Klingenmünster RHEINPFALZ Plus Artikel Küchenchef erweckt „Zum Fuchsbau“ wieder zum Leben

Drinnen in der guten Stube: Tim Boßle möchte Anfang Februar im Fuchsbau loslegen, der genaue Eröffnungstermin steht aber noch ni
Drinnen in der guten Stube: Tim Boßle möchte Anfang Februar im Fuchsbau loslegen, der genaue Eröffnungstermin steht aber noch nicht fest.

Wer Tim Boßle sucht, findet ihn meist am Herd. Der 30-Jährige ist nämlich Koch. Seit acht Jahren zaubert er Restaurantbesuchern in Klingenmünster pfälzische Spezialitäten auf den Teller. Er wird zwar weiterhin in der Weinstraße arbeiten. Doch beginnt für ihn auch ein neues Abenteuer.

Für Tim Boßle hat das neue Jahr so angefangen, wie das alte aufgehört hat. Er muss niemanden bekochen. Wenn er Essen zubereitet, dann nur für sich selbst, höchstens noch für die Freundin. Im Dezember hatte sich Boßle den Urlaub vom Klingenmünsterer Wirt Jakob Mathis genehmigen lassen, bei dem er in der Küche stand. Seit Neujahr muss der gebürtige Landauer weder ihn noch jemand anderen um Erlaubnis bitten, um sich für ein paar Tage oder Wochen frei zu nehmen. Boßle ist nun sein eigener Chef.

Der 30-Jährige ist der neue Pächter des Lokals „Zum Fuchsbau“, das von seinem bisherigen Arbeitsplatz in der Weinstube Mathis nur ein Katzensprung entfernt ist. Beide Lokale befinden sich an der Weinstraße, nur wenige Schritte voneinander entfernt. Bis zur Wiedereröffnung sind es noch ein paar Tage. Wann die ersten Besucher empfangen werden, steht allerdings noch nicht fest. Was auch an dem Kassensystem liegt, auf dessen Lieferung der Koch wartet. Die Wirtschaft ist jedenfalls herausgeputzt worden. Bis zu 40 Gäste sollen dort ab Anfang Februar einen Platz finden. Wieder. Das Lokal hat nämlich Tradition.

Historische Gemäuer freigelegt

Es wurde lange Zeit von der Familie Bader als Weinstube betrieben, ehe diese die Verantwortung in die Hände ihrer langjährigen Angestellten Sabrina Dietz gaben. Wegen Corona und vor allem des Personalmangels in der Gastro-Szene musste die Pächterin Ende 2020 das Handtuch werfen und den Fuchsbau schließen.

Wer die Lokalität kennt, wird sie teilweise nicht mehr wiedererkennen: neue Fliesen, eine neue hergerichtete Küche, neue sanitäre Anlagen. Das Holz am Mobiliar wurde geschliffen und geölt. Das schummrige Licht sorgt für eine heimelige Atmosphäre. An der Wand kommt an manchen Stellen das historische Gemäuer des Gebäudes zum Vorschein, das einst eine Tankstelle und einen Friseursalon beherbergte. Das Mauerwerk wurde freigelegt, wie Boßle berichtet. Der neue Eigentümer der Immobilie hat einiges in die Renovierung der Räume investiert.

Abenteuer Schweiz zurückgestellt

Boßle hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt, sich selbstständig zu machen. Er hat schließlich schon in einigen Küchen Gerichte in der Pfanne brutzeln lassen. Erste Erfahrungen sammelte er in der Friesenstube in Arzheim. Noch heute pflege er Kontakt zur Familie Ebsen, die das Lokal betreibt. Danach war er in Pleisweiler-Oberhofen, Edesheim und Ruppertsberg beschäftigt, bevor es Boßle ins Landeckdorf verschlug. Das hat er seiner Mutter zu verdanken, wenn auch nur indirekt.

Durch ihre Freundschaft mit Wilfried Mathis kannte auch der Sohnemann den früheren Chef der Gaststätte in Klingenmünster, wo er ab 2014 die Kochschürze trug. Auch wegen der familiären Atmosphäre gefiel es ihm so gut, dass er dort sieben Jahre lang kochte. Er verwarf auch den Plan, in der Schweiz Fuß zu fassen. „Das hatte ich ursprünglich in meinem Werdegang so vorgesehen, weil es in der Branche oft empfohlen wird“, berichtet Boßle. Wiederholt über seine Mutter entstand im Sommer vergangenen Jahres der Kontakt zu dem neuen Eigentümer des Fuchsbaus, der Boßles Herz für die Wirtschaft erwärmen wollte.

Gutbürgerliche Küche vorgesehen

Boßle kam ins Grübeln. Auch wegen Corona hat er Nächte darüber schlafen müssen, auch wenn ihn diese neue Aufgabe in neuer Rolle reizte. Die Familie und die Freundin ermutigten ihn dazu, die Chance zu ergreifen. Nach dem Prinzip: wenn nicht jetzt, wann dann? Boßle sagte zu. Er investierte einen niedrigen fünfstelligen Betrag, unter anderem in die Ausstattung, sprich Teller, Gläser, Besteck. Auch spezielle Küchengeräte hat er zusätzlich für sein neues Reich erworben.

Servieren möchte der 30-Jährige gutbürgerliche Küche. Die Speisekarte liegt schon im Entwurf vor. Darin gelistet sind Speisen, die ihn an seine Oma erinnern, etwa Grumbeersupp oder Grumbeerpfanneküchle. „Bei meiner Oma hat es immer am besten geschmeckt. Ihr Level möchte ich erreichen und meinen Gästen näherbringen“, sagt der Enkel. Ehrliche Pfälzer Küche wie bei der Oma, das sei sein Motto. Seine Großmutter sei es auch gewesen, die seine Leidenschaft für den Beruf des Kochs weckte.

Originelle Speisenamen

Originell sind die Namen, die Boßle sich für manche pfälzische Spezialitäten einfallen ließ. So soll in der Weinstraße bald ein Weinstraßen-Burger bestellt werden können, ebenso eine Minschder Schweinefiletpfanne oder eine Klingbacher Platte mit Saumagen, Bratwurst, Sauerkraut und Co. In Anlehnung an den Klingbach, der durch den Ort fließt.

Boßle möchte den Laden zunächst alleine schmeißen. Mit Unterstützung seiner Partnerin, die sich zusammen mit einer Freundin um den Service kümmern wird. Je nachdem, wie es läuft, sollen Minijobber das Team verstärken. Von Juni bis Oktober soll der Fuchsbau an sechs Tagen die Woche geöffnet haben, in den restlichen Monaten möchte sich Boßle einen weiteren Ruhetag gönnen.

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