Edenkoben
Raststätte platzt aus allen Nähten
Über chaotische Zustände an den Autobahn-Rastanlagen hat der ADAC kürzlich berichtet: An jeder zweiten von 96 untersuchten Raststätten waren Lastwagen hochriskant abgestellt. Nicht nur außerhalb der markierten Stellflächen, sondern auch in den Ein- oder Ausfahrten. „Immer wieder fahren Pkw nahezu ungebremst auf derart abgestellte Lkw auf – mit teils tödlichen Folgen“, schreibt der ADAC.
Nicht untersucht wurde die Raststätte Pfälzer Weinstraße bei Edenkoben, aber auch dort bietet sich dasselbe Bild. Tagsüber gibt es offenbar keine Probleme, doch in den Abendstunden einen hohen Andrang. Dann stehen die Lkw dicht gedrängt in den Parkbuchten, in den Zufahrtsstraßen dorthin, auf Pkw-Parkplätzen, gelegentlich in der Einfädelspur ganz am Ende der Rastanlage und immer wieder, insbesondere Freitagabends und an Wochenenden, auch in der Zufahrt.
Seit Jahren fehlen Lkw-Stellplätze
Daten dazu liegen dem ADAC nicht vor: Bei rund 2000 Rastanlagen (zu denen auch die unbewirtschafteten Parkplätze zählen) an deutschen Autobahnen wäre eine flächendeckende Zählung nicht möglich gewesen. Der ADAC hat sich daher auf Anlagen an überregionalen Autobahnen beschränkt. Dazu gehört die nur 60 Kilometer kurze A65 nicht. Außerdem hat sich der ADAC auf Anlagen konzentriert, die an besonders stark vom Schwerlastverkehr genutzten Strecken liegen. Dabei hat er sich auf Zahlen der automatischen Zählstellen der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) gestützt.
Letztere hat zuletzt 2018 Zahlen zu allen Rastmöglichkeiten an und neben den Autobahnen erhoben, einschließlich der Autohöfe, so wie auch schon 2008 und 2013. Die Bast hatte dabei mehr als 94.100 über Nacht abgestellte LKW gezählt, nach 71.300 im Jahr 2013 und gut 68.100 nochmals fünf Jahre zuvor. Womit dann auch schon einiges über die Problemstellung gesagt ist: Der Lkw-Verkehr hat stark zugenommen, doch die Abstellmöglichkeiten haben damit nicht Schritt gehalten. So fehlten zuletzt mehr als 23.300 Lkw-Parkmöglichkeiten – mit den Folgen, die der ADAC beschrieben hat und die auch bei Edenkoben zu beobachten sind.
Polizei weckt Fahrer
Das Problem ist der Polizei in Edenkoben bekannt, wie Inspektionsleiter Michael Baron bestätigt. „Immer mal wieder“ seien die Zufahrten zu den beiden Raststätten, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, zugeparkt. Die Polizei weckt dann die Lkw-Fahrer und fordert sie zum Umparken auf. Wenn der Platz vor Ort partout nicht reicht, werden Lkw von der Polizei zu geeigneten Parkplätzen außerhalb der Autobahn begleitet. Gegen zugeparkte Zufahrten hilft der Bußgeldkatalog kaum weiter: Er sanktioniert nach Barons Angaben diese Form der Verkehrsbehinderung mit 20 Euro.
Aufgrund des Platzmangels hat die Polizei auch mit einem zweiten Problem zu kämpfen: Lastwagen in den Nothaltebuchten bei Landau-Süd oder an der Strecke in Richtung Wörth. Die dürfen nur bei einem Defekt oder einer sonstigen Notsituation angesteuert werden. Laut Baron musste die Polizei im zurückliegenden Jahr mehrfach Kraftfahrer auffordern, diese Buchten zu räumen. Wer nur gehalten hat, wird mit 20 Euro sanktioniert, wer sich beispielsweise schon in der Fahrerkabine zur Ruhe gelegt hat, gilt als Parker und muss 25 Euro Strafe zahlen.
Fünf-Punkte-Plan des Ministeriums
Auch die Autobahn GmbH des Bundes kennt das Thema. Die Verbesserung der Lkw-Stellplatzkapazitäten sei vordringlich, insbesondere wegen der Verkehrssicherheit. Denn nur wenn genügend Stellflächen vorhanden sind, könnten Lkw-Fahrer die Lenk- und Ruhezeiten einhalten. Daher gibt es einen Fünf-Punkte-Plan des Bundesverkehrsministeriums für eine verbesserte Parkplatzsituation an den Autobahnen. Der sieht den Bau neuer Parkmöglichkeiten ebenso vor wie telematische Parkverfahren. Damit ist nicht nur gemeint, dass Lkw mittels Smartphone-Apps oder Navi-Lösungen zu freien Parkplätzen gelotst, sondern dass sie dort auch verdichtet abgestellt werden. Im Idealfall könne man bis zu 50 Prozent mehr Lkw auf derselben Fläche unterbringen.
Geplant sei auch der Umbau bestehender Parkplätze zur Verdichtung von Parkräumen, berichtet Petra Hentschel, Pressesprecherin der Autobahn GmbH, Niederlassung Südwest. Die bewirtschafteten und unbewirtschafteten Parkanlagen würden erfasst, bewertet und priorisiert. Zwei Lkw-Parkplätze an der A5 sind bereits leistungsfähiger gemacht worden, etliche weitere, darunter drei an der A5 nördlich von Karlsruhe und an der A8, werden in den nächsten drei Jahren umgebaut. Wieder andere, auch in Rheinland-Pfalz, sollen nach und nach folgen. Allein bis zum Beginn der Sommerferien 2023 werden im Südwesten 23 Anlagen modernisiert. Dazu gehören über 150 Einzelmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von rund fünf Millionen Euro.
Autobahn GmbH plant Neubau
Der Autobahn GmbH ist bewusst, dass wegen des starken Warenverkehrs und der Grenzsituation zu Frankreich und der Schweiz insbesondere auf der A5 zwischen Basel und Offenburg und auf der A65 zwischen Ludwigshafen und Wörth der Bedarf an Abstellmöglichkeiten für Lastwagen besonders hoch ist. Im Falle Edenkoben sieht die Autobahn GmbH jedoch keine Möglichkeiten der direkten Verbesserung. Das hatte schon der vorher zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) untersucht. So kommt weder eine Erweiterung, noch eine Nachverdichtung durch eine optimierte Anordnung der Fahrgassen und Stellplätze infrage.
Stattdessen hat die Autobahn GmbH im Oktober die Planung für den Neubau von zwei sich gegenüberliegenden unbewirtschafteten Park- und WC-Anlagen an der A65 aufgenommen. Der Standort sei vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr bereits genehmigt. Er befindet sich zwischen den Anschlussstellen Rohrbach und Insheim. Auch der Name steht schon fest: Trappelberg Ost und West. Mit diesen Parkplätzen werde der prognostizierte Bedarf im Netzabschnitt zwischen Wörth und Mutterstadt gedeckt werden.
Noch gibt es kein Baurecht
Das Thema ist nicht komplett neu, wird nun aber offenbar konkreter. Schon 2014 hatte es bei einer Einwohnerversammlung in Rohrbach Kritik an den Überlegungen gegeben. Der Landtagsabgeordnete Martin Brandl (CDU) hatte 2016 nachgehakt, neue Lkw-Rastplätze an der A65 gefordert und auf die Flächen bei Rohrbach verwiesen. Laut Autobahn GmbH ist das Verfahren aber noch in einem frühen Stadium. Um Baurecht zu schaffen, sei ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Der LBM hatte seinerzeit erklärt, dort könnten auf beiden Seiten je 40 Lkw und 20 Personenwagen Platz finden.