Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Schulen, die Heimtests verweigern, ernten mitunter Kritik

Schülersprecher Marcel Metz findet, dass die Schüler des Max-Slevogt-Gymnasiums in Landau gut mit dem Testen zurechtkommen.
Schülersprecher Marcel Metz findet, dass die Schüler des Max-Slevogt-Gymnasiums in Landau gut mit dem Testen zurechtkommen.

Seit dem 26. April müssen Schüler zweimal wöchentlich Corona-Schnelltests machen, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu können. Mehr als 1600 Schulen in Rheinland-Pfalz mussten schnell entscheiden, ob sie eine Testung daheim akzeptieren. Schulen, die dies ablehnen, ernten teilweise Kritik.

„Zu diesem Thema möchte ich nichts aussagen, was in die Zeitung kommt. Der Gegenwind in der Schule ist groß und die Beschwerdeführung aufwendig“, sagt eine Grundschulleiterin aus der Region, die Angst vor noch mehr Widerstand hat. Die Schule hat sich gegen die Möglichkeit des Testens zu Hause entschieden. Zwei weitere angefragte Grundschulen, die das Testen daheim nicht akzeptieren, wollen sich ebenfalls nicht äußern.

 

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„Grundsätzlich soll in der Schule getestet werden. Es gibt aber gute Gründe dafür, dass Eltern sich für und mit ihren Kindern entscheiden, die Testung lieber in einem offiziellen Testzentrum durchführen zu lassen“, sagt Henning Henn, Pressesprecher des Bildungsministeriums Rheinland-Pfalz. Zudem könne sich eine Schulgemeinschaft dafür entscheiden, Heimtests zuzulassen, erklärt Henn. Doch mit der Testung zu Hause sind verschiedene Herausforderungen verbunden. „So sind die Eltern besonders gefragt, weil sie die Kinder beim Testen beaufsichtigen und das Testergebnis schriftlich bestätigen müssen.“ Eltern hätten die Möglichkeit, den Test zu verweigern, was dann aber dazu führe, dass ihr Kind nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könne. „Es gibt keinen Freibrief: Schul- und Präsenzpflicht bestehen weiter.“ Wer sich der Testung verweigere, erhalte ein Betretungsverbot der Schule. „Zahlen dazu liegen uns nicht vor, aber die Schulen teilen im direkten Gespräch mit, dass lediglich ein Bruchteil der Schülerinnen und Schüler nicht an den verpflichtenden Testungen teilnimmt.“

In Kurstadt Verweigerer-Quote unter einem Prozent

Eine Schule, die sich einheitlich gegen die Testung zu Hause entschieden hat, ist das Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum Bad Bergzabern. „Wir haben auf der Basis der Vorgaben des Ministeriums entschieden“, sagt Schulleiter Pete Allmann. Die Quote der Schüler, die aufgrund der neuen Regel nicht zum Unterricht erscheinen, beziffert er auf weniger als ein Prozent. „Aber wir nehmen die Sorgen der uns Anvertrauten sehr ernst und sind mit allen im Gespräch.“

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An der Grundschule in Offenbach wird Wechselunterricht angeboten. „Seit den verpflichtenden Tests lassen wir unser Kind zu Hause. Es findet kaum Unterricht statt, und in dieser kurzen Zeit wird dann auch noch getestet“, sagt ein Elternpaar, das nicht namentlich genannt werden möchte. „Wir sind keine Corona-Leugner, aber wir finden es furchtbar, dass unser Kind etwas mit seinem Körper machen muss, was es eigentlich nicht will.“ Außerdem sollte Fachpersonal beim Testen dabei sein, und es sollten Schutzanzüge getragen werden, so wie in Testzentren, finden die Eltern. Das Paar beanstandet, dass niemand hafte, wenn etwas schieflaufen sollte, beispielsweise, falls sich das Kind die Pufferflüssigkeit versehentlich in die Augen reibt.

MSG entscheidet sich bewusst für Heimtestung

Zudem zweifeln die beiden daran, dass die Tests immer das richtige Ergebnis anzeigen. „Im ,Deutschen Ärzteblatt’ steht, bei Personen ohne Symptome erkannten die Antigenschnelltests nur 58 Prozent der Infizierten“, führen sie an. Und wenn die Kinder den Test nicht korrekt ausführten, würde die Trefferquote sicherlich noch deutlich nach unten gehen, äußert das Paar. „Diese Ungenauigkeit dürfte doch mit der Ungenauigkeit übereinstimmen, wenn Eltern zu Hause testen und dies eventuell nicht gewissenhaft ausführen“, finden sie. Noch vor Kurzem habe nur Fachpersonal testen dürfen und nun werde dies bereits Grundschülern zugemutet, gibt das Paar zu bedenken. „Es sind noch mehr Eltern an der Schule, die ihre Kinder ebenfalls vom Unterricht befreien – mindestens acht Kinder.“ Ein Kind fragt sich: „Ich bin doch ehrlich. Wieso darf ich mich nicht zu Hause testen?“

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Eine Schule, die sich für das Testen zu Hause entschieden hat, ist das Max-Slevogt-Gymnasium in Landau. Dies sei der Wunsch des Schulelternbeirates, der Schülervertretung, des Kollegiums und eines überwiegenden Anteils der Eltern gewesen, berichtet Schulleiter Jochen Flohn. „Jede andere Entscheidung wäre eine Entscheidung gegen das Vertrauen gewesen, das wir in Eltern- und Schülerschaft setzen.“ Flohn nennt als wesentliche Gründe, dass ein positiver Test im häuslichen Umfeld emotional durch die Eltern besser abgefangen werden könne und eine Bloßstellung vor der Klasse vermieden werde. Außerdem werde so der Kontakt in der Schule und in den öffentlichen Verkehrsmitteln verhindert.

Keine kostenlosen Testkits für zu Hause

„Von der Möglichkeit, zu Hause zu testen, machen etwa zehn Prozent der Eltern Gebrauch, alle anderen Schülerinnen und Schüler testen sich in der Schule“, so die MSG-Bilanz. In der Schule werde immer montags in der ersten Stunde getestet, um Infektionen frühzeitig zu erkennen, erklärt der Schulleiter. Schülersprecher Marcel Metz ist froh, dass sich die Schule aber auch für die Möglichkeit des Testens zu Hause entschieden hat. „Leider werden die Testkits nicht kostenlos zur Verfügung gestellt und die Eltern müssen diese bisher selbst finanzieren“, moniert er jedoch. Doch auch mit dem Testen in der Schule kämen die Schüler gut zurecht, sagt er. „Bei uns in den oberen Klassenstufen gehen dafür nur etwa 15 Minuten Unterrichtszeit verloren.“

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