Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorenwohnpark erneut vor ungewisser Zukunft

Die 20 Millionen Euro teure Anlage in Bad Bergzabern war erst 2021 bezogen worden.
Die 20 Millionen Euro teure Anlage in Bad Bergzabern war erst 2021 bezogen worden.

Nach nur gut einem halben Jahr hat der Betreiber des Levantus-Wohnparks für Senioren Insolvenz angemeldet. Er hatte das Haus vom zahlungsunfähigen Vorgänger übernommen. Und noch im Juni vollmundige Versprechen gemacht. Jetzt müssen Bewohner und Personal wieder zittern.

Es ist unglaublich. „Wir können Ihnen Sicherheit geben“, war im Juni 2023 das Versprechen von Lutz Remmert aus Bielefeld von der Levantus AG, die den noch nagelneuen Wohnpark für Senioren in der Tischbergerstraße übernommen hat. Und er stieß auf breites Wohlwollen der damals 69 Bewohner und der privaten Kapitalanleger, die eines der 84 Zimmer oder Appartements erworben und dann an den Betreiber vermietet hatten. Jetzt hat die Levantus AG für neun Seniorenwohnparks bundesweit Insolvenz angemeldet, auch für den Standort Bad Bergzabern. Nach nicht einmal einem Jahr. Das Amtsgericht Bielefeld hat den White & Case-Partner Bero-Alexander Lau durch Beschluss vom 22. Dezember zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Levantus-Gruppe bestellt. White & Case agiert international mit mehr als 2600 Anwälten. Die Insolvenz betrifft elf Einzelunternehmen der Levantus-Gruppe, die alle Seniorenresidenzen betreiben. In Bad Bergzabern ist es der Levantus Park Bad Bergzabern GmbH & Co.

Der Geschäftsbetrieb des Unternehmens wird vollumfänglich fortgeführt, teilt der Insolvenzverwalter mit. „Gemeinsam mit meinem Team und den Mitarbeitern der Levantus-Gruppe werde ich alles daran setzen, das Unternehmen dauerhaft zu erhalten. Insbesondere das Wohl der Bewohner der Pflegeeinrichtungen hat bei den Sanierungsbemühungen oberste Priorität“, erklärt Lau in einer Stellungnahme. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld gesichert. Zugleich habe bereits die Suche nach einem Investor für die Unternehmen der Levantus-Gruppe begonnen. „Hier besteht kein Grund zur Verunsicherung, der Investorenprozess ist notwendiger Bestandteil der Sanierungsbemühungen“, so der Insolvenzverwalter. Das bedeutet, es muss schnellstmöglich ein Investor gefunden werden, der den Wohnpark weiter betreibt.

Kapitalanlage mit Risiken

Sogenannte Pflegeimmobilien werden landauf, landab als Kapitalanlagemöglichkeit mit hohen Renditen beworben, verbunden mit dem Mehrwert, sie erst vermieten, aber bei eigener Pflegebedürftigkeit selbst beziehen zu können. Grundsätzlich ist der Bedarf da, aber die Anlagen müssen gut gemanagt werden, damit sie ausgelastet sind. Ein entscheidender Knackpunkt ist es, genügend Personal für den Betrieb zu finden.

Seit 2021 war der „Sorglos Wohnen Park“, wie er vollmundig beworben wurde, von der Unternehmensgruppe Convivo betrieben worden, die deutschlandweit mit rund 100 eigenen Einrichtungen für insgesamt 18.000 Bewohner tätig war. Im Frühjahr 2023 meldete sie für alle Standorte Insolvenz an, also auch für das „Sorglos Wohnen“ in der Kurstadt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung und Betrug aufgenommen, Handwerkerrechnungen sollen nicht bezahlt, Kautionen von Mietern einbehalten worden sein. Die Insolvenz war eine Zitterpartie für Bewohner und Personal, die nicht wussten, wie es weitergehen würde. Doch der Insolvenzverwalter fand einen neuen Betreiber: die Levantus Gruppe, die sich erst im März vergangenen Jahres gegründet hat. Sie hat bundesweit neun Standorte, für die sie jetzt Insolvenz angemeldet hat, von Convivo übernommen.

Große Versprechungen

Die Levantus Gruppe ist ein Unternehmen der First Retail Consult GmbH, die seit 30 Jahren besteht und deren Kerngeschäft die Entwicklung, Planung und der Bau von Sozialimmobilien wie Pflegeheimen ist. 80 Projekte seien mit 800 Millionen Euro bisher realisiert worden, ist auf der Internetseite von First Retail zu lesen. Lutz Remmert ist Aufsichtsratsvorsitzender der Levantus AG und Generalbevollmächtigter bei First Retail. „Sicherheit“ versprach er den Bewohnern und Anlegern noch im Juni vergangenen Jahres vor Ort in Bad Bergzabern. Er wisse, worauf es ankomme, er sei seit Jahrzehnten in der Branche.

„Es gibt jetzt feste Mietverträge mit den Eigentümern der Wohnungen über einen Zeitraum von 20 Jahren und die Miete bleibt gleich“, verkündete Remmert vor Ort. Keiner der Betroffenen hatte damals wohl Zweifel, dass er als gestandener Geschäftsmann sein Versprechen nicht einhalten würde. Doch gehalten haben seine Zusagen nicht mal ein Jahr. Jetzt fängt die Zitterpartie von vorne an. Verbunden mit der Unsicherheit der Bewohner und des Personals, ob der Standort erhalten bleibt. Die Leitung des Wohnparks möchte sich zur aktuellen Situation nicht äußern, Lutz Remmert hat auf den Anruf der RHEINPFALZ nicht reagiert.

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