Pfälzerwald-Hütten
Ramburgschenke wieder offen: Waldliebhaber erfüllen sich Traum
Bis zu Corona hatte die Ramburgschenke einen festen Platz im Reigen der Pfälzerwald-Hütten. Doch die Pandemie brachte den Betrieb zum Erliegen, und Wiederbelebungsversuche fruchteten nicht. Doch nun erwecken neue Pächter die nur wenige Gehminuten von der Burgruine gelegene Schenke aus dem Dornröschenschlaf, in dem sie die vergangenen anderthalb Jahre schlummerte. Seit Ostern bewirten Meike und Manfred Seffen Wanderer, Burgenliebhaber, Familien und Co. Viel Arbeit, das haben die frischgebackenen Wirte schnell gemerkt, trotzdem kommen sie aus dem Schwärmen gar nicht heraus. „Wir haben total Spaß daran, auch wenn’s mal stressig ist.“ Man hört in jeder Silbe: Diese beiden sind gekommen, um zu bleiben.
Das Ehepaar kommt nicht etwa aus Ramberg oder einer benachbarten Pfälzerwald-Gemeinde. Die 33-Jährige und ihr fünf Jahre älterer Mann leben an der Rheinschiene, genauer gesagt in Rülzheim. „Aber uns zieht es schon immer in den Pfälzerwald und zur Hüttenkultur“, sagt Manfred Seffen. Ein Geschäftspartner und Freund von ihm aus Ramberg habe mal nebenbei bemerkt: „Bei uns ist noch was frei.“ Und so stand das junge Ehepaar an einem trüben, kalten, windigen Novembertag zum ersten Mal vor der trutzigen Schenke aus Sandstein und Holz. „Und es war sofort um uns geschehen“, erinnert sich Meike Seffen mit leuchtenden Augen.
Newcomer-Wirte mit viel Herzblut dabei
Gebaut wurde die Waldhütte von 1974 bis 1977 vom Männergesangverein Harmonie Ramberg, der zuvor die verfallene Burg für Besucher zugänglich gemacht hatte. Der damals gegründete Tochterverein des MGV, der Ramburgverein, habe in all den Jahren ehrenamtlich die Bewirtschaftung übernommen. Aber Corona habe alles erschwert, dazu sei Nachwuchsmangel gekommen und schlussendlich der Schlussstrich des Vereins, der sich aktuell in Auflösung befinde, berichtet Fluhr-Eberhard. Der MGV habe danach mit zwei Pächtern sein Glück versucht, doch beide gaben schnell wieder auf.
Im vergangenen Jahr startete der Verein einen neuen Aufruf, auf den sich sechs Bewerber gemeldet hätten, so die Vorsitzende. Und bei Familie Seffen habe sofort die Chemie gestimmt. „Das Herzblut, das die beiden gleich versprüht haben, war einfach toll“, erinnert sich Fluhr-Eberhard. „Wenn wir hierher fahren, dann ist das einfach nur zum Genießen“, sagt Meike Seffen, die Pächterin der Schenke ist. Ihr Mann betreibt einen Handwerksbetrieb in Rülzheim. „Ich helfe meinem Mann dort und er hilft mir hier. Wir sind praktisch 24/7 zusammen“, kommentiert die 33-Jährige schmunzelnd. Und das schon seit 16 Jahren. Mit ihrer herzlichen, lockeren Art hatten die beiden das Ramberger Publikum sofort für sich gewonnen. Am Eröffnungswochenende war trotz Nieselfieselwetters Hochbetrieb. Die Gäste standen Schlange. Familie Seffen konnte es kaum fassen.
Wildgerichte aus dem örtlichen Jagdrevier
Wenn mal etwas länger aufs Essen gewartet werden muss, hat das den Grund, „dass wir hier frisch kochen“, berichten die beiden, die auch privat gerne in der Küche stehen. „Zudem ist unser Essen nachhaltig und regional ausgerichtet.“ Der Fisch komme aus Neupotz, der Apfelsaft aus Rülzheim, der Wein aus Edenkoben, der Kuchen aus Kandel. Neben den Pfälzer Klassikern wie Saumagen und Leberknödel gebe es saisonal wechselnde Tagesessen, eine Kinderkarte und als Angebot, auf das die Seffens richtig stolz sind, Wild direkt aus dem Ramberger Jagdrevier. Die Wildmaultauschen und -bratwürste kämen richtig gut an, freuen sich die beiden.
Das Paar kann dabei auf die Unterstützung von Meikes Mutter Renate Landmann zählen, die viele Jahre Erfahrung in der Gastronomie mitbringt. Zudem sind ein paar Mini-Jobber eingestellt, sodass immer ein drei- bis fünfköpfiges Team vor Ort ist, um den Betrieb zu wuppen. „Wir wachsen da jetzt Stück für Stück rein“, sagt Manfred Seffen, der mithilfe befreundeter Handwerkerbetriebe schon einige Reparaturen am Haus erledigte und nun eine Photovoltaikanlage fürs Dach sponsern will.
Alles im Einklang mit der Natur
Warum die beiden am Ball bleiben wollen, während ihre Vorgänger die Segel strichen? „Bei uns steht kein finanzieller Aspekt dahinter. Uns reicht es, wenn wir kostendeckend arbeiten. Wir sind für die Sache einfach Feuer und Flamme“, beschreibt es der 38-Jährige. Und bei Cappuccino und Kuchen werden mit der Vereinsvorsitzenden schon die nächsten Termine besprochen. Denn das Miteinander wollen die neuen Wirte nicht nur mit den Gästen, sondern auch mit dem MGV pflegen. „Diesem gehört schließlich die Schenke, und das soll man auch merken“, findet Manfred Seffen und freut sich schon auf Auftritte des Gesangvereins.
Den ersten wird dieser am offiziellen Eröffnungswochenende über Vatertag haben. Am Donnerstag spielen ab 14 Uhr die Dubbeglasbrieder, am Samstag ab 14 Uhr De Härtschd vom Dahner Tal, im Anschluss singt der MGV. Konzerte können sich die Betreiber auch zukünftig vorstellen, aber alles in Maßen und bewusst nur tagsüber. „Wir wollen keine Dauerbeschallung, sondern alles im Einklang mit der Natur machen. Für die Tiere soll dann auch wieder Ruhe einkehren“, macht Manfred Seffen die Hütten-Philosophie deutlich.
Hütten-Checkliste
Vegetarische Speisen: ja
Vegane Speisen: nein
Spielplatz: ja
Wickelmöglichkeit: nein
Übernachtungsmöglichkeit: nein
Kartenzahlung möglich: nein
Barrierefreiheit: eingeschränkt; der Außenbereich ist ebener Waldboden, bei der einen Stufe zur Tür ist man gerne behilflich, die Toiletten sind barrierefrei, aber nicht behindertengerecht.
Anfahrt: Die Hütte kann nicht angefahren werden. Drei Wanderwege mit einer Gehzeit von 20 bis 45 Minuten führen von Ramberg zur Ramburgschenke. Im Ort kann in der Ortsmitte oder am Ortsende in der Waltharistraße geparkt werden. Bushaltestellen gibt es dort jeweils auch.
Info: Die Hütte ist samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet; in der Hauptsaison ab Mai auch freitags, dann täglich bis 19.30 Uhr. Infos unter www.mgv-ramberg.de, bei Facebook unter Ramburgschenke und bei Instagram unter Ramburgschenke2024.
