Bad Bergzabern / Balsthal RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer im Tunnel: Pfälzer Feuerwehrleute üben in der Schweiz

Die Übungsanlage in der Schweiz bildet die Details in einem Straßentunnel eins zu eins ab.
Die Übungsanlage in der Schweiz bildet die Details in einem Straßentunnel eins zu eins ab.

Ein Unfall in einem Tunnel. Feuer, Qualm, Verletzte – eine Horrorvorstellung für die Feuerwehr. Einsatzkräfte aus Bad Bergzabern haben in der Schweiz für den Ernstfall geübt.

Fortbildungen und Übungen gehören für die vielen ehrenamtlichen Feuerwehrleute Gewohnheit. Für 24 von ihnen, 21 aus der Verbandsgemeinde (VG) Bad Bergzabern sowie Kollegen aus Annweiler, stand jetzt aber eine außergewöhnliche Probe für den Ernstfall an. Die Reise ging nach Balsthal im Kanton Solothurn in der Schweiz, um dort Notfälle in einem Tunnel zu üben, die zu Hause hoffentlich nie eintreten werden. Denn: Gefahrensituationen in solchen Röhren stellen sehr hohe Anforderungen an die Feuerwehren.

Geübt haben die Einsatzkräfte aus der Pfalz in einer europaweit einmaligen Einrichtung, der International Fire Academy (IFA; deutsch: Internationale Feuerwehrschule). „So etwas gibt es in Deutschland gar nicht und wir wollen vorbereitet sein“, erzählt Andreas Wölfle, stellvertretender Wehrführer in Bad Bergzabern. Und das aus gutem Grund. Denn in naher Zukunft rollen in der Kurstadt täglich Tausende Fahrzeuge durch den Böhämmertunnel, dessen Bau im Zuge der Ortsumgehung schon weit fortgeschritten ist.

Anlage bildet Realität eins zu eins ab

Zusammen mit Jochen Kuntz, dem stellvertretenden Wehrleiter der VG, und Maximilian Dimpfl, Hauptfeuerwehrmann und Truppführer in Bad Bergzabern, erzählt er von den Erlebnissen bei den Eidgenossen. „Über unser System des Ehrenamts bei der Feuerwehr schütteln die Schweizer nur den Kopf, pro Einsatzstunde werden sie mit 35 Euro bezahlt“, erzählen die Feuerwehrleute. Von den dortigen Übungsvoraussetzungen sind sie beeindruckt. „Viele Nationen, auch aus Übersee, fahren in die Schweiz, um dort zu üben“, erzählt das Trio, das mit den Kameraden anstrengende Tage hinter sich und viele „Brände“ gelöscht hat.

Die Anlage in Balsthal bilde die Details eines Straßentunnels eins zu eins ab, sagen sie. Bis zu 50 Fahrzeuge können als Requisiten eingesetzt werden, darunter auch ein Tankfahrzeug und ein Linienbus. Die Wege für die Brandbekämpfung können mehrere hundert Meter lang sein und vollständig verraucht werden. Auch das Suchen und Retten von Verletzten oder desorientierten Betroffenen erfolge unter erschwerten Bedingungen. Mit künstlichem Nebel und Feuer mit Gas sei das jeweilige Szenario sehr realistisch gewesen. „Das Grundereignis war immer ein Brand im Tunnel, wir haben von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr geübt, immer auch in wechselnden Rollen“, erinnern sich die Feuerwehrmänner.

Ausbildung in der Schweiz kostet 57.000 Euro

450 Ehrenamtliche sind in der Verbandsgemeinde insgesamt im Einsatz, davon 150 Feuerwehrleute, die als Atemschutzträger ausgebildet sind. Sie müssen speziell bei einem Tunnelbrand ein 20 Kilo schweres Gerät mit sich tragen, zudem unter Umständen Verletzte ziehen oder tragen – die körperlichen Anforderungen sind also hoch. Bisher sind es 24 Feuerwehrleute, die die Ausbildung in der Schweiz gemacht haben, und damit auch als Multiplikatoren ihr Wissen weitergeben können. „Es ist wichtig, dass alle ausgebildet werden“, sagt Wölfle. „Nichts ist schlimmer als ein Einsatzleiter, der im Ernstfall dasteht und nicht weiß, was er tun soll.“ Daher lohne sich jeder Euro, der in solche Ausbildungen gesteckt werde. Dankbar seien sie daher für die Kostenübernahme durch die Verbandsgemeinde. Rund 57.000 Euro hat die Intensivausbildung insgesamt gekostet, die Beteiligung der VG Annweiler und des Kreises SÜW beträgt 9000 Euro, teilt die Verwaltung in Bad Bergzabern mit.

„Wir machen es aus Überzeugung und haben für die Ausbildung alle unbezahlten Urlaub genommen“, erzählen die drei. Sie sind sehr froh, dass sie diese Ausbildung in der Schweiz absolvieren konnten. Und sie hoffen, dass sie auch im heimischen Böhämmertunnel – der mit 1,4 Kilometern länger ist als die Tunnel bei Annweiler – üben können. Zeit genug sollte dafür sein. Denn die Inbetriebnahme des Bauwerks wird sich verzögern. Statt Ende 2026 rechnet der Landesbetrieb Mobilität mittlerweile mit einer Eröffnung im Sommer 2027.

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