Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Hornbach-Hotel-Projekt nimmt erste Gremien-Hürde

Die Holz-Hütten und Baumhäuser sollen sich in die Waldlandschaft einfügen.
Die Holz-Hütten und Baumhäuser sollen sich in die Waldlandschaft einfügen.

Holz-Hütten, Baumhäuser, Wellnessbereich: Familie Hornbach will ihr Jugendstilhotel in Bindersbach erweitern und ihm eine neue Ausrichtung geben. Die erste Gremien-Hürde hat das Projekt jetzt genommen. Ein Kompromissvorschlag soll Kritiker besänftigen

Bisher gaben sich im Jugendstilhotel in Bindersbach, das die meisten noch unter dem Namen Kurhaus Trifels kennen, Tagungsgäste und Hochzeitsgesellschaften die Klinke in die Hand. Hatte Baumarkt-Chef Albrecht Hornbach den 1911 errichteten Bau doch einst vom Land gekauft, um darin ein Seminarhotel für die Wissenschaft einzurichten. Auch für Feierlichkeiten ist das imposante Gebäude am Rande von Bindersbach gefragt. Doch die Nachfrage von Erholungssuchenden, die dort einen längeren Aufenthalt genießen wollen, wächst. Die 20 Zimmer reichen schon lange nicht mehr. Deswegen spielt Familie Hornbach – betrieben wird das Hotel von Albrecht Hornbachs Ehefrau Bettina – schon seit Jahre mit dem Gedanken, das Hotel zu erweitern. Nun sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Die Bettenzahl soll in zwei Ausbauschritten von aktuell 40 auf 135 steigen. Untergebracht werden sollen diese in elf würfelförmigen Holz-Lodges und drei „Baumhäusern“ – eigentlich Stelzenhäusern –, die am Waldrand Richtung Markwardanlage geplant sind. Zudem soll das historische Gebäude um einen Konferenzsaal erweitert werden. Und auf dem Areal des Tennisheims soll ein Wellnessbereich für Hotelgäste entstehen. Der Tennisclub war an die Hornbachs herangetreten, weil er sich verkleinern und einen Teil seines Geländes verkaufen will.

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Verkehr soll aus dem Ort rausgehalten werden

„Ein tolles Projekt mit Signalwirkung, das Annweiler und dem Trifelsland eine große Entwicklungschance bietet“, findet Stadtbürgermeister Benjamin Seyfried. Und mit dieser Ansicht ist er nicht alleine. Auch alle anderen Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses zeigten sich begeistert und sprachen dem Projekt unisono ihre Empfehlung aus. Die Stadt hatte die Sitzung kurzfristig auch im Internet live übertragen, weil die Hotel-Erweiterung gerade Gesprächsthema Nummer eins im Ort ist. Denn es gibt auch ablehnende Stimmen, und der Ortsbeirat Bindersbach hat dem Vorhaben vor Kurzem mit fünf Nein- gegen drei Ja-Stimmen sein Veto erteilt. Der Kritikpunkt: Einige Anwohner fürchten um ihre Ruhe im Dorf. Mit zunehmender Bettenzahl werde auch der Verkehr und der Geräuschpegel, der vom Hotel ausgeht, zunehmen, argumentieren sie.

„Wir haben die Bedenken aufgenommen und einen guten Kompromiss gefunden, der das Kleinod Bindersbach erhält“, leitete Seyfried die Präsentation von Andreas Richter vom Büro Kubus ein. Was wurde an der Planung geändert? Für den zunächst beim Tennisheim geplanten großen Parkplatz wurde ein neuer Standort gefunden. Und zwar noch vor dem Ortseingang zwischen Kreisstraße und Bach unterhalb des Pumpenhäuschens. So müssten Hotelgäste nicht extra durch den Ort fahren. 22 Stellplätze könnte man dort unterbringen. Über einen geschlängelten Weg oder eine Treppe gelangen die Gäste nach oben zum Hotel. Für den Gepäcktransport, Rollstühle und Ähnliches könnte man einen Treppenlift einbauen, kündigte Richter an. Der Radweg würde dafür etwas verlegt werden. Zudem werde die maximale Größe der neuen Gebäude genau festgelegt. Die Lodges etwa sollen 8,5 mal 8,5 Meter groß und sechs Meter hoch sein.

Lärm: Richtwerte werden eingehalten

Weil sich die Ausrichtung des Hotels vom kurzzeitigen Seminarbesuch hin zum naturnahen Urlaub ändern soll, werde die Aufenthaltsdauer länger. Dies wiederum spiegele sich in der Verkehrsprognose wider, erklärte Richter und legte Zahlen vor. Laut einer Verkehrszählung des Landesbetriebs Mobilität von 2017 sind täglich 1077 Fahrzeuge Richtung Bindersbach unterwegs. Bei aktuell 40 Betten und 1,5 Tagen Verweildauer entfallen 47 Autos pro Tag auf den Hotelbetrieb. Bei einer Erweiterung auf 95 Betten bei einer Verweildauer von 2,5 Tagen wäre es 53 Autos pro Tag, beim Endausbau mit 135 Betten 71 Autos pro Tag. Ein Lärmgutachten habe ergeben, dass der Geräuschpegel, der vom Hotel und der vom Verkehr ausgeht beziehungsweise bei einer Erweiterung ausgehen würde, die Richtwerte unterschreitet, berichtete Richter.

Sowohl er als auch der Stadtbürgermeister machten deutlich, dass man erst am Anfang des Verfahrenswegs stehe und im weiteren Abwägungsprozess noch Änderungen möglich seien. So liefen bis Herbst noch umwelt- und landschaftsplanerische Untersuchungen, es bestehe Abstimmungsbedarf mit der Denkmalpflege, und natürlich solle auf die Bedenken vor Ort eingegangen werden, führte Richter aus. Nachdem der Bauausschuss nun dem Vorhaben seine Empfehlung gegeben hat, wird die dafür nötige Änderung des Bebauungsplans „Kurhausstraße“ am 19. Mai im Stadtrat erstmals behandelt. Einen Tag zuvor wird sich der Ortsbeirat Bindersbach erneut mit dem Thema befassen. Für die Sitzung hat sich auch Albrecht Hornbach angekündigt. Dann wird sich zeigen, ob das Gremium bei seinem Nein bleibt oder ob man sich mit den geänderten Plänen anfreunden kann. Das Votum sollte dann auch das städtische Gremium berücksichtigen, findet Dagmar Lange (Grüne). Schließlich habe sich der neue Stadtrat auf die Fahnen geschrieben, die Rechte der Ortsteile zu stärken und nicht über Köpfe hinweg zu entscheiden, erinnerte sie.

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