Interview
Metzger Adam: Wir können mehr als Saumagen und Leberwurst
Was macht einen guten Saumagen aus?
Die verarbeiteten Produkte müssen frisch sein. Frische Kartoffeln, frisches Gemüse, dazu Naturgewürze wie Majoran und Koriander. Das ist die Basis eines guten Saumagens.
Die Südpfälzer Metzgerinnung hat jahrelang mit der Ausrichtung des Saumagen-Wettbewerbs geglänzt. Seit ein paar Jahren ist die Veranstaltung verschwunden. Aber es soll einen Nachfolger geben. Was können Sie verraten?
Es wird einen Wettbewerb geben. Wegen der Fusion der Fleischerinnung Südpfalz mit der der Vorderpfalz wird es aber keinen Saumagenwettbewerb geben. Die Vorderpfälzer hatten früher immer den Leberwurst-Wettbewerb veranstaltet, wir den Saumagen-Wettbewerb. Aber wir Pfälzer Metzger würden gerne darauf hinweisen, dass wir noch viel mehr können als Leberwurst und Saumagen. Wir veranstalten in diesem Jahr also einen Pfälzer Spezialitäten-Wettbewerb.
Was fällt denn da drunter?
Fleischknöpfe, Leberknöpfe, Bratwurst, Bauernschinken, Blutwurst ... im Prinzip alles, was aus der Hausschlachterei produziert wurde. Es gab ja nicht nur Saumagen, die Bratwurst hat es viel früher schon gegeben. Der Saumagen hat durch Helmut Kohl Weltruhm erlangt, klar. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wir Pfälzer essen halt nicht nur Saumagen, sondern auch sehr gerne Bratwurst mit Sauerkraut.
Im neuen Wettbewerb werden dann all diese einzelnen Kategorien eingeführt?
Ja, das ist das Ziel. Wir wollen verschiedene Produkte auszeichnen. Das Signal: Die Pfälzer Fleischer und Metzger können mehr als Saumagen und Leberwurst!
Vor rund 18 Monaten haben wir über Nachwuchsmangel im Metzgerhandwerk gesprochen. Was hat sich da getan? Sieht es noch düster aus oder gibt es ein Licht am Ende des Tunnels für das Metzgerhandwerk?
Die Lage hat sich nicht wesentlich entspannt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Metzgereien immer weniger werden. Somit werden auch die Ausbildungsplätze weniger. Wir haben noch ein paar Azubis, die wir hegen und pflegen. Es ist immer noch schwer, aber ich glaube, es ist langsam ein Umdenken im Gange. Eine Trendwende scheint noch weit weg zu sein, aber ich habe die Hoffnung, dass die Jugend so langsam umschwenkt.
Haben Sie mittlerweile herausgefunden, was man der Jugend bieten muss, damit die sich für eine Lehre im Metzgerhandwerk interessiert?
Ich habe selbst Azubis im Betrieb. Wichtig ist Ehrlichkeit des Chefs. Der Chef muss präsent sein, alles vorleben und die Jugendlichen in die Gemeinschaft aufnehmen. Wenn die Azubis sich wohlfühlen und sich zugehörig fühlen, ist es gut. Dann haben die Jugendlichen auch kein Problem damit, früher anzufangen oder länger zu bleiben, sofern das nicht über einen gewissen Rahmen hinausgeht. Der Chef muss zeigen, dass auch ein körperlich anstrengender Beruf jahrelang ausübbar ist und dass er Spaß macht. Stichwort: Work-Life-Balance.
Sie waren 2022 bundesweit in den Medien wegen Ihres Besuchs beim ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?
Vor 14 Tagen haben wir miteinander telefoniert. Andrij ist derzeit als Botschafter in Brasilien. Wir sind nach wie vor sehr gut befreundet und stehen in Kontakt, ob per Telefon, Live-Chat oder WhatsApp ... Andrij Melnyk wird Schirmherr des neuen Wettbewerbs. Ob er persönlich kommen kann, ist noch nicht klar. Falls es nicht klappt, wird er uns eine Video-Botschaft schicken.