Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchturm muss weichen: Großer Einschnitt

Haben die Kirchenorgel unter die Lupe genommen (von links): Orgelsachverständiger Andreas Schmidt, Pfarrerin Almendra Garci de R
Haben die Kirchenorgel unter die Lupe genommen (von links): Orgelsachverständiger Andreas Schmidt, Pfarrerin Almendra Garci de Reuter, Orgelbaumeister Markus Grasser und Wolfgang Heilmann.

Es ist bitter, dass die Protestanten ihren Kirchturm nicht halten können. Ihre Entscheidung ist richtungsweisend.

In Klingenmünster können die Protestanten von Glück reden, dass ihr Kirchengebäude noch in einem guten Zustand ist. Was auf den Turm leider nicht zutrifft. Angesichts der hohen Kosten kann es sich die Kirchengemeinde nicht leisten, ihn zu erhalten. Es wird der Tag kommen, an dem auch das Gotteshaus Sanierungsbedarf haben wird. Kleine Vorboten zeigen sich: die Schädlingsbekämpfung, die bald nötig sein wird, um die Orgel nicht dem Holzwurm zu überlassen.

Der Kirchturm ist nicht irgendein Bauwerk. Davon abgesehen, dass er seit fast sechs Jahrzehnten das Ortsbild prägt, steht dessen Abriss symbolisch dafür, was Kirchengemeinden drohen kann: Weil es aus diversen Gründen immer weniger Kirchensteuerzahler gibt und deshalb der Gürtel enger geschnallt wird, müssen die Verantwortlichen auch strenger prüfen, wofür sie noch Geld ausgeben. In Landau ist absehbar, dass die katholische Kirche St. Albert auf der Wollmesheimer Höhe abgerissen werden muss.

Die Presbyter in Klingenmünster haben jedenfalls für den Rückbau ihres Kirchturms votiert und damit eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Statt in Steine zu investieren, geben sie ihre Mittel lieber in andere Projekte. Projekte, die auch dazu dienen sollten, Menschen für den kirchlichen Glauben und kirchliches Engagement zurück- oder neu zu gewinnen. Das wird auch nötig sein, um schlimmere Szenarien als den Turmabriss zu vermeiden.

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