Birkenhördt
Nächste Hürde auf dem Weg zur Freiflächen-PV-Anlage genommen
Als Landwirt hat man es schwer in Birkenhördt. Einen hohen Ertrag darf man jedenfalls nicht erwarten, denn die Qualität des Bodens ist eher schlecht. Darunter musste auch die 700-Seelen-Gemeinde westlich von Bad Bergzabern immer mal wieder leiden. Nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel, als in Deutschland unzählige Menschen Hunger leiden mussten. Birkenhördt war davon besonders betroffen, denn die unfruchtbaren Äcker verhinderten eine üppige Selbstversorgung. Das jedenfalls habe er ein paar Mal erzählt bekommen, sagt Ortsbürgermeister Matthias Ackermann. Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert. Sogar so sehr, dass der Ort plötzlich vom unfruchtbaren Ackerland profitiert.
„Zum ersten Mal hat die Gemeinde einen Vorteil durch den schlechten Boden“, sagt Ackermann. Denn: Birkenhördt plant schon seit einigen Jahren, auf der eigenen Gemarkung eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu bauen. Alleine ist der Ort in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern damit nicht. So verfolgt Oberotterbach seit geraumer Zeit dasselbe Ziel. Dort wehren sich allerdings Landwirte gegen das Vorhaben, weil sie den Verlust von wertvollem Ackerland fürchten. Dieser Ärger wird auf Ackermann nicht zukommen.
Schlechter Ackerboden wird zum Vorteil
Ins Auge gefasst haben der Bürgermeister und der Gemeinderat ein 14 Hektar großes Areal im Gewanne Taubenbühl nördlich der kleinen Siedlung Gehlmühle. Aus mehreren Gründen „eine optimale Fläche“, wie Ackermann sagt. Sie ist umschlossen vom dichten Baumbewuchs des Pfälzerwaldes und liegt weit entfernt von den Wohnhäusern der Birkenhördter. Optisch stört die Anlage also niemanden. Das Gelände selbst ist etwas nach Süden geneigt, also quasi der Sonne zugewandt. Zudem verläuft in unmittelbarer Nähe eine 20-Kilovolt-Leitung, die das Einspeisen des erzeugten Stroms ins Netz aller Voraussicht nach nicht allzu kompliziert macht. Der bereits angesprochene geringe Nutzwert für die Landwirte kommt noch hinzu.
Dieser letzte Punkt wird bei einem Besuch des Areals sichtbar. Der sonnenverwöhnte Hang ist eine riesige Wiese. Außer ein bisschen Heu wird hier nichts geerntet. Neben diesem subjektiven Eindruck, gibt es mit der Ackerzahl auch den objektiven Beleg dafür, dass das Land nicht sonderlich fruchtbar ist. Die gibt, vereinfacht gesagt, auf einer Skala von sieben (sehr schlecht) bis 100 (sehr gut) an, welche Qualität ein Acker hat. Einer Karte des Landesamtes für Geologie und Bergbau ist zu entnehmen, dass rund die Hälfte der betroffenen Fläche eine Ackerzahl zwischen 20 und 40 hat, der Rest liegt zwischen 40 und 60. Zum Vergleich: Die Areale in Oberotterbach, um die wegen der PV-Pläne gestritten wird, haben Ackerzahlen von 80 bis 85.
Behörde erlaubt Bebauung von Grünzug
Die Voraussetzungen für das Großprojekt PV-Anlage sind also gut. Und es wurde mittlerweile eine weitere Hürde genommen: Das Zielabweichungsverfahren war erfolgreich. Das heißt, dass die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd die Erlaubnis erteilt hat, das als „regionaler Grünzug“ gekennzeichnete Areal zu bebauen. „Das Vorhaben entspricht den Zielen des Verbands Region Rhein-Neckar zum verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien“, heißt es zur Begründung in einem Schreiben der Behörde. Auch „ist davon auszugehen, dass durch das Vorhaben die Funktion des regionalen Grünzugs nicht wesentlich beeinträchtigt wird, da nur ein vergleichsweise kleiner Anteil des großflächig festgelegten Grünzugs in Anspruch genommen wird“. Zudem komme die Studie zur Ermittlung von Eignungsflächen für PV-Freiflächenanlagen im Gebiet der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Vorhabenfläche „Taubenbühl“ um eine der am besten geeigneten Flächen im gesamten Gemeindegebiet handele.
Bis in Birkenhördt aber die Sonne als Stromlieferant genutzt werden kann, muss aber noch eine Menge Vorarbeit geleistet werden. Derzeit führen Gemeindevertreter, allen voran Bürgermeister Ackermann, Gespräche mit den Eigentümern – es sind insgesamt 55 – der betroffenen Grundstücke, die alle gekauft oder zumindest gepachtet werden müssen. Ackermann ist optimistisch, dass dies auch gelingen wird.
„Je kommunaler, desto besser“
Die Kosten für Anschaffung und Aufbau der PV-Anlage schätzt der Ortschef auf acht bis zehn Millionen Euro. Ackermann betont, dass dieses Geld auf keinen Fall von einem Investor kommen darf. Stattdessen soll alles in den Händen der Gemeinde bleiben, die dafür eigens eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) gründen möchte. So kann ein Kredit zur Finanzierung der Anlage aufgenommen werden. Die Gemeinde selbst könne das nicht, erklärt Ackermann mit Blick auf die angespannte Haushaltslage. Der positive Aspekt bei dieser Variante: Über die AöR, deren Verwaltungsrat aus den zwölf Ratsmitgliedern bestehen wird, hat die Gemeinde stets die Hoheit darüber, was auf dem Areal passiert. Und sie profitiert selbst von den Gewinnen.
Mit denen rechnet auch Ackermann, der aber betont, dass das Projekt „nicht ausschließlich aus kommerziellen Gründen“ angestoßen wurde. Vielmehr sei man sich im Rat schon lange darüber einig, dass man keine Windräder haben wolle. Allerdings wisse man auch, dass früher oder später jede Kommune ihren Teil zur Energiewende beitragen muss. Also wurde der Weg in Richtung PV-Anlage eingeschlagen. Ziel sei es, den Bürgern verbilligten Strom anbieten zu können, sagt der Ortschef. Produziert werden soll der von der Energie Südpfalz GmbH, einem vor über zehn Jahren gegründeten Zusammenschluss der Energie Südwest aus Landau sowie der Werke von Annweiler, Bad Bergzabern, Herxheim und Offenbach. Auch hier setzt Ackermann also nicht auf Großkonzerne, sondern auf Regionalität. „Je kommunaler, desto besser“, sagt er.
Wann tatsächlich der Solarstrom vom Taubenbühl hinab nach Birkenhördt fließen kann, ist noch nicht klar. Ackermann möchte das so schnell wie möglich haben. Ohne sich darauf festlegen zu wollen, visiert er das kommende Jahr an.