Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel SPD-Ortsverein feiert 75-jähriges Bestehen

Der Herxheimer Max Seither im Auto mit Willy Brandt im Jahr 1961 bei dessen Wahlkampftour. Das Foto entstand in Rockenhausen, da
Der Herxheimer Max Seither im Auto mit Willy Brandt im Jahr 1961 bei dessen Wahlkampftour. Das Foto entstand in Rockenhausen, damals war Brandt noch Regierender Bürgermeister von Berlin.

Im September 1947 gründeten elf Genossen erneut den SPD-Ortsverein Herxheim – nach zwölf Jahren Nazi-Diktatur. Dies geschah im Gasthaus „Zur Post“, heute „Mariannes Flammkuchen“ in der Unteren Hauptstraße. Und dort wurde das 75-jährige Bestehen gefeiert, die eine einzige Hommage an den Gründungsvater Max Seither war.

Nachdem die französische Militärregierung nach der Nazi-Diktatur politische Parteien wieder zugelassen hatte, wurde die SPD überall im Land zu neuem Leben erweckt. Im „schwarzen Herxe“ hatten es die Genossen aber schwer – und das gilt bis heute. Doch davon ließ sich Max Seither nach seiner Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft nicht abhalten, den Ortsverein wiederzubeleben. Bei der ersten Kommunalwahl 1948 errangen die Sozialdemokraten drei Mandate im Gemeinderat – ebenso wie bei der letzten im Jahre 2019.

Max Seither war Landwirt. Nach dem frühen Tod seines Vaters musste er das Gymnasium vor dem Abitur verlassen und den elterlichen Betrieb weiterführen. Verantwortung zu übernehmen für die Familie und für die Dorfgemeinschaft, war für ihn selbstverständlich. Doch gedankt haben es ihm die wenigsten Herxheimer.

Die Ortsgemeinde Herxheim ließ sich Zeit, viel Zeit. 14 nach seinem Tod ehrte sie den ersten Herxheimer Bundestagsabgeordneten mit einem Straßennamen. Seit 2017 heißt eine Straße im Neubaugebiet an der Augustastraße „Max-Seither-Ring“.

Als Kommunist beschimpft

In einem früheren Interview erzählte Seither: „Während des Bundestagswahlkampfs 1952 beschmierte man mein Haus, samt Fensterläden und Hoftor mit roter Farbe. Die SPD-Plakate wurden mit dem Spruch Von Moskau bezahlt übermalt. Mich selbst beschimpfte man als Kommunist. Am schlimmsten war, dass meine Kinder in der Schule und auf der Straße ständig Verunglimpfungen ausgesetzt waren. Das tat ganz schön weh.“ Daran änderte sich wenig, selbst nachdem Seither 1953 in den Bundestag gewählt wurde.

Über so manchen Spruch konnte sich Seither amüsieren. Als er seinen Einzug ins höchste deutsche Parlament beim „Schumacher“ feierte, rief ein Spaßvogel quer durch den Saal: „Jetzt kanner sich ännlich en Azuuch leischde!“ Eine Beleidigung blieb es trotzdem.

Wahlplakate des früheren Bundestagsabgeordneten Max Seither.
Wahlplakate des früheren Bundestagsabgeordneten Max Seither.

Große Worte und Gesten waren nicht seine Sache. Ortsvereinsmitglied und Bundestagsabgeordneter Thomas Hitschler brachte es bei der Jubiläumsfeier auf den Punkt: „Max war en Schaffer, känn Krischer“. Politik und Landwirtschaft bestimmten sein Leben. Er galt als Hauptinitiator und Wegbereiter des neuen Deutschen Weingesetzes, war Mitglied in den Ausschüssen für Ernährung und Lastenausgleich des Bundestages. Er war zudem Mitbegründer der „Pfälzischen Bauern- und Winzerschaft“ und des Vereins „Stadt und Land“. In vielen politischen und berufsständischen Gremien setzte er sich für die Interessen der Landbevölkerung ein. Bauern und Winzer haben Max Seither viel zu verdanken.

Erster Bürgermeister von Lustadt

Dem höchsten deutschen Parlament gehörte Seither 16 Jahre lang an, ohne Unterbrechung. Nachdem er sich aus der Bundespolitik zurückgezogen hatte, wurde er 1969 zum ersten Bürgermeister der neu zusammengesetzten Gemeinde Lustadt gewählt. Hier fand er auch seine letzte Ruhe.

Auf der Geburtstagsfeier des SPD-Ortsvereins würdigten neben dem Vereinsvorsitzenden Erwin Welsch auch Minister Alexander Schweitzer und Hitschler den aufrechten Sozialdemokraten. Bemerkenswert: Hans Müller, der Vorsitzende des Herxheimer CDU-Ortsverbands, beschwor in seinem temperamentvollen Grußwort die gemeinsamen Werte aller Demokraten, die Max Seither vorbildlich vertreten habe. Diese parteiübergreifende Wertschätzung seiner Arbeit hätte den Max zu Lebzeiten sehr gefreut.

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