Kreis Südliche Weinstraße Kommentar: Narrenfreiheit

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Das Wort Volksverräter ist Nazi-Vokabular. Faschingsumzüge sind keine

Propagandamärsche. Die Macher sollten wissen, dass hier der Spaß aufhört.

Wie weit dürfen Narren gehen? Was ist noch Humor, was schon Hetze? Beim Umzug in Bad Bergzabern war ein Wagen unterwegs, der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Foto hinter Gittern zeigte, darunter stand der Spruch: So ergeht es Volksverrätern. Fällt das noch unter die Narrenfreiheit? Nein. Denn wer mit Nazi-Begriffen hantiert, missbraucht Faschingsumzüge als Propagandamärsche und wirbt bei einer Veranstaltung mit einer zutiefst freiheitlichen Tradition für Unfreiheit. Der Sinn der politischen Fasnacht liegt doch darin, dass sich die Menschen frank und frei über die Mächtigen lustig machen. Ironisch, überspitzt, gerne auch scharf. Kritik an der Bundeskanzlerin ist erlaubt – und zwar für jeden. Selbstverständlich ironisch, überspitzt, gerne auch scharf. Das Präsentieren dumpfer Pegida-Parolen hat damit allerdings nichts mehr zu tun. Den Pseudo-Narren ist es bitterer Ernst. Und wer sich Begriffen aus dem Wörterbuch des Unmenschen bedient, leidet entweder an Geschichtsdemenz oder er möchte bewusst muffige Ressentiments bedienen. Bad Bergzabern gehört ganz sicher nicht zu Dunkeldeutschland. Genauso wenig wie Pleisweiler-Oberhofen und Oberotterbach, bei deren närrischem Treiben der Volksverräter-Wagen ebenfalls dabei war. Die meisten Jecken wollen gemeinsam fröhlich feiern, es geht ihnen um den Spaß, nicht ums Spalten. Die Verantwortlichen der Faschingsumzüge müssen sich aber selbst kritisch fragen, ob sie künftig solche Motive zulassen, die sich die „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Nazis zusammengesponnen haben. Sie müssen hinschauen, damit der Sinn der Fasnacht nicht pervertiert wird und die vielen toleranten Narren ideologisch nicht in Sippenhaft genommen werden. Da sollte für die Macher der Umzüge wirklich der Spaß aufhören.

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