FREIMERSHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Gerhard Salm und Rudolf Tischer zu Ehrenbürgern von Freimersheim ernannt

Die neuen Ehrenbürger Gerhard Salm (Dritter von links) und Rudolf Tischer (Vierter von links) mit (von links) Ortsbürgermeister
Die neuen Ehrenbürger Gerhard Salm (Dritter von links) und Rudolf Tischer (Vierter von links) mit (von links) Ortsbürgermeister Daniel Salm, Verbandsbürgermeister Olaf Gouasé, Landrat Dietmar Seefeldt und dem Ortsbeigeordneten Klaus Barth

Ehre wem Ehre gebührt: Rudolf Tischer und Gerhard Salm haben nachhaltige Spuren in der Ortsgemeinde Freimersheim hinterlassen – seit Samstagabend sind die ehemaligen Ortsbürgermeister Ehrenbürger der Gemeinde. Im Beisein vieler Bürger und Wegbegleiter wurden ihnen die Ehrenbürgerwürde als Beweis gelebter Gemeinschaft verliehen.

25 Jahre in der Kommunalpolitik, davon 15 Jahre als Ortsbürgermeister war Rudolf Tischer. Gerhard Salm zählt 35 Jahre in der Kommunalpolitik, davon 15 Jahre als Ortsbeigeordneter und 15 Jahre als Ortsbürgermeister – beides zeuge von großem Engagement und nachhaltigen Spuren in der Ortsgemeinde, die jeder auf seine Art hinterlassen habe, betonte Ortsbürgermeister Daniel Salm, der zu diesem besonderen Anlass erstmals die Ortsbürgermeisterkette trug. Bisher hat die Gemeinde die Ehrenbürgerwürde erst zwei Mal verliehen: 1952 an Martin Salm (Ortsbürgermeister von 1925 bis 1939) und 1999 an Kurt Rummel (Ortsbürgermeister von 1964 bis 1979). Der einstimmige Ratsbeschluss im Dezember vergangenen Jahres ebnete den Weg für die besondere Veranstaltung in der Frimarhalle.

Persönlichkeiten seien reife Menschen mit Lebenserfahrungen und ausgeprägten Charaktereigenschaften, sagte Landrat Dietmar Seefeldt zur Vergabe der Ehrenbürgerwürde an Rudolf Tischer. Dass sich der heute 84-Jährige verpflichtet gefühlt habe, das Amt des Ortsbürgermeisters anzunehmen, spreche für seine Persönlichkeit. Sonntags in der Frühe habe der damalige Ortsbürgermeister Kurt Rummel angerufen. Rummel hatte bekanntgegeben nicht mehr für das Amt zu kandidieren. Und auf der Suche nach einem Nachfolger habe der Gesprächskreis an Rudolf Tischer gedacht. So gehe es einem, „wenn man ein guter Kerl ist“ – wird Tischer in diesem Zusammenhang zitiert.

Tischer hilft dem Deutschen Wetterdienst

Die Zusage sei ein Glück für Freimersheim gewesen, beleuchtete der Landrat Maßnahmen und Projekte in dessen Zeit als Ortsbürgermeister: Bau der Friedhofshalle, Ausbau Verbindungsweg Kirchstraße – Ortsmitte, Neubaugebiet „Im großen Garten“, Mitgliedschaft im Verein SÜW Edenkoben, Renovierung Sitzungszimmer im Rathaus mit Außenanstrich, Gasversorgung der Gemeinde, Inbetriebnahme der Gas-Übergabestation in Freimersheim sowie dessen „größtes Projekt“, der Kindergartenneubau. Seit jeher habe Tischer eine demokratische Grundeinstellung, in der „jeder etwas zu sagen hat, ohne Klüngel, ohne Partei, wenn das auch negativ sein kann.“

Als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst kenne Tischer die 550 Hektar große Gemarkung wie seine Westentasche, seit 1984 halte Tischer seine Beobachtungen an Wildpflanzen, Forst- und Ziergehölzen, Dauergrünland, landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, Obst und Reben fest, die Kalender-Tagebücher werden am Ende des Jahres an den Wetterdienst weitergegeben. Auch Polleninformationen gibt Tischer täglich weiter. Dass die Bevölkerung mitgezogen und auch mitangepackt habe, das sei ihm immer wichtig gewesen. Tischer dankte für diesen „besonderen Abend“, er habe nie damit gerechnet Ehrenbürger zu werden und so gelte sein Dank insbesondere dem Gemeinderat für den einstimmigen Beschluss. Eine Bitte äußerte er auch: Er wünsche sich einen Nachfolger mit wachen Augen für die Natur, für die phänologischen Beobachtungen und für die Fortführung seiner Arbeit.

Fritz Walter zum Sportplatz kutschiert

Gerhard Salm - ein „politisches Urgestein – bodenständig, verlässlich, berechenbar, fair, ehrlich, klug“ und gesellig, so der Laudator Bürgermeister Olaf Gouasé und griff auf, was „Gerle“ bei seiner Verabschiedung aus dem Ortsbürgermeisteramt im November 2009 gesagt habe, er „schaue dankbar rückwärts, gläubig aufwärts und mutig vorwärts“. War schon der Großvater Martin Salm Ortsbürgermeister und Ehrenbürger, waren es nicht ausschließlich die Gene, die ausschlaggebend für das kommunalpolitische Mandat waren. Ein Schlüsselerlebnis für den 22-jährigen Gerhard Salm und sein Engagement sei die Einweihung des Sportplatzes 1962 gewesen. Damals habe er mit eigener Kutsche und eigenem Pferd keinen Geringeren als Fritz Walter, der eigens zu diesem Anlass nach Freimersheim kam, chauffiert.

Die Wegmarken seiner Zeit an der Spitze der Gemeinde: die Bauendphase und Indienststellung der Kindertagesstätte, die Generalsanierung und Modernisierung der ehemaligen Kulturhalle und heutigen Frimarhalle, das Neubaugebiet Rieshübel, der Lückenschluss des Radweges „Vom Rhein zum Wein“ von Freimersheim nach Hochstadt. Ein Meilenstein: der Abriss der früheren Wirtschaft „Zum Hirsch“ und der Wiederaufbau als Haus der Gemeinde, Vereine, Senioren und Jugend. „Kluge kommunalpolitische Entscheidungen“ - die durchgehend erkennbare Handschrift von Gerhard Salm, der auch in seiner Zeit als Verbandsgemeinderatsmitglied eine wichtige Stütze und kluger Ratgeber war, immer ehrlich, anständig, gerade heraus“, dankte Gouasé.

Enorme Lebensleistung

Eine enorme Lebensleistung habe Salm vollbracht, für die Mitbürger in Freimersheim, in der Verbandsgemeinde Edenkoben wie auch in der gesamten Region. Mutig aufwärts schauend – ohne den Glauben vor sich hertragend oder missionierend - und nach wie vor aktiv als Sänger im Chor, Feldgeschworener, Sammler für die Kriegsgräberfürsorge und in der Seniorenarbeitsgruppe beweise der 80-jährige Gerhard Salm nach wie vor, dass es sich wie er sagt, „lohnt für Freimersheim, für die Verbandsgemeinde und für das ganze Gebiet einzusetzen. Man hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten, man soll nicht nur nehmen, sondern auch geben.“ Trotz der Vorbereitung auf diesen Abend sei er „überwältigt und ergriffen, über diese große Ehre, die ihm zu teil werde, dankte Salm für warmherzige und ehrliche Laudation und für die höchste Auszeichnung die eine Ortsgemeinde vergeben könne. Und betonte dabei, er tue „eigentlich nur seine Pflicht als Staatsbürger“ und dankte all seiner Familie, seinen Freunden und Wegbegleitern, denn so etwas funktioniere nur, „wenn alle an einem Strang ziehen“.

Die Chöre des Kulturvereins, der Gemischte Chor und Four connected sorgten unter der Leitung von Beate Dittmann für so manche Überraschung, führten einen humorvollen Smalltalk, sangen Loblieder auf das Leben im hier und jetzt und auf Freimersheimer Mädchen. Die Kinder der Kindertagesstätte „Spatzennest“ sangen von einem Licht, das in allen strahlt.

Zur Person

Rudolf Tischer

Juli 1969 bis Juli 1979 Ratsmitglied, Juli 1979 bis Juli 1994 Ortsbürgermeister, Nachfolger von Kurt Rummel. Beruf: Landwirt und Winzer; Engagement: 15 Jahre Wehrführer der Feuerwehr Freimersheim, zehn Jahre Schriftführer und zweiter Vorsitzender des MGV Gemischten Chors (heute: Kulturverein), Mitglied in der Bauern- und Winzerschaft; Auszeichnungen: Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz, Urkunde des Gemeinde und Städtebundes für 20-jähriges Engagement.

Gerhard Salm

April 1974 bis Juli 1989 Erster Beigeordneter, Juli 1989 bis 1994 Ratsmitglied, Juli 1994 bis August 2009 Ortsbürgermeister; Verbandsgemeinderat: Februar 1985 bis Juni 1994 sowie Juli 1999 bis Juni 2009 Ratsmitglied; Beruf: Landwirt und Winzer; Engagement: 18 Jahre Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft, 16 Jahre Vorsitzender des MGV Gemischten Chors Freimersheim (heute: Kulturverein), zwölf Jahre Presbyter, Mitbegründer der Maschinenbetriebsgemeinschaft, 30 Jahre Aufsichtsratsmitglied der Raiffeisenbank Oberhaardt Gäu, Gründungsmitglied der FWG, Mitglied Thüga und Winzergenossenschaft Rhodt; Auszeichnungen: Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz, Ehrenurkunde des Genossenschaftsverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz/ Thüringen, Goldene Wappennadel des Landkreises Südliche Weinstraße und Ehrenurkunde des Gemeinde- und Städtebundes für 35-jähriges Engagement.

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