Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Solarparks am Rande des Pfälzerwalds: Pilotprojekte in Planung

Solarnutzung am Waldesrand, das könnte auch in vier südwestpfälzischen Orten die Zukunft sein. Aber in kleinen Dimensionen. Auf
Solarnutzung am Waldesrand, das könnte auch in vier südwestpfälzischen Orten die Zukunft sein. Aber in kleinen Dimensionen. Auf dem Bild zu sehen ist eine 68-Megawatt-Anlage. Die Verbandsgemeinde Hauenstein will nur 1-Megawatt-Anlagen verwirklichen.

In Lug könnte bald der erste Solarpark in der Verbandsgemeinde Hauenstein entstehen – und zwar in direkter Nachbarschaft zum geplanten Großprojekt bei Völkersweiler. Aber die kommunale Energiegesellschaft hat auch noch drei andere Flächen auf dem Schirm.

Die Gemarkung „Auf dem Rindfeld“ sollte man sich merken. Die Fläche an der Grenze zwischen Süd- und Südwestpfalz hat Potenzial. Und zwar Sonnenstunden-Potenzial. Mehrfach von Energieexperten festgestellt. Die Machbarkeitsstudie der Verbandsgemeinde Annweiler kam zu diesem Schluss. Ebenso eine Potenzialflächenanalyse im Auftrag der Verbandsgemeinde Hauenstein. Und auch die Pfalz-Solar, eine Tochtergesellschaft der Pfalzwerke, hatte schon ein Auge auf die Fläche geworfen. Die ersten haben bereits zugeschlagen. Die Energie Südpfalz, ein Zusammenschluss kommunaler Energieversorger aus Landau und dem Kreis SÜW, will dort den ersten großen Solarpark im Landkreis errichten. 5,7 Hektar groß soll die Freiflächen-Photovoltaikanlage werden, die im Frühjahr 2025 betriebsbereit sein soll.

Und bald könnte noch eine weitere Anlage am Rande des Pfälzerwalds hinzukommen. Denn in direkter Nachbarschaft plant die Gemeinde Lug zusammen mit der Energiegesellschaft der Verbandsgemeinde Hauenstein ebenfalls einen Solarpark. Allerdings werden auf der anderen Seite der Kreisgrenze kleinere Brötchen gebacken. Ursprünglich sei eine 2,4 Hektar große Anlage geplant gewesen, aktuell plane man mit 1 Hektar und einer Leistung von 1 Megawatt, berichtet Lugs Ortsbürgermeister Hermann Rippberger. Denn ein Projekt in dieser Größenordnung sei wesentlich schneller umsetzbar.

Diese vier Orte sind für Solarparks im Gespräch

Bis dahin ist trotzdem noch genug zu tun. Denn erst einmal müssen die Projektpartner klären, ob sie an die dafür nötigen Grundstücke kommen. Etwa 12 bis 15 Privateigentümer hätten Flächen dort, wo der Solarpark hin soll, überschlägt Rippberger. „Wir haben noch nicht alle erreicht. Aber von denjenigen, mit denen wir gesprochen haben, haben wir schon Zusagen erhalten.“ Rund 800.000 bis 900.000 Euro würde die Anlage wohl kosten, sagt der Ortsbürgermeister. Wobei sich Verbandsbürgermeister Patrick Weißler nicht festlegen will, da es noch zu viele ungeklärte Fragen gebe. Für den Bau, die Betreibung und Vermarktung des Stroms soll nämlich nicht die Ortsgemeinde, sondern die Gesellschaft zur Nutzung erneuerbarer Energien GmbH, so der ganze Name der Energiegesellschaft der VG, verantwortlich sein.

Und diese hat nicht nur Pläne für Lug, sondern auch für drei weitere Orte. Der Verbandsgemeinde Hauenstein geht es wie ihrem Trifelsland-Nachbarn. Beide Gebietskörperschaften hatten ihre Gemarkung nach möglichen Arealen absuchen lassen, um Sonnenenergie zu nutzen. Und beide Analysen kamen zu demselben Schluss: „Wir leben in einer wunderschönen Gegend inmitten des Pfälzerwalds. Aber genau deswegen haben wir auch wenig Entwicklungspotenziale“, erklärt Weißler. Gerade vier kleinere Flächen bleiben, auf denen sich recht schnell ein Solarprojekt verwirklichen lassen könnte. Das Luger Projekt sei davon am weitesten fortgeschritten, da es hier auch schon eine Eigentümerversammlung gab. Aber auch mit Darstein, Wilgartswiesen und Spirkelbach laufen die Gespräche schon. Allerdings werde es jetzt nach der Kommunalwahl mit neu zusammengesetzten Räten und teilweise neuen Ortsbürgermeistern erst einmal etwas Zeit brauchen, bis sich alle eingearbeitet haben, macht Weißler deutlich. Und auch die Energiegesellschaft steckt mit der selbstständigen Verwirklichung von Projekten noch in den Kinderschuhen.

Erste Projekte unter Eigenregie

Diese gibt es zwar schon seit über 15 Jahren, doch hatte die Verbandsgemeinde sie gemeinsam mit der WVE Kaiserslautern (Wasser Versorgung Energie) unterhalten. Erst seit vergangenem Jahr laufe sie unter Eigenregie der Verbandsgemeinde, sagt Weißler. Der Grund dafür, getrennte Wege zu gehen: „Wir waren politisch mit der Entwicklung der Gesellschaft nicht zufrieden“, erklärt der Bürgermeister. Nun könnten mehr Projekte angestoßen werden. Die Realisierungsphase läuft allerdings gerade erst an. Das erste Jahr habe die Gesellschaft für die Umstellung gebraucht. „Da lief viel Verwaltungsarbeit im Hintergrund, und wir hatten nicht sofort Kapazitäten für neue Projekte“, berichtet Weißler. Gerade werde mit der Hauensteiner Feuerwehr aber schon ein PV-Projekt verwirklicht.

Für größere Solarparks ist der Genehmigungsprozess jedoch langwieriger. Gerade auch, wenn man nicht in SÜW, sondern in der Südwestpfalz ein Freiflächenprojekt anstrebe, sagt Weißler. Die Untere Behörde für Bauen und Umwelt ist bei der Kreisverwaltung angesiedelt. „Und bei uns gibt es andere Maßgaben und Bestimmung als in SÜW. Der Aufwand ist höher“, erklärt der Bürgermeister, warum auch so mancher potenzieller Investor nicht bei der Stange gehalten werden konnte. „Die gucken: ,Wo haben ich welche Möglichkeiten? Was ist wirtschaftlicher umzusetzen?’ Und gehen dann dorthin.“

Mit Kniff schwierigen Genehmigungsprozess umgehen

Deswegen will die Hauensteiner Energiegesellschaft bei ihren geplanten Solarparks einen etwas anderen Weg einschlagen als auf der anderen Seite der Kreisgrenze. „Wir wollen Agri-PV-Anlagen errichten“, kündigt Weißler an. Für diese gebe es weniger Restriktionen als für Freiflächen-PV-Anlagen. Moment. Agri-PV. Das bringt man mit Solarmodulen über Ackerflächen, Obstplantagen oder Wingertzeilen in Verbindung. Man kann jetzt nicht gerade sagen, dass die Hauensteiner Bergregion dafür bekannt ist. „Bei uns sollen die Anlagen auch auf Wiesenfelder gestellt werden“, erklärt Weißler. Also dort, wo sonst üblicherweise Freiflächen-PV-Anlagen errichtet werden. Ein Kniff also. Denn für Agri-PV-Anlagen gehe der Genehmigungsprozess schneller, sagt der Bürgermeister. Jene hätten eine andere Ständerung und Ausrichtung. Die Module lieferten weniger Ertrag. Doch da sie besonders morgens und abends viel Sonne abkriegten, müssten solche Anlagen nicht unwirtschaftlicher sein, sagt Weißler.

Zudem will die Verbandsgemeinde demnächst ihren Flächennutzungsplan fortschreiben, um mehr Möglichkeiten für Erneuerbare Energien zu schaffen, kündigt der Verwaltungschef an. Bei größeren Solarparks käme noch die Struktur- und Genehmigungsdirektion des Landes ins Spiel. Für die geplante Anlage in Lug etwa war ein Zielabweichungsverfahren nötig, weil der Raumordnungsplan dort nur einen Grünzug vorsieht. „Deswegen wollen wir nur kleinere Projekte mit 1 Megawatt Leistung verwirklichen“, informiert der Bürgermeister. Aber noch sei nichts in trockenen Tüchern. „In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wo sich das meiste Potenzial bietet. Und da würden wir loslegen.“ In Lug etwa müssten erst einmal die Gespräche mit den Grundstückseigentümern abgeschlossen werden. Auch die Frage, ob Pacht und Ankauf, sei noch offen, wobei sowohl für Gemeinde- als auch Verbandsgemeindeseite Ersteres als wahrscheinlicher angesehen wird. Vor September/Oktober würde aber sicherlich keine Entscheidung gefällt, bestätigt Ortsbürgermeister Rippberger. Erst einmal müsse sich der neu gewählte Gemeinderat zusammenfinden.

Bürger als Geldgeber für Solarprojekte?

Und wie soll das Ganze dann finanziert werden? Zwei Möglichkeiten stehen im Raum: Entweder von der Energiegesellschaft Hauenstein selbst oder über ein Genossenschaftsmodell mit Bürgerbeteiligung, sagt Weißler. Sprich: Bürger können sich mit finanziellen Einlagen einbringen und erhalten dafür jährliche Ausschüttungen aus den Erträgen. Zu den Mitgesellschaften wollen dann auch die Ortsgemeinde und die Verbandsgemeinde gehören. „Wir würden uns bei dem Projekt finanziell einbringen und hätten dadurch eine dauerhafte Einkommensmöglichkeit“, sagt Rippberger. Denn für eine Wohngemeinde wie Lug ohne groß Gewerbe sei es schwierig, Einnahmen zu generieren. Und auch für Weißler ist klar, dass die Erneuerbaren Energien für alle Kommunen im VG-Gebiet etwas bringen sollen.

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