Spirkelbach RHEINPFALZ Plus Artikel Regional und nachhaltig: Ein ganz besonderer Dorfmarkt

Auch Regenwetter schreckt die treuen Marktbesucher nicht ab.
Auch Regenwetter schreckt die treuen Marktbesucher nicht ab.

Der Spirkelbacher Mittwochsmarkt ist ein kleines, aber feines Unikat. 20 Helfer engagieren sich, damit zweimal im Monat allerlei regionale Köstlichkeiten angeboten werden können. Was nicht verkauft wird, wird nachhaltig weiterverarbeitet. Und der Dorfverein hat noch mehr kulinarische Ideen.

Ein grünes Banner über der Straße kündigt ihn schon aus der Entfernung an. Mitten auf dem Dorfplatz, mitten in der Woche, mittig zwischen Annweiler und Hauenstein liegt er: der Spirkelbacher Mittwochsmarkt. Bald kann er seinen ersten Geburtstag feiern. Dass der Verein Dorfkult ihn ins Leben gerufen hat und auf welche Art er ihn aufzieht, das ist auch eine kleine Hommage an Ruth Bär. Die Spirkelbacher sind stolz auf ihre Ruth und schätzen sie. Schon mit fünf Jahren stand sie im Gemischtwarenladen ihrer Eltern und half beim Umfüllen und Wiegen. Später übernahm sie den Tante-Emma-Laden und steht bis heute morgens um 5 Uhr im Geschäft, wenn der Bäcker frische Brötchen anliefert. Wohlgemerkt, mit 90 Jahren. Und ans Aufhören denkt die rüstige Seniorin noch lange nicht.

Allerdings, über kurz oder lang müsse man sich ja doch schon Gedanken machen, wie es weitergehen soll, wenn „die Ruth“ ihren Laden nicht mehr weiterführen kann, sagt Frank Schmidt vom Verein Dorfkult, der sich seit knapp 20 Jahren um die Belebung des Gemeindegeschehens verdient macht. So entstand die Idee zum Dorfmarkt, sozusagen als Vortest für die Frage, ob und wie sich ein neuer Dorfladen im Ort etablieren könnte, wie Schmidt erklärt. Wichtig sei allen das Miteinander. „Wir wollen keine Konkurrenz sein.“ Deswegen bezieht das Dorfkult-Team das Obst und Gemüse vom selben Lieferanten wie der Hauensteiner Markt, und zwar vom Marienhof in Gommersheim. „Und die Freilandeier und das Brot bestellen wir über Ruth.“

Spirkelbacher Mittwochsbrot ist der Renner

Die Laibe der Bäckerei Burkard aus Wernersberg wollen sich die Kunden auch nicht entgehen lassen. Extra für den Markt wird ein Spirkelbacher Mittwochsbrot gebacken, viel Roggen, ein bisschen Weizen und sechs Pfund schwer. Ein Viertel davon landet immer im Einkaufstrolley von Melitta Fabeck. „Das schmeckt so gut. So ein Sechspfünder ist einfach etwas Besonderes im Geschmack“, schwärmt die Spirkelbacherin, während sie Radieschen und Gurken einpackt. Da ist bestimmt auch noch Platz für einen Abstecher fünf Meter zur Seite, wo Käse Wissmann aus Maxdorf seinen Stand aufgebaut hat. „Der hat so tolle Sachen, da könnte ich mich reinlegen“, ist Melitta Fabeck ganz begeistert. Von Beginn an besucht sie den Dorfmarkt, ob bei Sonnenschein, Schnee oder Regen. „Hier ist alles regional, das muss man unterstützen. Und es ist einfach schön.“ Und wer nicht so viel Zeit wie Melitta Fabeck mitbringt, der kann seine Waren auch vorbestellen und fertig zusammengepackt abholen.

Fünf bis sieben Händler bauen sich alle zwei Wochen auf dem Platz neben dem Dorfgemeinschaftshaus auf. Neben dem großen Stand von Dorfkult mit Obst, Gemüse, Backwaren, Mehl, Honig und mehr der Käsestand, der Wildstand von Emma Rück aus Hochstadt, der Saft- und Flammkuchenstand des Pfälzer Backstübel aus Erlenbach, verschiedene Kunsthandwerkerstände und der Fleischstand der Gallowayzucht auf dem Josefshof in Völkersweiler. Dass dieser hier zu finden ist, ist auch wieder ein Beispiel dafür, wie die Gemeinschaftsrädchen zusammenlaufen. Die Spirkelbacherin Andrea Adam hat Verbindungen zum Josefshof und angefragt, ob dieser den kleinen Dorfmarkt bedienen will. Dafür hätte dieser jedoch keine Kapazitäten gehabt. Daraufhin schlug sie vor, den Verkauf ehrenamtlich selbst zu übernehmen, und so konnte sich das Marktteam über einen weiteren Anlaufpunkt freuen. „Und mir macht es Spaß, man kommt mit Leuten in Kontakt und kann gute Gespräche führen.“ Immer wieder kämen auch mal Urlauber, die es interessant fänden, dass so ein kleiner Ort einen Markt hat, der die ganze Grundversorgung abdeckt. Bei Andrea Adam gibt’s die ganze Palette des Bio-Fleischs der Zottelrinder – und Knochen zum Verschenken.

Nicht Verkauftes geht an Foodsharing-Projekt

Allerdings, nach dem guten Start mit bis zu 150 Gästen aus den Verbandsgemeinden Hauenstein, Annweiler und Dahn sah es in den vergangenen Monaten nicht mehr so rosig aus. Deswegen will das Marktteam jetzt noch mehr Präsenz zeigen und hat schon Pläne – wenn die Corona-Daumenschrauben wieder gelockert sind –, um aus dem Markt nicht nur einen Verkaufsplatz, sondern auch einen sozialen Treffpunkt zu machen. Im Dorfgemeinschaftshaus soll ein Ausschank mit Kaffee und Kuchen eingerichtet werden. Und jeweils am Donnerstag nach dem Markt ist ein vegetarischer Mittagstisch geplant, aus dem Obst und Gemüse, das nicht verkauft wurde, erklärt Vereinsmitglied Adelheid Kirchner.

Lebensmittel zu retten ist ihr ein wichtiges Anliegen. Und so landet beim Dorfkult-Team nichts in der Tonne. Obst und Gemüse, das keinen Abnehmer findet, kauft das Hotel Felsentor in Hauenstein ab und verwendet es in seiner Küche. Neben dieser Kooperation gibt es eine weitere mit dem Foodsharing-Projekt von Anja Kuntz. Die Spirkelbacherin sammelt bei Restaurants und Geschäften in der Umgebung übrig gebliebene Lebensmittel ein, die sich Menschen dann bei ihr abholen können. Wer Interesse hat, kann jeweils um 18 Uhr auf den Markt kommen und erhält dann von ihr die Kontaktdaten.

Info

  • Der Spirkelbacher Wochenmarkt neben dem Dorfgemeinschaftshaus ist jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr.
  • Der Bestellbogen liegt zum Download unter www.spirkelbach.com bereit. Weitere Infos per E-Mail unter mittwochsmarkt-spirkelbach@web.de.

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