Spirkelbach / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Lebensmittelretter in kleinem Pfälzerwald-Dorf aktiv

Einmal wöchentlich holt Anja Kuntz im Annweilerer Restaurant Umoya bei Michael Hebel nicht verwendete Lebensmittel ab.
Einmal wöchentlich holt Anja Kuntz im Annweilerer Restaurant Umoya bei Michael Hebel nicht verwendete Lebensmittel ab.

Um ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen, organisiert Anja Kuntz ein Foodsharing-Projekt in Spirkelbach. Dafür kooperiert sie unter anderem mit dem Dorfmarkt und dem Pfalzklinikum. Denn sie weiß: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viel wirklich in der Tonne landet.“

Vor zehn Jahren wurde das Foodsharing-Konzept ins Lebens gerufen. Freiwillige Helfer sammeln übrig gebliebene Lebensmittel von gewerblichen Anbietern und Privatleuten ein, die an Lagerstellen – sogenannten Fairteilern – unentgeltlich abgeholt werden können. In größeren oder studentischen Städten verbreitete sich die Bewegung recht schnell – in Landau etwa gibt es seit 2015 ein Foodsharing-Projekt –, seit anderthalb Jahren ist das Konzept auch in einem kleinen südwestpfälzischen Dörfchen mitten im Pfälzerwald angekommen. Dahinter steht die Spirkelbacherin Anja Kuntz.

„Den Leuten ist oft nicht bewusst, dass schon ein abgerissenes Etikett eine Ware im Supermarkt zum Ausschuss macht“, sagt Kuntz, die Menschen über das Projekt für das Thema sensibilisieren möchte. „Wir gehen viel zu unbedarft mit Lebensmitteln um“, findet sie. Nachdem sie durch eine Bekannte, die Lebensmittelretterin im Raum Mannheim ist, von Foodsharing hörte, machte sie sich selbst schlau und stieg mit ein.

25 Leute in Whatsapp-Gruppe

Während des Lockdowns machte sie drei bis vier Touren pro Woche, mittlerweile beschränkt sie sich auf eine Runde pro Woche. Dann holt sie nicht verwendete Lebensmittel bei einer Handvoll Anlaufstellen ab wie Supermärkte, Bäckereien, Restaurants oder bei der Tafel. Foodsharing verwendet auch Lebensmittel nach dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums weiter, solange der Konsum noch bedenkenlos möglich ist. Zudem koordiniert Kuntz die Abholung bei drei Partnerbetrieben. Dafür hat sie jeweils wieder Helfergruppen, die das Einsammeln der Lebensmittel übernehmen. Drei bis zehn Leute stehen ihr wöchentlich zur Seite – von jungen Studenten bis zu Rentnern, die sich engagieren möchten.

All das landet dann im Fairteiler auf ihrem Grundstück – also in ihrem Schuppen im Garten. Kommt neue Ware an, macht sie davon ein Foto und stellt es in ihre Whatsapp-Gruppe. Dann kann sich jeder daran bedienen. 20 bis 25 Leute seien beteiligt, die meisten aus dem Dorf. Foodsharing sei nicht auf Bedürftigkeit ausgerichtet, sondern es spreche Menschen an, die nicht wollen, das etwas verschwendet wird, macht Kuntz deutlich. „Wenn die Leute sehen, wie viel dabei zusammenkommt, sind sie meist überrascht. ,Ach, krass, ist das wirklich so schlimm’, höre ich oft“, berichtet Kuntz.

Kooperation mit Pfalzklinikum

Kühlwaren lagert sie bei sich im Haus, dann wird einfach kurz geklingelt. „Das ist nicht so wie in Landau, wo es offene Fairteiler gibt. Fremde Leute würde ich jetzt nicht auf mein Grundstück lassen, aber hier kenne ich ja alle“, erklärt die Spirkelbacher Projektleiterin. Kuntz’ Fairteiler dient auch als Umschlagplatz für Waren von Privatleuten, die überschüssige Lebensmittel loswerden möchten, zum Beispiel wenn sie in den Urlaub fahren, etwas gekauft haben, das ihnen nicht schmeckt, oder wenn beim Marmeladekochen einfach zu viel zusammenkam. „Das ist ein Kreislauf“, freut sich Kuntz.

Die drei Partnerbetriebe, die sie betreut, sind das Pfalzklinikum in Klingenmünster, wo Kuntz auch arbeitet, das Restaurant Umoya im Annweilerer Kurpark und der Spirkelbacher Dorfmarkt. Wer bei Foodsharing Betriebsverantwortlicher sei, müsse sich auf der Internet-Plattform anmelden, Fragen beantworten etwa zu Hygienevorschriften und Kühlketten, bekomme eine Einweisung und schließe Verträge mit den Kooperationsbetrieben ab, erklärt Kuntz. Bei jedem der drei Partner laufe das Abholen anders ab. Im Restaurant bekomme sie meist fertige Ware wie gekochten Reis oder geschnippelte Paprika, im Klinikum meist die Reste vom Mittagsessen aus dem Mitarbeiterkasino. Wegen der strengen Hygienevorschriften in Krankenhäusern wird in Klingenmünster alles fertig abgepackt und kontaktlos übergeben.

Nachhaltiger Wochenmarkt im Dorf

Den Spirkelbacher Mittwochsmarkt gibt es seit mittlerweile über einem Jahr dank des Engagements von 20 Helfern aus dem Dorf. Der Verein Dorfkult betreibt dort einen großen Stand mit Waren verschiedener regionaler Anbieter. Was an Obst und Gemüse nicht über den Tresen geht, kauft das Hotel Felsentor in Hauenstein ab. Und was dieses nicht abnimmt, geht an Kuntz’ Foodsharing-Projekt.

Info

Die Spirkelbacher Foodsharing-Gruppe ist mit 25 Teilnehmern aktuell gut belegt. Anja Kuntz beantwortet aber gerne Fragen rund um das Thema und freut sich über Unterstützer. Man kann mit ihr Kontakt aufnehmen per E-Mail an kuntz-anja@web.de.

x