen Abend von 33 auf 23 Watt und ab 22 Uhr von 17 auf 12 Watt. Das würde bei einem Strompreis von 50 Cent pro Kilowattstunde rund 1580 Euro Einsparungen pro Jahr bringen. Die Krux dabei: Die Umprogrammierung würde rund 22.000 Euro kosten. Angesichts dieser Summe hatte sich die Gemeinde schließlich das Stromsparen gespart.

Aber wie kommen diese immensen Kosten zustande? Die Pfalzwerke Netz AG, die in der Südpfalz in knapp 100 Gemeinden die Straßenbeleuchtet wartet, erklärt die Tücken hinter einer Veränderung der Straßenbeleuchtung. Denn das Thema hat angesichts der aktuellen Krisenlage gerade Hochkonjunktur. „Wir bekommen von vielen Gemeinden und Verbandsgemeinden Anfragen. Wir informieren und beraten die Orte und rechnen die Lösungsmöglichkeiten für sie durch“, berichtet Christoph Altherr, Abteilungsleiter Ortsnetzbau bei der Pfalzwerke Netz AG. Doch in der Südpfalz habe sich noch kein Ort entschlossen, tatsächlich weiter an den Stellschrauben zu drehen. Und das hat einen Grund: der erhebliche Aufwand und die damit verbundenen Kosten.

Weit über Bundesdurchschnitt

Erst einmal muss aber festgehalten werden, dass die Südpfalz bereits sehr weit vorn ist bei der Straßenbeleuchtung. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren sei viel investiert worden. Die Region sei, so weit wie möglich, schon auf LED-Technik umgestellt. „Die Südpfalz liegt damit weit über dem Bundesdurchschnitt“, gibt Altherr ein Lagebild. Alte Quecksilberlampen seien bereits überall ersetzt worden, teilweise schon vor zehn Jahren. Seitdem der Austausch von Natriumdampflampen auch förderfähig sei, würden diese auch Stück für Stück folgen. Das sind die energiesparsamsten der konventionellen Lampen, mit dem orangefarbenen Licht. In Annweiler etwa werden gerade 1200 Straßenlampen umgestellt. Die neuen Leuchten haben einen Stromverbrauch von nur etwa einem Viertel der bisherigen Leuchten. Außerdem wird die Leistung von 22.30 bis 6 Uhr automatisch noch mal auf zirka die Hälfte reduziert.

Diese Einstellung wird gleich bei der Netzeinrichtung getroffen; wenn eine Gemeinde ihre Leuchten im Nachgang dimmen will, wird es allerdings schwieriger. Die meisten Gemeinden verfügen mittlerweile über ein Kabelnetz, über das jede Leuchte programmiert ist und nachts auf einen bestimmten Wert abgedunkelt werden kann. Will man die Lichtstärke oder die Verdunklungszeiten ändern oder die Lampen ab einer bestimmten Uhrzeit ganz ausstellen, müsse das in jeder Leuchte einzeln programmiert werden, erklärt Altherr. Das heiße: Jede Lampe müssen von zwei Mitarbeitern mit einem Hubsteiger angefahren, in die Hand genommen und neu eingestellt werden. So erkläre sich etwa auch in Ramberg der hohe Kostenaufwand. Seiner Meinung nach steht der Arbeitsaufwand dafür nicht in Relation zur Einsparung.

Keine Beleuchtungspflicht in Deutschland

Nach Kenntnis des Abteilungsleiters für Ortsnetzbau gibt es im 430 Gemeinden umfassenden Gebiet der Pfalzwerke nur einen Ort, der vorhat, spätnachts sein Licht auszuknipsen, und zwar Frankenstein im Kreis Kaiserslautern. Dadurch kann die Gemeinde 4000 Euro Stromkosten pro Jahr sparen, die Umstellung schlägt allerdings mit 25.000 Euro zu Buche. Aus Sicht der Pfalzwerke wäre es wohl sinnvoller gewesen, erst einmal die noch vorhandenen 114 alten Straßenleuchten auf LED umzustellen, was Einsparungen von 74 Prozent ergeben hätte.

Aber dürfen Gemeinden nachts einfach so das Licht abstellen? „Es gibt in Deutschland keine Beleuchtungspflicht“, macht Altherr deutlich. Wenn es irgendwo dunkel ist, müssen die Verkehrsteilnehmer ihr Verhalten darauf ausrichten. In der Praxis verzichten die meisten Gemeinden aber darauf, weil dunkle Ecken das Sicherheitsempfinden der Bürger beeinträchtigen und auch die Verkehrssicherheit gewahrt werden muss. „Wer eine Gefahrenstelle schafft, muss sie auch entschärfen“, stellt Altherr klar. Das bedeutet im Falle der ausgeschalteten Straßenlaternen, dass sie mit einem rot-weißen, reflektierenden Band gekennzeichnet sein müssen.

Abstellen und Bewegungssensoren

Auch das Abstellen jeder zweiten Lampe in Straßenzügen sei wegen der Programmierung oft nur kompliziert umzusetzen. Zudem berge es erhebliche Sicherheitsrisiken. „Solch eine ungleichmäßige Beleuchtung ist für das Auge problematisch, weil es sich nicht daran gewöhnen kann. Man hat dann ständig Hell-Dunkel-Flecken“, erklärt Pfalzwerke-Sprecher Sven Claus.

Aber es muss doch in unserer modernen Zeit möglich sein, ein paar Laternen nach Gusto hell und dunkel zu kriegen? „Es gibt schon Möglichkeiten über ein Telemanagement, so etwas haben wir aber noch nicht verbaut“, berichtet Altherr. Die Leuchten auf diese Art miteinander zu vernetzen, sei extrem teuer – sowohl von den Anschaffungs- als auch von den Unterhaltungskosten. Es brauche die neue Technik und einen ITler, der das Netz dauerhaft betreue. Die Pfalzwerke hätten mal probiert, einen Radweg mit Bewegungssensoren an den Lampen auszustatten und diese über das Telemanagement untereinander zu steuern, sodass eine Art Lauflicht entsteht – also immer nur die Lampen leuchten, an denen gerade jemand vorbeifährt oder -läuft. „Ökologisch ist das sinnvoll, ökonomisch nicht“, macht der Pfalzwerke-Vertreter deutlich.

Alte LED-Lampen austauschen

Er empfiehlt den Gemeinden viel mehr, alle Lampen auf LED umzustellen und darüber nachzudenken, ältere LED-Leuchten durch moderne zu ersetzen. „Vor zehn Jahren hatte man noch 5000 bis 10.000 Kelvin benutzt und dieses sehr weiße Licht.“ Heutzutage liege man bei 3000 Kelvin und habe damit ein wesentlich wärmeres Licht, das zudem insektenfreundlicher sei, und die neuen LED-Lampen seien noch stromsparender.

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